„Warum schreibst Du nur Schlechtes über die NAK? Es gibt doch so viel Gutes darüber zu sagen…“
Das hat mich nachdenklich gemacht. – Nachdem mir spontan keine neutrale Antwort eingefallen ist, habe ich die Ausgangsfrage erweitert und den Abrahamitismus insgesamt in den Blick genommen. Die objektive Antwort war ernüchternd. Aber lest selbst:
Es gibt Fragen, die wirken auf den ersten Blick harmlos – bis man versucht, sie ehrlich zu beantworten. Eine solche Frage lautet:
Was ist am Abrahamitismus eigentlich uneingeschränkt gut?
Also wirklich gut. Nicht „gefühlt hilfreich“, nicht „traditionell geschätzt“, sondern belastbar gut – so, dass man es jederzeit vertreten könnte...
Nach gründlicher Prüfung bleibt – man muss es so nüchtern sagen – erstaunlich wenig übrig.
Der häufigste Reflex lautet:
„Aber die Gemeinschaft! Der Zusammenhalt! Die Wärme!“
Ja, zweifellos. In vielen religiösen Gemeinschaften herrscht ein intaktes, teilweise sogar beeindruckend stabiles Sozialgefüge. Man kennt sich, man hilft sich, man gehört dazu.
Nur: Was genau daran ist religiös?
Denn exakt dasselbe findet sich auch:
Mit anderen Worten:
Menschen können Gemeinschaft. Dafür brauchen sie keinen Gott – nur andere Menschen.
Wenn Religion hier punktet, dann nicht, weil sie etwas Besonderes schafft, sondern weil sie etwas nutzt, das ohnehin da ist: unsere soziale Natur.
Nächster Kandidat: Moral. Nächstenliebe, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft – alles wunderbar. Aber auch hier stellt sich die unangenehme Frage:
Wo genau ist der religiöse Mehrwert?
Denn:
Man könnte es so formulieren:
Religion hat die Moral nicht erfunden – sie hat sie lediglich vereinnahmt.
Oder etwas schärfer:
Das Gute im Abrahamitismus ist nicht sein Eigentum, sondern geliehene Ware aus der menschlichen Grundausstattung.
Ein weiteres oft genanntes Plus: Religion gibt Sinn.
Das stimmt – zumindest subjektiv. - Religion liefert Antworten auf die großen Fragen:
Das Problem ist nur:
Die Antworten sind nicht überprüfbar.
Sie beruhen nicht auf Erkenntnis, sondern auf Behauptung.
Nicht auf Belegen, sondern auf Überlieferung.
Das ist ungefähr so, als würde man sich bei Orientierungslosigkeit nach Gusto eine Landkarte zeichnen – und anschließend behaupten, sie sei korrekt, weil sie einem ein gutes Gefühl gibt.
Hier wird das Bild nicht besser – nur konkreter.
Ja, auch hier gibt es:
Alles richtig. Alles anerkennenswert.
Aber wieder gilt:
Nichts davon ist spezifisch neuapostolisch.
Was hingegen spezifisch ist, gehört eher in eine andere Kategorie:
Oder, weniger freundlich formuliert:
Eine Struktur, die Gemeinschaft bietet – aber den Preis in Form von Deutungshoheit und Anpassung verlangt.
Wenn man das alles sauber auseinanderhält, ergibt sich ein klares Muster:
Das ist kein polemischer Trick, sondern eine analytische Beobachtung.
Was übrig bleibt, wenn man den religiösen Kern isoliert, sind:
Und genau diese Elemente sind es, die einer kritischen Prüfung am wenigsten standhalten.
Die eigentliche Pointe lautet daher:
Oder noch deutlicher:
Und wenn man ehrlich ist, bleibt am Ende nur eine leicht unbequeme Erkenntnis:
Alles andere muss sich erst noch beweisen. - Bis dahin gilt:
Fakten statt Fabeln...