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Sodom und Gomorrha?? 

Gewalt, nicht „Sünde“ 

Wie aus einer Geschichte über Machtmissbrauch eine Sexualmoral wurde

Zu Beginn ein Gedanke des Philosophen Karl Jaspers:

 

„Der Mensch hat Scham, das Tier nicht. Seine ‚unbefangene Natürlichkeit‘ verbirgt er. […] Er braucht gesellschaftliche Ordnungen, auch eine Ordnung des Sexuellen.“

 

Jaspers hat insofern Recht, als menschliche Gesellschaften immer Regeln für Sexualität entwickelt haben. Doch die entscheidende Frage ist:

 

Worauf beziehen sich diese Regeln eigentlich – auf Schutz vor Gewalt oder auf Kontrolle von Lust?

Ekstase, Ritual und die Angst vor Kontrollverlust

In vielen Kulturen der Antike existierten Formen kollektiver Ekstase – etwa in dionysischen Kulten Griechenlands oder den Bacchanalien im Römischen Reich.

 

Dabei ist wichtig:

Diese Rituale waren nicht einfach „Orgien“ im heutigen Sinne.


Sie waren religiös eingebettet und zielten auf Grenzüberschreitung, Trance und Gemeinschaftserfahrung.

 

Zugleich wurden sie schon in der Antike oft von politischen Gegnern als „entartet“ dargestellt. Moralische Empörung war also auch damals ein Instrument der Macht.

Vielfalt statt Norm:                          Sexualität im Kulturvergleich

Ein Blick über den westlichen Tellerrand zeigt:

 

Sexuelle Normen sind weltweit extrem unterschiedlich.

  • In einigen Gesellschaften existieren mehr als zwei Geschlechterrollen
  • In anderen wurden nicht-heterosexuelle Beziehungen sozial integriert
  • Wieder andere entwickelten komplexe Initiationsriten mit sexuellen Elementen

 

Diese Vielfalt bedeutet nicht, dass „alles erlaubt“ war – aber sie zeigt deutlich:

 

Die heutige westliche Sexualmoral ist keine anthropologische Konstante, sondern ein historisches Produkt.

Sodom: Was wirklich passiert

Kommen wir zur berühmtesten „Sexgeschichte“ der Bibel:


Genesis 19 – Sodom und Gomorrha

 

Die Szene ist drastisch:

 

Die Männer der Stadt fordern von Lot, seine Gäste herauszugeben, „damit wir sie erkennen“.

Im Kontext bedeutet das eindeutig: sexuelle Gewalt ausüben.

Der entscheidende Punkt:

Die zentrale Aussage der Geschichte ist nicht:

 

„Homosexualität ist Sünde“

 

sondern:

 

Gewalt gegen Fremde ist ein moralischer Abgrund

 

Das wird durch mehrere Aspekte deutlich:

  • Gastfreundschaft war heilig – ihr Bruch ein schweres Vergehen
  • Die Handlung ist kollektive Vergewaltigungsabsicht, nicht Sexualität
  • Auch andere biblische Texte (z. B. Hesekiel 16,49) nennen Hochmut, soziale Kälte und Ungerechtigkeit als Sünden Sodoms.     

Die biblische Parallele: Richter 19

Noch deutlicher wird das in einer oft übersehenen Parallelgeschichte:

 

Richter 19 – die „Schandtat von Gibea“

 

Hier fordert ein Mob ebenfalls die Herausgabe eines männlichen Gastes.
Stattdessen wird eine Frau ausgeliefert – und stirbt nach massiver Gewalt.

 

Der Text nennt das ausdrücklich:

„nebalah“ – eine Schandtat, ein Zusammenbruch aller Ordnung

Was diese Texte wirklich zeigen:

Diese Erzählungen haben nichts mit einvernehmlicher Sexualität zu tun.

 

Sie zeigen:

  • Sexualität als Machtinstrument
  • Gewalt als Mittel der Demütigung
  • Frauen als Verfügungsmasse patriarchaler Strukturen

Selbst die Figur Lot – oft als „gerecht“ dargestellt – bietet seine eigenen Töchter an, um die Gäste zu schützen.

 

Aus heutiger Sicht ist das nicht moralisch, sondern erschreckend.

Die große Umdeutung

Erst spätere religiöse Traditionen machten aus diesen Geschichten etwas anderes:

  • Aus Gewalt wurde „Sünde“.
  • Aus Machtmissbrauch wurde „Sexualmoral“.
  • Aus sozialem Versagen wurde ein Verbot bestimmter sexueller Orientierungen.

Diese Verschiebung ist entscheidend.

 

Denn sie lenkt den Blick weg vom eigentlichen Problem:

Gewalt, Entmenschlichung und Machtmissbrauch

 

und richtet ihn stattdessen auf:

 

einvernehmliche Sexualität zwischen mündigen Erwachsenen

Moral, Macht und Kontrolle

Die Geschichte von Sodom ist ein Beispiel für ein größeres Muster:

 

Religiöse Systeme neigen dazu,

  • Sexualität zu normieren
  • Abweichungen zu stigmatisieren
  • und dadurch gesellschaftliche Kontrolle auszuüben

Dabei werden ursprüngliche Texte oft so interpretiert, dass sie bestehende Machtstrukturen stabilisieren.

Fazit

Die biblische Geschichte von Sodom verurteilt keine sexuelle Orientierung.
Sie verurteilt Gewalt. - Explizit Gewalt gegen Fremde im Land!

 

Wer sie als Argument gegen einvernehmliche Sexualität benutzt, liest nicht den Text, ...

 

..., sondern seine eigene Moral hinein.

 

Und damit bleibt eine einfache Erkenntnis:

 

Nicht Vielfalt ist das Problem.
Nicht Lust ist das Problem.

 

Das Problem beginnt dort, wo Menschen einander zu Objekten machen.

 

Alles andere ist – wie so oft – eine Frage der Interpretation.

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letzte Updates:

20. März 2026

Sodomie in Sodom und Gomorrha? - Da ging es nie um „Homosexualität“, nicht einmal um Sexualität überhaupt. Da ging es um Gewalt, explizit um Gewalt gegen Fremde, da ging es um Massenvergewaltigung! Und (man muss es so deutlich sagen):
Das Problem ist nicht der Text. Das Problem ist, was man daraus gemacht hat.

Ein neuer Beitrag zur Reihe „Sexualmoral des christlichen Abendlandes“:

17.03.2026

14.03.2026

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Auf "Null gesetzt"
am 01.01.2025

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