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Dank Andreas Vöhringer, eines Redaktionsmitglieds des Bischoff-Verlags, wurde ich an diese Initiative erinnert. Vöhringer wurde bereits 2012 bei Ökumene-Gesprächen mit neuapostolischer Beteiligung als „theologischer Referent im Verlag Friedrich Bischoff“ vorgestellt.1
In einem nac-today-Beitrag vom 28.09.2019 erinnerte Vöhringer an die Stolperstein-Verlegung am 29. Juni 2019 in Besigheim. Ergänzende Informationen finden sich in einem Artikel der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 01.07.2019.2
Was Vöhringer in seinem Beitrag jedoch versäumt hat, ist ein Hinweis auf die Stiftung Spuren – Gunter Demnig, die hinter dem Projekt steht. Auch insgesamt blieb seine Darstellung bemerkenswert knapp: Mit einem einzigen Nebensatz erwähnt er, dass die „Stolpersteine“ eine 1992 begonnene Aktion des Künstlers Gunter Demnig seien.
Wie groß diese Erinnerungsaktion in den inzwischen mehr als 25 Jahren ihres Bestehens geworden ist, scheint Vöhringer entweder nicht gewusst zu haben – oder für nicht erwähnenswert gehalten zu haben. Selbst auf der Website der Stiftung wird der mittlerweile erreichte Umfang eher zurückhaltend dargestellt. Wer sich über Dimension, internationale Verbreitung sowie Ehrungen und Auszeichnungen informieren will, muss gezielt die Rubrik „Fakten und Zahlen“ aufsuchen.3
Einen schnellen Überblick bietet ansonsten vor allem Wikipedia.4
Mittlerweile finden sich Stolpersteine in ganz Europa – nahezu überall dort, wo der rechtsradikale Nazi-Terror gewütet hat. Mehr als 116.000 Stolpersteine sind bislang verlegt worden, davon rund 88.000 in Deutschland.
Vöhringer hingegen war es offenbar wichtiger, hervorzuheben, dass drei der in Besigheim verlegten Stolpersteine an Mitglieder der Neuapostolischen Kirche erinnern.
Jedes Opfer war eines zu viel – daran besteht kein Zweifel. Um die Abscheulichkeit und Menschenverachtung des nationalsozialistischen Terrorsystems sichtbar zu machen, ist es legitim und notwendig, auch Einzelschicksale zu dokumentieren.
Um jedoch den tatsächlichen Umfang der Gräueltaten zu verdeutlichen, wäre es ebenso angemessen gewesen, darauf hinzuweisen, dass diese drei „neuapostolischen Stolpersteine“ (im Jahr 2019) lediglich 3 von über 53.000 sind – also rund 0,005 %.
Oder bestand die Sorge, dass das Gedenken an Frida Dippon unweigerlich die bis heute nicht aufgearbeitete nationalsozialistische Vergangenheit der damals pro-nationalsozialistisch ausgerichteten Neuapostolischen Kirche in Erinnerung rufen könnte?
Nein – das werfe ich Vöhringer nicht konkret vor. Jedenfalls nicht im Detail.
Dennoch komme ich nicht umhin festzustellen, dass der Aufbau seines Beitrags durchaus als ein weiteres Beispiel typisch neuapostolischer Geschichtsklitterung gelesen werden kann.
Das würde zumindest zu jemandem passen, der es 2013 fertigbrachte, ein Buch mit dem Titel „Bilder aus der Vergangenheit: 150 Jahre Neuapostolische Kirche“ zu veröffentlichen – selbstverständlich im kircheneigenen Bischoff-Verlag.
Tatsächlich kann die Neuapostolische Kirche ihren 150. Geburtstag jedoch erst Pfingsten 2047 feiern. Vöhringer war seiner Zeit also 34 Jahre voraus.
Aber gut – gönnen wir ihm diesen Spaß.
Denn 2047 wird die Neuapostolische Kirche in Deutschland aller Wahrscheinlichkeit nach keine nennenswerte Rolle mehr spielen.