Nach dem Matthäus-Evangelium (Mt 2,1–12) kamen zur Zeit der Geburt Jesu sogenannte magoi aus dem Osten nach Jerusalem und später nach Bethlehem. Das griechische Wort magoi bedeutet Magier, Sterndeuter oder Weise, nicht Könige. Erst viele Jahrhunderte später machte die christliche Tradition aus ihnen „Könige“.
In der kirchlichen Auslegung wurden sie zu drei Gestalten, weil drei Geschenke genannt werden:
Die Ankunft dieser Männer wird als Epiphanie verstanden, als „Erscheinung“ oder „Offenbarwerden“ Jesu für alle Völker der Welt – also nicht nur für Juden. Deshalb gilt der 6. Januar als Dreikönigstag bzw. Epiphanias und markiert in der westlichen Christenheit das Ende der Weihnachtszeit.
Die historisch-kritische Bibelwissenschaft schaut genauer hin – und kommt zu deutlich nüchterneren Ergebnissen:
Im Bibeltext steht:
Die heute bekannten Namen Caspar, Melchior und Balthasar tauchen erst im 6. Jahrhundert auf. Sie sind spätere Legenden, keine historischen Personen.
Zur Zeit Jesu bezeichnete magoi meist gelehrte Sterndeuter oder Priester, besonders aus:
Dort waren Astronomie und Astrologie hochentwickelte Wissenschaften. Diese Männer wären also eher mit antiken Gelehrten als mit Märchenkönigen vergleichbar.
Ein wichtiger Punkt:
Die Erzählung von den Magiern steht nur im Matthäus-Evangelium.
Das spricht stark dafür, dass es sich um eine theologisch-symbolische Erzählung handelt – nicht um einen historischen Reisebericht.
Matthäus schrieb für eine jüdisch geprägte Leserschaft. Seine Botschaft lautet sinngemäß:
Selbst heidnische Gelehrte erkennen die Bedeutung Jesu – während viele religiöse Autoritäten es nicht tun.
Der „Stern“, die Geschenke und der Weg nach Bethlehem dienen dieser theologischen Aussage, nicht der Geschichtsschreibung.
Historisch gesehen ist Epiphanias kein Geburtstagsfest Jesu, sondern ein Deutungsfest:
Dass orthodoxe Kirchen Weihnachten am 6. oder 7. Januar feiern, liegt nicht an anderen biblischen Texten, sondern schlicht daran, dass sie weiterhin dem julianischen Kalender folgen, der heute um 13 Tage vom gregorianischen Kalender abweicht.
? Wer das weiß, verliert nichts, sondern gewinnt etwas:
Man lernt zu unterscheiden zwischen Glaubenserzählung, Symbolsprache und historischer Wirklichkeit.
Genau darum geht es uns hier bei „Fakten statt Fabeln“:
Nicht um Glaubensverbote – sondern um
kritisches Denken, Wissensgewinn und
mündige Urteilsfähigkeit.