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Herrlichkeit, die man halluziniert

Wenn Wasser zu Wein wird –                     und Text zu Theologie-Schaum

Man kennt ihn inzwischen, den Andreas Rother von nac.today: jenen Mann, der vom hauseigenen NAKI-Magazin einst als „Spezialist für redaktionelle Texte“ vorgestellt wurde – ein Ehrentitel, der sich im Nachhinein als bemerkenswert elastisch erwiesen hat. Heute wissen wir: Gemeint war offenbar ein Spezialist für fromme Plauderei, bibelnahe Nacherzählung und faktenresistente Sinnstiftung. Kurz: der Märchenonkel vom Dienst.

 

Mit seinem jüngsten Beitrag „Herrlichkeit, die man schmecken kann“ erreicht Rother nun eine neue Stufe der hermeneutischen Selbstenthemmung. Er erzählt die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12) nicht etwa als das, was sie nach überwältigendem Konsens der historisch-kritischen Bibelwissenschaft ist – eine theologisch konstruierte Zeichenlegende des anonymen johanneischen Autors –, sondern verkauft sie seiner Leserschaft in jovial-herablassendem Plauderton als historische Begebenheit mit tiefem spirituellem Mehrwert:

Man reibt sich die Augen. Oder greift gleich zum Messbecher.

Vom Wunder zur Weinprobe

Rother beginnt harmlos: Hochzeitsstimmung, siebentägige Feier, peinlicher Weinmangel. Alles ganz menschlich. Dann aber kippt der Text – dem Wasser in den Steinkrügen nicht unähnlich – abrupt in den Bereich des naiv-mirakulösen Erzählens:

500 bis 700 Liter Wasser werden, schwupps, zu Wein. Zum besten Wein sogar. Kein Hinweis auf literarische Symbolik, keine Einordnung in antike Motivtraditionen, keine Reflexion über die offenkundige Nähe zu Dionysos-Legenden oder hellenistischer Wunderrhetorik.

 

Stattdessen: ehrfürchtiges Staunen.
Und das im Jahr 2026.

 

Der epistemologisch geschulte Leser fragt sich unwillkürlich:

 

Ist das Redaktionsteam von nac.today eigentlich noch im 19. Jhdt. steckengeblieben – oder bereits wieder davor?

Zeichen? Ja. - Historisch? Nein.

Dass der unbekannte johanneische Evangelist selbst von einem sēmeion, einem Zeichen, spricht, hätte Rother auf eine Spur bringen können. Zeichen sind in der antiken Literatur keine Tatsachenberichte, sondern theologische Chiffren. Johannes konstruiert seine Erzählung gezielt: als Auftakt einer Zeichenreihe, als symbolische Inthronisation Jesu, als programmatische Eröffnung einer neuen Heilszeit.

 

Doch statt diese literarische Architektur offenzulegen, tut Rother so, als habe jemand zufällig am Rand einer galiläischen Hochzeit einen göttlichen Chemie-Workshop dokumentiert.


Das ist keine Auslegung. - Das ist fromme Infantilprosa.

Doxa, Kabod und andere Nebelkerzen

Besonders unerquicklich wird es dort, wo Rother sein theologisches Nebelgerät auspackt: doxa, kabod, Wolken, Säulen, Städte aus Licht. Ein rascher Streifzug durch biblische Bildwelten, lose aneinandergereiht, ohne historische Kontextualisierung, ohne Textkritik, ohne Bewusstsein für die jahrhundertelangen innerbiblischen Brüche und Widersprüche.

 

Dass doxa im Johannesevangelium ein hochgradig theologisch aufgeladenes Konstrukt ist – Ergebnis eines langen Reflexionsprozesses innerhalb einer spätantiken Gemeinde –, interessiert ihn ebenso wenig wie die Tatsache, dass Mose am „Feuerbuch“ nie existiert hat und Jesajas Apokalypse ein Produkt exilischer Hoffnungsliteratur ist.

  • Statt Erkenntnis gibt es Gefühl.
  • Statt Analyse: Andacht.
  • Statt Wissenschaft: sakrale Aromatherapie.

Voll des süßen Weines?

Am Ende bleibt der Eindruck eines Textes, der weniger von Erkenntnis als von theologischer Selbstberauschung lebt. Man möchte fast mit einem Augenzwinkern fragen, ob der Autor beim Schreiben nicht selbst „voll des süßen Weines“ gewesen sei – jenes Weines, der angeblich mehr erzählt, als er ist, und mehr bewirkt, als je geschehen sein kann.

 

Dass Rother sich vorab bei CANITIES-News hätte informieren können – etwa über die Wunder Jesu im Allgemeinen oder die Hochzeit zu Kana im Besonderen –, wäre ihm zumutbar gewesen. Aber Aufklärung ist offenbar nicht seine Disziplin. Er bevorzugt die warme Decke der Gewissheit, das Kuschelkissen der Heilsrhetorik und den altbekannten Trick, Mythen als Tatsachen zu verkaufen, solange nur der Ton stimmt.

F a z i t :

Was nac.today hier bietet, ist keine Theologie, sondern Narrativkosmetik. Keine Auslegung, sondern frommes Storytelling. Keine Erkenntnis, sondern Herrlichkeit aus der Retorte.

 

Oder, um es in der Sprache des Johannesevangeliums zu sagen:

 

„Sie haben den schlechten Wein bis jetzt aufbewahrt.“

 

Und Andreas Rother schenkt ihn großzügig aus.

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letzte Updates:

17. Januar 2026

Andreas Rother der in den NAK-Nius als „Spezialist für redaktionelle Texte“ (wohl eine Definition für Märchenonkel) vorgestellt wurde, wird einmal mehr seinem Ruf gerecht. Er erreicht sogar eine neue Stufe der hermeneutischen Selbstenthemmung:

05.01.2026

04.01.2026

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Auf "Null gesetzt"
am 01.01.2025

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