Wir bringen Licht ins Dunkel
Wir bringen Licht ins Dunkel 

Unglaube ...

... und die Drohung mit Verdammnis

Der noch amtierende Präsident des Apostelvereins NAKI e.V. in Zürich und geistliches Oberhaupt aller neuapostolischen Christen weltweit, Jean-Luc Schneider, predigte am 11. Januar 2026 in Mombasa (Kenia) über Markus 16,16. - Der Vers lautet:

 

„Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

 

Über diese Predigt berichtete auch nac.today, das offizielle Nachrichtenportal der Neuapostolischen Kirche:

Was in solchen Predigten allerdings regelmäßig verschwiegen wird:

 

Der zitierte Bibeltext gehört gar nicht zum ursprünglichen Markusevangelium.

Der problematische Schluss des Evangeliums nach Markus

Das Evangelium nach Markus gilt unter Bibelwissenschaftlern als das älteste der vier kanonischen Evangelien. Die meisten Historiker datieren seine Abfassung um das Jahr 70 n. Chr., also etwa vier Jahrzehnte nach der Hinrichtung Jesu.

 

Der Verfasser war kein Augenzeuge der geschilderten Ereignisse.
Sein Text entstand innerhalb einer bereits bestehenden christlichen Traditionsbildung.

 

Besonders relevant ist jedoch etwas anderes:

Der Vers Markus 16,16 steht im sogenannten „langen Markusschluss“ (Mk 16,9–20). - Dieser Abschnitt gilt in der modernen Textkritik als spätere Ergänzung.

 

Die wichtigsten Gründe:

  • Die ältesten und zuverlässigsten Handschriften des Markusevangeliums enden bereits bei Mk 16,8.
  • Dazu gehören unter anderem
    - Codex Sinaiticus (4. Jahrhundert)
    - Codex Vaticanus (4. Jahrhundert).
  • Auch frühe Kirchenväter wie Eusebius von Caesarea und Hieronymus berichten, dass viele Manuskripte ihrer Zeit ohne diesen Schluss überliefert waren.
  • Stil, Wortschatz und Theologie der Verse unterscheiden sich deutlich vom übrigen Markusevangelium.

Heute gehen sowohl Wissenschaftler als auch (studierte) Theologen davon aus, dass Mk 16,9–20 erst im 2. Jahrhundert hinzugefügt wurde, vermutlich um das ursprünglich abrupt endende Evangelium zu „vervollständigen“.

 

Mit anderen Worten:

 

Die Stelle, mit der Prediger seit Jahrhunderten Verdammnis androhen, gehört gar nicht zum ursprünglichen Text und ist keinesfalls authentisch jesuanischen Ursprungs.

Der Missionsbefehl                                    und sein theologischer Exklusivismus

Der betreffende Abschnitt stellt einen Missionsauftrag dar. - Im unmittelbar vorhergehenden Vers heißt es:

 

„Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.“
(Mk 16,15)

 

Der folgende Vers präzisiert dann die Konsequenz:

 

„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“

 

Der Glaube, von dem hier die Rede ist, meint nicht irgendeinen Gottesglauben, sondern ausdrücklich die christliche Auferstehungsbotschaft.
Damit formuliert der Text eine der härtesten Konsequenzen des christlichen Exklusivismus:

 

Wer die Botschaft nicht glaubt, ist verloren.

 

Das betrifft nach dieser Logik:

  • Angehörige anderer Religionen
  • Skeptiker
  • Agnostiker
  • Atheisten
  • und letztlich jeden Menschen, der die Auferstehung Jesu nicht für historisch glaubwürdig hält.

Kann man Glauben überhaupt befehlen?

Noch grundlegender ist allerdings eine erkenntnistheoretische Frage:

 

Kann ein Mensch überhaupt beschließen zu glauben?

 

Glaubensüberzeugungen entstehen nicht durch bloßen Willensakt.

 

Man kann sich zwar vornehmen, eine Behauptung zu prüfen und Argumente abzuwägen.
Wenn diese überzeugen, akzeptiert man eine Aussage als begründete Annahme.

Das ist jedoch kein „Glaube“ im religiösen Sinne, sondern ein rational begründetes Urteil.

 

Religiöser Glaube funktioniert anders. - Er beruht in der Regel auf:

  • Sozialisation
  • Autorität religiöser Lehrer
  • emotionaler Bindung an eine Gemeinschaft.

Gerade deshalb wird religiöser Zweifel so häufig mit dramatischen Konsequenzen verbunden.

 

Die Drohung lautet:

Wer nicht glaubt, wird verdammt.

 

Psychologisch ist das leicht erklärbar: Angst stabilisiert Glaubenssysteme.

Wer fürchtet eigentlich die Hölle?

Für einen aufgeklärten Menschen wirkt die Drohung mit ewiger Höllenpein kaum überzeugend. - Angst davor haben meist nur diejenigen, die bereits tief in einem religiösen Deutungssystem sozialisiert wurden.

 

Viele bleiben im Glauben, weil sie fürchten, dass Zweifel katastrophale Folgen haben könnte. - Die Drohung erfüllt damit eine klassische Funktion religiöser Machtsysteme:

 

Sie stabilisiert Loyalität durch Angst.

Mystische Erfahrungen – und ihre Deutung

Manche Glaubenslehrer verweisen darauf, dass echter Glaube auf mystischen Erfahrungen beruhe. Sie berufen sich auf Mystiker, die tatsächlich von intensiven Erlebnissen der Einheit mit einer höheren Wirklichkeit berichten.
Solche Erfahrungen sind jedoch kein Beweis für die Existenz eines übernatürlichen Wesens.

 

Denn ähnliche Zustände können entstehen durch

  • Meditation
  • sensorische Deprivation
  • extreme Emotionen
  • neurologische Prozesse im Gehirn.

Der Umstand, dass Menschen solche Erfahrungen machen, belegt zunächst nur eines:

 

Dass das menschliche Gehirn zu außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen fähig ist.

Welche Deutung man diesen Zuständen gibt, bleibt eine Frage der Weltanschauung.

F  A  Z  I  T :

Der Vers, mit dem christliche Prediger Ungläubigen Verdammnis androhen, ist nach übereinstimmender Meinung von Wissenschaftlern und auch studierter Theologen eine spätere Ergänzung des Markusevangeliums.

 

Doch selbst wenn er authentisch wäre, bliebe ein grundlegendes Problem:

 

Niemand kann willentlich beschließen, etwas für wahr zu halten, das er nach sorgfältiger Prüfung für unbegründet hält – halten  M U S S.

Eine Drohung mit Verdammnis für Nichtglauben läuft daher letztlich auf etwas Absurdes hinaus:

 

Sie bestraft Menschen dafür, dass sie ihre Vernunft benutzen.

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letzte Updates:

06. März 2026

„Wer nicht glaubt, wird verdammt.“ heißt es in Mk.16:16. Doch der Vers gehört gar nicht zum ursprünglichen Markusevangelium, sondern zu einem später angehängten Schluss. Was fachlich unqualifizierte Kirchenvertreter, wie die NAK-Führungsfunktionäre und die Redakteure von deren Medien natürlich nicht wissen, wird bei „Fakten statt Fabeln“ erläutert:

03.03.2026

27.02.2026

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Auf "Null gesetzt"
am 01.01.2025

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