Um die soziale Kälte der aktuellen deutschen Politik zu verstehen, muss man wissen, welcher Typ Mensch Politiker wie Bundeskanzler Friedri Schmerz &
Co. und insbesondere die dämonische Wirtschaftsministerin Katharina Reiche sind.
Und um zu verstehen, wie ein solcher Typ Mensch entstehen konnte, muss man weit zurück in die Wirtschaftsgeschichte schauen. Mit meinem folgenden Aufsatz versuche ich, die Entwicklung zu
skizzieren:
Viele Menschen glauben, unser Wirtschaftssystem sei so selbstverständlich wie Schwerkraft:
Man arbeitet, bekommt Geld, einige sind reich, andere arm – „war halt schon immer so“.
Das stimmt nicht. - Und genau darin liegt der blinde Fleck.
Der größte Teil der Menschheitsgeschichte verlief ohne Kapitalismus.
Zehntausende Jahre lang:
Menschen produzierten, was sie brauchten – gemeinsam, nicht für einen anonymen Markt.
Tatsächlich gab es in frühen Jäger- und Sammlergruppen kaum so etwas wie „Besitz“ im heutigen Sinn. Werkzeuge vielleicht, aber Land gehörte niemandem. Produktion war auf unmittelbare Bedürfnisse ausgerichtet.
Mit der neolithischen Revolution (Ackerbau, Viehzucht) änderte sich das grundlegend:
Und genau hier beginnt das Problem:
Was aufbewahrt werden kann, kann auch kontrolliert werden.
Besitz entsteht – nicht aus Idee, sondern aus Kontrolle.
Was sich geändert hat, war nicht „die menschliche Natur“. - Was sich geändert hat, war der Zugang zu Ressourcen. - Irgendwann wurde aus:
„Wir nutzen dieses Land“
ein:
„Dieses Land gehört mir.“
Und aus:
„Wir arbeiten gemeinsam“
wurde:
„Du arbeitest für mich.“
Auch wenn es zunächst unvorstellbar anmutet, dass ein Tier – der Mensch – behauptet ein Teil unseres Planeten sei sein Eigentum:
Landbesitz ist historisch nicht zuerst eine philosophische Idee („Das gehört mir“), sondern eine Machtfrage:
Frühe Hochkulturen wie in Mesopotamien oder Ägypten kannten bereits:
Das ist noch kein Kapitalismus – aber eine hierarchische Ökonomie.
Am Anfang entwickelte sich die Arbeitsteilung, und mit der Spezialisierung entstand Tausch. Entscheidend dabei ist aber:
Hier kommen Dinge wie:
Wobei Geld zunächst rein funktional ist: Es löst das Problem, dass direkter Tausch extrem ineffizient ist (der berühmte „doppelte Zufall der Bedürfnisse“).
Kapitalismus beruht auf einem simplen, aber folgenreichen Mechanismus:
Und plötzlich erscheint es „normal“, dass:
Die heutige Form des Kapitalismus entsteht erst viel später, etwa ab dem 16.–18. Jahrhundert in Europa. Wichtige Faktoren:
Den Kern hat Adam Smith beschrieben, aber kritisch analysiert wurde er vor allem von Karl Marx:
Der entscheidende Trick ist, dass Arbeit mehr Wert erzeugt, als sie kostet – und die Differenz (Mehrwert) bleibt beim Eigentümer. Doch blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhundert die Produktion die primäre Quelle von Profiten.
Lange bevor es Fabrikbesitzer und Finanzmärkte gab, existierte bereits etwas anderes:
Institutionen, die erklärten, warum die einen mehr haben als die anderen. In gewisser Weise haben sie die Verwaltung knapper Güter erfunden und die „Macht über das Volk“
übernommen…
Priester, die Erfinder der Götter und deren Institutionen… Sie erfanden die Sünde und erklärten gleichzeitig das Mittel zur Erlösung von Sündenschuld zu besitzen: Die Gnade…
Die Priesterschaft stellte die ersten Herrscher, und war später die rechte Hand der Mächtigen.
In frühen Hochkulturen wie Mesopotamien oder Ägypten verwalteten Priester nicht nur Rituale, sondern auch Ressourcen, Abgaben und Deutungen.
Sie entschieden nicht unbedingt, wer wie viel bekam – aber sie lieferten die Begründung dafür, dass es so sein sollte.
Ungleichheit wurde nicht einfach hingenommen. Sie wurde erklärt. Und dadurch stabilisiert.
Vielleicht waren Priester nicht die ersten Kapitalisten, doch waren sie viel schlimmer! Sie waren es, die die Menschen davon überzeugten, dass Ungleichheit einen höheren Sinn hat.
Heute sind die Begründungen andere. Doch die Struktur ist vertraut geblieben.
Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis mehrerer historischer Prozesse:
Das System ist also nicht einfach „entstanden“, sondern wurde aktiv geformt – oft gegen Widerstand.
Wir treffen auf einen realen Widerspruch:
Das Problem ist also nicht Geld an sich, sondern:
Mittlerweile hat sich das Kapital zu einem scheinbar eigenständigen Akteur entwickelt. – Wirtschaftshistorisch sprechen wir von Finanzialisierung – ein zentralen Strukturwandel des Kapitalismus seit den 1970er/80er Jahren.
Hier eine kurze Übersicht die wesentlichen Gründe, wie es dazu kam:
1. Krise des produktiven Kapitalismus (Fordismus)
2. Politische Deregulierung (Neoliberalismus)
3. Aufstieg des "Shareholder Value"
4. Innovationen im Finanzsektor (Derivate & Schattenbanken)
5. Akkumulation von Finanzvermögen
Das Kapital ist also zum „eigenständigen Marktteilnehmer“ geworden, weil es die Produktion als primäre Quelle von Profiten abgelöst hat und durch Finanzialisierung Gewinne direkt aus Finanzgeschäften erzielt werden, ohne den Umweg über die Produktion von Gütern zu nehmen. Es ist eine "Abkoppelung" von Finanz- und Realwirtschaft festzustellen, bei der das Kapital den Takt angibt.
Dies ist das System dem Bundeskanzler Merz, aber auch Katharina Reiche usw. in ihrem außerpolitischen Berufsleben gedient haben, und in dem sie ihren Wohlstand erworben und gesichert haben
Hier wird es spannend – und umstritten:
Kapitalismus ist also kein Naturgesetz, sondern eine historische Lösung – mit sehr spezifischen Folgen.
Die entscheidende Frage lautet also nicht:
„Ist Kapitalismus gut oder schlecht?“
Sondern:
„Warum halten wir etwas für natürlich,
das historisch entstanden ist?“
Die Antwort ist einfach:
Weil wir hineingeboren werden.
Niemand erinnert sich daran, dass es auch ganz anders organisiert sein könnte.
So wie ein Fisch das Wasser nicht bemerkt, bemerken wir das System nicht, in dem wir leben.
Ein Mensch, der glaubt, es sei „schon immer so gewesen“, hat nicht Geschichte gelernt – sondern Gewöhnung.
Doch trotzdem hat er ein natürliches Recht, nicht ausgebeutet zu werden!