(Eine historische und kritische Einordnung)
Am 6. Januar feiern viele christliche Kirchen den Dreikönigstag, auch Epiphanias genannt.
Kirchen, die noch dem julianischen Kalender folgen (vor allem einige orthodoxe Kirchen), feiern an diesem Datum jedoch Weihnachten – ihr Dreikönigstag fällt dann auf
den 19. Januar.
In den westlichen Kirchen heißt das Fest Epiphanie („Erscheinung“). Gemeint ist die Erscheinung Jesu für die Welt, symbolisiert durch den Besuch der sogenannten Heiligen Drei Könige.
In den östlich-orthodoxen Kirchen heißt das Fest dagegen Theophanie oder Fota („Erscheinung Gottes“ bzw. „Lichtfest“).
Hier steht nicht die Anbetung durch die Könige im Mittelpunkt, sondern die Taufe Jesu im Jordan, die als Offenbarung Gottes verstanden wird.
Ein zentrales Ritual ist dort die „Große Wasserweihe“:
Priester segnen Flüsse, Seen oder Meere, manchmal wird ein Kreuz ins Wasser geworfen. Das Wasser gilt als geheiligt und soll – nach kirchlicher Vorstellung – Gesundheit bringen und Sünden
abwaschen. Historisch-kritisch betrachtet handelt es sich dabei um symbolische Handlungen, nicht um nachweisbare Wirkungen.
1. Das ursprüngliche Epiphaniefest (Ostkirche)
Bereits im 4. Jahrhundert feierten Christen im Osten ein einziges großes Epiphaniefest. Es umfasste mehrere Jesus-Erzählungen:
2. Trennung von Weihnachten und Epiphanie
In Rom begann man um 354 n. Chr., die Geburt Jesu auf den 25. Dezember zu legen.
Der 6. Januar blieb für die „Erscheinung des Herrn“ reserviert.
3. Die „Heiligen Drei Könige“ – eine spätere Entwicklung
Im Neuen Testament (Matthäus 2) ist weder von Königen noch von drei Personen die Rede. Dort heißt es lediglich: „Weise (Magier) aus dem Osten“.
Erst im 6. Jahrhundert entstanden die Namen Caspar, Melchior und Balthasar – eine kirchliche Ausdeutung, keine biblische Information.
Die Erzählung berichtet von Sterndeutern, die aufgrund einer astrologischen Beobachtung einen neuen Herrscher erwarten.
Der sogenannte „Stern von Bethlehem“ wird in der Bibel beschrieben, ist astronomisch jedoch nicht eindeutig erklärbar. Viele Historiker sehen darin ein symbolisches Motiv, kein reales Himmelsereignis.
Die Weisen wenden sich zunächst an den Hof von Herodes was zum schlimmsten Massaker führt, von dem im Neuen Testament berichtet wird. – Allerdings gilt die Überlieferung vom
Kindermord von Bethlehem in der historischen Forschung als theologische Legende:
Außerhalb des Matthäusevangeliums gibt es keine zeitgenössischen Belege für ein solches Massaker.
Die große Popularität des Dreikönigstags im Westen entstand erst im Mittelalter.
Im Jahr 1164 brachte Rainald von Dassel angebliche Reliquien der Drei Könige von Mailand nach Köln.
Damit wurde Köln zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas – mit enormen wirtschaftlichen Folgen.
Der prächtige Schrein befindet sich bis heute im Kölner Dom.
Ob die Reliquien historisch echt sind? Da das Ereignis an sich nicht stattgefunden hat, maximal unwahrscheinlich! Auch ist das wissenschaftlich nicht belegbar… Die Wirkung der
Reliquien als religiöses Symbol war dennoch enorm.
Sternsingen:
Kinder ziehen als „Könige“ verkleidet von Haus zu Haus, singen Lieder und schreiben den Segensspruch:
C + M + B
(Christus mansionem benedicat – „Christus segne dieses Haus“)
Heute ist das Sternsingen vor allem eine Spendenaktion für Kinderhilfsprojekte – eine der wenigen Traditionen, bei der praktische Hilfe wichtiger ist als religiöser Glaube.
Dreikönigsspiele:
Mittelalterliche Theaterstücke, die die Geschichte der Weisen nachspielten – eine frühe Form religiöser „Unterhaltungspädagogik“. Aus diesem Brauchtum entwicklete sich das Sternsingen.
Dreikönigskuchen:
Ein Hefekuchen mit Bohne oder Figur. Wer sie findet, wird „König des Tages“.
Der Brauch geht auf römische Feste zurück und wurde später christlich umgedeutet.
Besonders bekannt ist er in der Schweiz, wo er im 20. Jahrhundert neu populär wurde.
Der Dreikönigstag ist kein ursprünglich biblisches Fest, sondern das Ergebnis eines langen kirchlichen Entwicklungsprozesses.
Viele seiner Inhalte entstanden erst Jahrhunderte nach den biblischen Texten – als Deutungen, Ausschmückungen und religiöse Symbolpolitik.
Wer das weiß, kann das Fest kulturell verstehen, ohne die Mythen für historische Tatsachen zu halten.