Doch welchem? Derzeit werden ca. 5.000 verschiedene verehrt?
Aber Michael Ehrich tut wieder einmal so, als hätte er Ahnung. Dabei weist sein jüngstes nac.today-Spotlight alle Zeichen von Ahnungslosigkeit auf. (oder von bösartiger Scharlatanerie)
Nehmen wir diesen „Spotlight“-Text einmal nicht als fromme Erbauung, sondern als das, was er tatsächlich ist: ein rhetorisch geschniegelt vorgetragenes Konglomerat aus theologischen Verkürzungen, psychologischer Naivität und erkenntnistheoretischer Blindheit.
„Furcht gehört zum menschlichen Leben …“
Das ist korrekt – aber auch völlig trivial. Eine solche Feststellung ist intellektuell auf dem Niveau eines Kalenderspruchs. Sie dient hier lediglich als Einfallstor, um im nächsten Schritt eine steile, aber unbegründete Behauptung einzuführen:
„Wenn jedoch Gott Menschen kundtut: ‚Fürchtet euch nicht!‘ …“
Hier beginnt bereits die erste Unredlichkeit. Ehrich suggeriert eine allgemeine, universale göttliche Ansprache – eine Art metaphysischer Dauerdurchsage. Tatsächlich aber handelt es sich in den biblischen Texten um situative, narrative Rede-Akte, eingebettet in literarische Konstruktionen.
Mit anderen Worten: Nicht „Gott sagt zu den Menschen“, sondern:
Texte berichten, dass Figuren innerhalb dieser Texte bestimmte Worte hören.
Das ist ein fundamentaler Unterschied – und Ehrich verwischt ihn bewusst oder aus Unvermögen.
„Vertrauen in Menschen oder in Wissenschaft und Technik kann trügen.“
Ach? Währenddessen hat genau diese „trügerische“ Wissenschaft dafür gesorgt, dass Herr Ehrich seine Gedanken digital verbreiten kann, ohne von der Pest dahingerafft zu werden.
Hier operiert er mit einem klassischen religiösen Taschenspielertrick:
Das Problem:
Oder klarer gesagt:
Ehrich stellt ein fehlbares, aber selbstkorrigierendes System (Wissenschaft) einem nicht überprüfbaren Glaubenspostulat gegenüber – und erklärt Letzteres zur „höheren Dimension“.
Das ist kein Denken. Das ist metaphysische Immunisierungsrhetorik.
„Gottvertrauen kann Furcht mindern.“
Das ist ungefähr so tiefgründig wie: „Schokolade macht Traurige weniger traurig.“
Ja – religiöse Überzeugungen können emotional stabilisieren. Aber daraus folgt nicht:
Hier wird ein psychologischer Effekt (Beruhigung durch Glaubenssysteme) kurzerhand in eine ontologische Aussage über Realität umgedeutet.
Das ist in etwa so, als würde man sagen:
„Placebos wirken – also ist der Wirkstoff real.“
„Er tat ein Wunder und stillte den Sturm.“
Hier wird es endgültig unerquicklich. Ehrich führt eine Wundererzählung aus dem Matthäusevangelium als Beleg für reale göttliche Intervention an.
Historisch-kritisch betrachtet ist diese Geschichte:
Es gibt:
Und doch wird das Ganze präsentiert, als handele es sich um einen Erfahrungsbericht im Sinne moderner Evidenz.
Das ist kein theologischer Diskurs – das ist präaufklärerisches Erzählen im Gewand moderner Kommunikation.
„Diese Zusage galt es im Vertrauen anzunehmen.“
Was Ehrich elegant unterschlägt: Der Text aus Jesaja 41 steht im Kontext des babylonischen Exils und ist:
Er wird hier jedoch:
Das ist ein klassischer hermeneutischer Kurzschluss. - Oder deutlicher:
Man nimmt einen antiken Text mit spezifischem Adressatenkreis und macht daraus eine universale Heilsbotschaft für heutige NAK-Mitglieder.
Das ist keine Auslegung – das ist ideologische Aneignung.
„Wir sind Adressaten der unverbrüchlichen Heilszusage …“
Hier kulminiert das Ganze in einem Glaubenssatz, der sich jeder Prüfung entzieht.
Das ist im Kern:
Selbstbestätigung innerhalb eines geschlossenen Systems. - Ein System, das sagt:
Ein klassischer Zirkelschluss.
Was bleibt?
Ein Text, der:
Kurz gesagt:
Ein ideologisch stabilisierender Text für eine Gemeinschaft, die Zweifel nicht als Erkenntnischance, sondern als Bedrohung begreift.
Das eigentlich Bemerkenswerte ist nicht einmal Ehrich selbst. Sondern der Applaus seiner Follower.
Denn dieser zeigt:
Man hört nicht zu, um zu prüfen – sondern um sich im eigenen Weltbild zu spiegeln.
Dort dagegenhalten zu wollen ist entweder ein Reden gegen eine Wand – oder (wahrscheinlicher!) ein Echo in eine sehr gut gedämmte Kammer zu reflektieren