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Überarbeiteter und neu einsortierter Beitrag vom 11.07.2019:

Instinktlosigkeit oder Chuzpe?

wenn Neuapostel den Holocaust vereinnahmen

Die gesamte Rubrik in CANITIES-News, die Sie gerade lesen, ist der unbewältigten Vergangenheit der Neuapostolischen Kirche gewidmet. - Und diese Vergangenheit hat es in sich.

 

Umso mehr schwillt mir der Kamm, wenn ich – im Wissen um diese Geschichte – mitbekomme, dass sich einer der neuapostolischen Spitzenfunktionäre ausgerechnet des Holocaust-Themas zu Marketingzwecken bedient.

 

Ein aktuelles Beispiel liefert ein Beitrag der NAK-Nordost:

 

„Zur Einstimmung auf den besonderen Gottesdienst am Sonntag stand am Vortag der Besuch des Konzentrationslagers (KZ) Auschwitz (Oświęcim) auf dem Programm von Bezirksapostel Krause und seiner Begleitung. ‚Die Eindrücke und Schilderungen werden wir unser Leben lang nicht mehr vergessen‘, so der Bezirksapostel, der unter anderem die Tatsache meinte, dass allein in der Zeit von 1943 bis 1945 etwa 1,5 Millionen Menschen ihr Leben in Auschwitz lassen mussten. Viele weitere Menschen, nämlich auch die Nichterfassten von 1940 bis 1943, machten das Lager zum ‚größten Friedhof der Welt‘.

 

In diesem Zusammenhang konnte auch die Predigtgrundlage am Sonntag verstanden werden: ‚Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben (…)‘ (Markus 6,34). Entsprechend gingen die Gedanken des Bezirksapostels im Schwerpunkt an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes, derer er im Gebet gedachte. ‚Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig es ist, für die Seelen in der jenseitigen Welt einzutreten‘, formulierte Bezirksapostel Krause in seinen Notizen zum Aufenthalt im Nachbarland.“

Quelle:

https://www.nak-nordost.de/db/165949/Nachrichten/Bezirksapostel-Krause-in-Polen

 

Dieses Mal war ich – zugegeben – besonders wütend. Zufällig hatte ich kurz zuvor auf Netflix die Dokumentation „The Accountant of Auschwitz“ gesehen.

 

https://www.netflix.com/de/title/81017506


Und damit war sie wieder präsent: die Tatsache, dass auch die Neuapostolische Kirche Täter in ihren Reihen hatte. Dass sich NAK-Funktionäre nach 1945 gegenseitig Persilscheine ausstellten. Und dass Täter nicht nur geduldet, sondern geehrt wurden.

 

So etwa im Fall Alfred Nörenberg.

 

Der Amtsvorgänger Krauses, NAK-Bezirksapostel Karlheinz Schumacher, ließ dem ehemaligen SS-Mann Nörenberg eine besondere Ehre zuteilwerden:

 

Ein „Besonderer Gottesdienst zum 100. Geburtstag von Alfred Nörenberg in der Gemeinde Hamburg-Lurup“ wurde gefeiert.

 

Zu einem Zeitpunkt, als Nörenberg längst als Täter entlarvt war. - Die Geschichtswerkstatt Lurup dokumentiert dazu:

 

„[…] Im Rahmen kritischer, meist ehemaliger Gemeindemitglieder der Neuapostolischen Kirche Lurups wird scharf darüber diskutiert, dass Alfred Nörenberg, einer der Verantwortlichen des 1944 verübten Massakers in den Winsbergen an Zwangsarbeitern des DAF-Zwangsarbeiterlagers in der Lederstraße, unbehelligt als gefeierter SS-Sturmbannführer [Anm. fcs: Entspricht in etwa dem Heeresdienstgrad ‚Major‘] in der Neuapostolischen Gemeinde Lurup seinen Geburtstag feiern konnte.

 

Weder Albert Schweim, verantwortlicher Gestapo-Chef, noch Walter Kümmel, Lagerleiter des Frauen-Außenlagers des KZ Neuengamme, wurden juristisch zur Verantwortung gezogen. Die Enteignung und Verfolgung jüdischer Grundbesitzer in Lurup wurde nach 1945 nicht aufgearbeitet – meiner Wahrnehmung nach sogar kollektiv verleugnet.“

Quelle:

http://www.geschichtswerkstatt.lurup.de/nachkriegsjahre.htm

 

All das konnte dem früheren Kriminaldirektor Rüdiger Krause nicht unbekannt gewesen sein.

 

Ebenso wenig kann mir jemand erzählen, dass ihm der offene Brief Olaf Wielands vom 20.03.2013 – gerichtet an seinen Adlatus Apostel Jörg Steinbrenner – unbekannt war.

 

Wieland thematisiert darin die Hitlerverehrung neuapostolischer Apostel und verweist explizit auf die Personalie Nörenberg.

https://qv-nak.lima-city.de/Offener-Brief-Steinbrenner.pdf

 

Krause wusste das alles.

 

Und dennoch stellte er sich in Auschwitz vor seine Gemeinde und rührte für seine Sekte die Werbetrommel.

 

Das hat mit Instinktlosigkeit nichts zu tun. - Und mit Chuzpe auch nicht.

 

Das ist Kaltschnäuzigkeit!

 

Kaltschnäuzige Geschichtsklitterung – so, wie sie in der Neuapostolischen Kirche spätestens seit den Zeiten Fehrs gang und gäbe ist.

 

PFUI TEUFEL, KRAUSE.

 

Zum Weiterlesen empfehle ich einen Beitrag zu diesem Thema auf Dieter Kastls Seite naktalk:

 

https://www.naktalk.de/nak-auftritt-voll-daneben/

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