Der Kindermord von Bethlehem wird ausschließlich im Matthäus-Evangelium (Mt 2,13–18) erzählt. Nach dieser Darstellung fühlt sich Herodes der Große durch die Nachricht von einem neugeborenen „König der Juden“ bedroht. Um jede mögliche Konkurrenz auszuschalten, lässt er alle männlichen Kleinkinder in Bethlehem und Umgebung töten.
Jesus entkommt nur deshalb, weil Maria und Josef rechtzeitig gewarnt werden und mit dem Kind nach Ägypten fliehen. Der Massenmord wird in der christlichen Tradition zu einem Symbol für die Verfolgung Unschuldiger und für die Grausamkeit weltlicher Macht.
Christliche Ausleger sehen in der Flucht nach Ägypten die Erfüllung eines alttestamentlichen Verses aus Hosea 11,1:
„Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“
In dieser Lesart:
Ein erster, sehr wichtiger Punkt:
Für die Geschichtswissenschaft ist das ein starkes Indiz dafür, dass es sich nicht um ein reales historisches Ereignis handelt.
Herodes war ohne Zweifel ein brutaler Machtpolitiker. Er ließ sogar Familienmitglieder töten, wenn er sich bedroht fühlte.
Aber:
Die Bibelwissenschaft sieht im Kindermord von Bethlehem keinen Tatsachenbericht, sondern eine theologische Erzählung mit klarer Absicht:
Matthäus konstruiert eine bewusste Parallele:
So wird Jesus als neuer Mose dargestellt – als Befreier und Gesetzesbringer.
Auch der zitierte Hosea-Vers ist ursprünglich keine Prophezeiung auf einen Messias. Er bezieht sich auf das Volk Israel insgesamt.
Matthäus:
Hier wird es problematisch – gerade aus aufgeklärter Sicht:
Das erinnert auffällig an das alttestamentliche Motiv:
? Für kritische Leser stellt sich deshalb zwangsläufig die Frage:
Warum braucht ein allwissender und allmächtiger Gott immer wieder den Tod von Kindern, um seinen Plan umzusetzen?
? Wer diese Erzählung kritisch liest, erkennt:
Sie sagt mehr über das Denken ihrer Autoren aus als über historische Ereignisse – und sie fordert dazu heraus, religiöse Texte nicht ehrfürchtig zu schlucken, sondern ethisch zu hinterfragen.
Genau hier endet fromme Weihnachtsromantik
und genau hier beginnt Aufklärung.