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Europäisch‑amerikanischer „Konflikt“ um Grönland…

Wie kommen wir denn auf                   DIESES schmale Brett?

Manchmal gerät man morgens – noch vor dem ersten Kaffee – auf gedankliche Abwege, die man sich selbst kaum zugetraut hätte. So ging es mir heute. Plötzlich stand da dieser sogenannte Grönlandkonflikt im Raum: amerikanisch‑europäisch, strategisch aufgeladen, moralisch vernebelt – und bei näherem Hinsehen vor allem eines: grotesk.

 

Ein Blick in die Geschichte hilft. Wie so oft.

Wer war eigentlich zuerst da?

Der Norden des amerikanischen Kontinents wurde vor rund 20.000 Jahren von indigenen Völkern aus Asien besiedelt, die über die damals noch existierende Bering‑Landbrücke einwanderten. Die stärkste Einwanderungswelle fand etwa um 11.500 v. Chr. statt.

 

Von dort aus erreichten um etwa 2400 v. Chr. die ersten Menschen Grönland. Sie gehörten zur sogenannten Denbigh‑Kultur, einer frühen Ausprägung der paläo‑eskimoischen Kulturen. Ihnen folgten die Saqqaq‑Kultur (bis etwa 900 v. Chr.) sowie die Dorset‑Kultur, die Grönland ungefähr von 500 v. Chr. bis 1000 n. Chr. besiedelte. Es handelte sich um verschiedene Gruppen von Vor‑Inuit.

Um das Jahr 1000 n. Chr. breitete sich die Thule‑Kultur in Grönland aus – die direkte Vorläuferin der heutigen Inuit. Sie verdrängte die älteren Kulturen und wurde zur dominierenden indigenen Bevölkerung der Insel.

 

Fast zeitgleich tauchten auch Wikinger auf dem nordamerikanischen Kontinent auf. Leif Eriksson erreichte Neufundland, wo kurzlebige nordische Siedlungen entstanden. Man beachte: von Osten kommend.

 

Dänisch wurde Grönland ab 1721 – im Rahmen der dänisch‑norwegischen Kolonialisierung. Zwei Jahrhunderte später erklärte Dänemark seine staatliche Oberhoheit. 1953, nach dem formalen Ende der Kolonialzeit, wurde Grönland Teil des Königreichs Dänemark. Seit 1979 verfügt es über weitreichende Autonomie und ist heute ein selbstverwalteter Bestandteil des dänischen Reichsverbands.

Jetzt ein kurzer Abstecher nach Nordamerika:

Die dauerhafte europäische Besiedlung Nordamerikas begann erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts – durch Einwanderer vor allem aus England und Frankreich, später auch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.

 

In den ersten hundert Jahren dieser Besiedlung wurde rund 90 % der indigenen Bevölkerung durch Krieg, Vertreibung, eingeschleppte Krankheiten und systematische Gewalt ausgelöscht. Es entstanden 13 Kolonien, politisch voneinander getrennt, aber der britischen Krone untergeordnet.

 

Ab 1775 traten Delegierte dieser Kolonien im Ersten und Zweiten Kontinentalkongress zusammen, übernahmen Regierungsfunktionen und organisierten eine gemeinsame Armee unter George Washington. Am 4. Juli 1776 erklärten die Kolonien ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Erst ab diesem Zeitpunkt können wir sinnvoll von den „Vereinigten Staaten von Amerika“ sprechen. 1783 wurde diese Unabhängigkeit auch vom britischen Königreich anerkannt.

 

Lapidar gesagt: Das Amerika, das von der MAGA‑Bewegung heute „wieder groß gemacht“ werden soll, existiert erst seit knapp 250 Jahren.

Und nun: Grönland zurückgeben? - Ernsthaft?

Da tritt also ein typischer neureicher, bildungsresistenter Fettklops deutsch‑schottischer Abstammung auf den Plan – Amerikaner der zweiten Generation, dessen Großvater 1885 nach Abschluss einer Friseurlehre aus Deutschland in die USA auswanderte, dessen Großmutter aus Schottland kam und dessen Vater der erste war, der tatsächlich in den Vereinigten Staaten geboren wurde.

Und dieser Mann schwafelt davon, es sei an der Zeit, dass Dänemark Grönland zurückgebe.

 

Zurückgeben? An wen bitte?

 

Grönland wurde 1721 dänische Kronkolonie – zu einem Zeitpunkt, als die USA noch nicht einmal als Idee existierten. Und die ersten Europäer, die sowohl Grönland als auch Nordamerika um das Jahr 1000 erreichten, waren Wikinger, also Skandinavier: Norweger, Dänen, Schweden.

 

Das Gerede vom „Zurückgeben“ ist also historischer Nonsens. Eine Idee, auf die nur jemand kommen kann, der entweder dumm geboren wurde und mangels kognitiver Leistungsfähigkeit nichts dazugelernt hat – oder der seine Umgebung bewusst für ebenso dumm hält.

 

Man könnte zugespitzt sagen: Der geistige Leistungsquotient dieser Argumentation liegt ungefähr zehn Punkte unter dem eines durchschnittlichen Bonobos.

 

Es sei denn – und das ist die freundlichere Lesart – es handelt sich um einen abgefeimten Halunken mit ganz anderen Interessen.

Sicherheitsinteressen? Wohl kaum.

Seit 1951 verfügen die USA auf Grundlage eines Verteidigungsabkommens mit Dänemark über einen Militärstützpunkt in Grönland. Er dient unter anderem der Überwachung von Raketenstarts und Weltraumaktivitäten. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die amerikanische Militärpräsenz dort drastisch reduziert – freiwillig.

 

Diese Reduzierung ließe sich jederzeit rückgängig machen. Auch europäische NATO‑Staaten könnten mit Zustimmung Grönlands und Dänemarks eigene Stützpunkte errichten – zum Schutz Grönlands und zur Sicherung des nordatlantischen Raums.

 

Kurz gesagt: So what?

Worum es wirklich geht

Es geht um Rohstoffe. Um sehr viele Rohstoffe.

 

Grönland ist reich an Seltenen Erden, Eisen, Kupfer, Zink, Blei, Gold, Lithium, Graphit sowie an Erdöl‑ und Erdgasvorkommen. Hinzu kommen Platingruppenmetalle, Uran, Titan und Anorthosit. Der bisherige Eispanzer erschwerte den Zugriff – doch mit fortschreitender Erderwärmung schwindet diese Barriere.

 

Ein geologischer Schatz von kaum zu überschätzendem Wert.

 

Dass dies Begehrlichkeiten nicht nur in den USA, sondern auch in China und Russland weckt, überrascht niemanden. Entscheidend ist jedoch: Wenn dieser Reichtum irgendwem gehört, dann den Grönländern.

 

Weder die USA noch Russland oder China haben irgendeinen moralischen oder rechtlichen Anspruch auf diese Ressourcen. Und alles andere wäre das nackte Recht des Stärkeren – das also, vor dem Völkerrecht und Menschenrechte schützen sollen.

Und Europa?

Das kommt hier ins Spiel. Dänemark gehört zur Europäischen Union – ebenso wie Schweden, während Norwegen eng angebunden ist. Daraus ergibt sich mehr als nur eine moralische Schutzverpflichtung gegenüber Grönland.

 

Der erwähnte amerikanische Lautsprecher weiß das. Deshalb versucht er, Europa einzuschüchtern.

 

Dabei gilt: Wirtschaftlich und militärisch ist eine einige EU den USA ebenbürtig. Sie könnte sowohl Washington als auch Moskau Paroli bieten – nur eben nicht beiden gleichzeitig. Umgekehrt können sich die USA keinen ernsthaften Konflikt mit Europa leisten, solange China bereitsteht, amerikanische Einflusszonen im Pazifik anzugreifen.

Ein Gedankenspiel zum Schluss:

Wäre es nicht eine geradezu elegante Lösung, Grönland in die vollständige Unabhängigkeit zu entlassen und es – zu seinem eigenen Schutz – als Mitglied in die Europäische Union aufzunehmen?

 

Flankiert von einem dezenten, strategischen Flirt mit China.

 

Sollte es den USA nicht gelingen, die MAGA‑Bewegung politisch zu marginalisieren, wird das transatlantische Verhältnis ohnehin auf lange Zeit beschädigt sein. Etabliert sich diese Bewegung dauerhaft, dürfte auch die NATO zerbrechen. Sie müsste dann durch eine neue Sicherheitsarchitektur ersetzt werden – von Kanada über Grönland, Island, Großbritannien und Skandinavien bis nach Kontinentaleuropa. Bestehende NATO‑Strukturen ließen sich weiter nutzen, lediglich ohne US‑amerikanische Kontingente.

 

Ein charmanter Nebeneffekt: Russland könnte erkennen, dass es zwischen Europa und China zerrieben würde, wenn es nicht endlich klein beigibt und sich in eine neue eurasische Friedensordnung einfügt.

 

So könnten die gierig nach Grönland ausgestreckten Finger der USA am Ende sogar einen Beitrag zum Frieden leisten – vorausgesetzt, die Europäer zeigen endlich (ich sag’s noch einmal auf Stammtisch‑Preußisch), dass sie einen Arsch in der Hose haben und den Hintern hochbekommen.

 

Ende der morgendlichen Gedankenspirale. Kaffee jetzt.

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Donald Trump entdeckt Grönland – und hält es offenbar für eine Sonderangebotsinsel mit Bodenschätzen statt Bevölkerung. - Ein satirischer Blick auf Größenwahn, Geschichtsvergessenheit und geopolitische Gier zwischen Eis, MAGA und Märchenstunde:

17.01.2026

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