... wir schreiben Klartext
... wir schreiben Klartext

11.07.2016 - 08:27 Uhr

Unkenntnis oder Etikettenschwindel?

NAK-Wording auch bei der Verwendung  lehrfremder Begriffe?

Eine neue Konzeption, ein neuer Begriff: In der neuapostolischen Gebietskirche Süddeutschland startet die „Konzeption Achtsamkeit“. Amtsträger, Führungsverantwortliche und Lehrkräfte in den kirchlichen Unterrichten bekennen sich mit ihrer Unterschrift zu einem Verhaltenskodex ihres Handelns. Was hat es damit auf sich?

 

So steigt der Vereinssprecher des NAKI e.V., Zürich, Peter Johanning in den nac.today-Beitrag

ein… Und auch wir fragen uns: Was hat es mit dieser Aktion auf sich? – Nun, das Beste, das man über diese Aktion sagen kann, ist wohl: „wenigstens ein Anfang …“ oder „besser als nichts …“

 

Wenigstens greift man das Thema heute auf, allerdings ist man nicht bereit, auf das einzugehen, was in der Vergangenheit bereits stattgefunden hat, geschehenen sexuellen Missbrauch zuzugeben und aufzuarbeiten, den Opfern Gehör zu schenken! Selbst das, was LINDD zu der Thematik zu sagen hatte, wollte man auf dem IKT in München nicht hören und erlaubte der Organisation keinen Informationsstand.

 

Warum nicht? Weil man eben nur einen sehr begrenzten, kontrollierten Ausschnitt der Problematik sehen und bearbeiten will!

 

Die Nähe des Begriffs „Geistlicher Missbrauch“ ist und bleibt den Funktionären ein Graus und deshalb hat man ja auch (allerdings erfolglos) versucht, CANITIES die Verwendung dieses Begriffs gerichtlich zu verbieten!

 

Es reicht eben nicht, Mitarbeitern einen Verhaltenskodex an die Hand zu geben, Prävention sexuellen Missbrauchs bedeutet sicherlich, Kindern mehr Freiheit und mehr Selbstbestimmungsrechte zuzugestehen, als es der NAK lieb sein kann:

 

Nein-sagen zu dürfen gegenüber den Forderungen von (Kirchen-)Autorität, ist eine Tugend, die in der NAK nie als solche gesehen, geschweige denn gepflegt und gefördert wurde! Kinder (und Erwachsene) sollen mit mehr oder weniger subtilen Methoden nach wie vor dazu gebracht werden, sich einzufügen und die religiösen Forderungen zu verinnerlichen, als eigene anzunehmen. In der Kindererziehung war eine grundlegende Forderung immer, den Kindern die Achtung und den Respekt gegenüber ihren „Segensträgern“ „ins Herz zu legen“! Sich diesen Männern zu widersetzen war ja auch gleichbedeutend mit „sich dem lieben Gott in seinen Boten“ zu widersetzen! Wer in diesem Sinne erzogen wird, hat natürlich große Schwierigkeiten, den Gehorsam zu verweigern.

 

LINDD schreibt dazu:

„Es gibt Erfahrungen, dass bestimmte Führungsstrukturen mit dazu beitragen, das Risiko einer sexuellen Gewalttat an Kindern zu erhöhen. Wir benennen eine, von der wir glauben, dass sie auch in unserer Kirche anzutreffen sein kann:

Eine autoritäre Führung, die u. a. unbedingte Gehorsamspflicht einfordert, die bei Nichtbeachtung vor allem den Zorn Gottes nach sich zieht.“

 

Es dürfte einigermaßen schwierig sein, Kindern beizubringen, dass sie nur ganz bestimmte Forderungen ablehnen dürfen, - abgesehen davon, dass es so gar nicht funktioniert! Das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper ist nicht isoliert vermittelbar, ist eingebettet in ein umfassenderes Recht auf „Eigensein“ und Selbstwahrnehmung und kollidiert sicherlich immer wieder mit der Forderung nach Anpassung und Funktionieren im kirchlichen Rahmen.

 

Wie sollen sich Eltern verhalten, deren Kinder nicht in den Gottesdienst oder die Sonntagschule gehen wollen – nicht, weil sie sexuell missbraucht wurden, sondern einfach weil sie sich dort nicht wohlfühlen oder langweilen oder …?? Dann sollen sie auf einmal wieder das vermeintliche Seelenheil ihrer Kinder über deren gegenwärtige Bedürfnisse stellen und mit klaren Ansagen oder Tricks für einen regelmäßigen GD-Besuch sorgen?

 

Spätestens hier wird deutlich, dass der aus dem Buddhismus stammende Begriff „Achtsamkeit“ für diese Aktion falsch gewählt wurde, vermutlich nur, weil „Achtsamkeit“ heute so aktuell und beliebt ist, dass sich die NAK gerne auch dieses Mäntelchen umhängen möchte – auch wenn es ihr so gar nicht passt! Die NAK-Lehre verlangt nämlich letztlich so ziemlich das Gegenteil von dem was Achtsamkeit intendiert, bei der er es um aufmerksame, akzeptierende, nicht-wertende und nicht-fordernde Wahrnehmung dessen was im Augenblick ist geht:

 

„Achtsamkeit und Meditation unterscheidet sich grundlegend von allem, was du in der Welt lernst. Normalerweise lernen wir immer in der Absicht uns zu verbessern. Aber bei Achtsamkeit geht es überhaupt nicht ums Verbessern. Es geht darum zu bemerken, dass du schon perfekt bist, so wie du bist.“

(Jon Kabat-Zinn)

 

„Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.“

(Jon Kabat-Zinn, in: 108 Momente der Achtsamkeit)

 

Und in einem Artikel über Achtsamkeit in der Erziehung lesen wir: „Achtsam sein bedeutet, innere und äußere Vorgänge mit ungeteilter, entspannter Aufmerksamkeit zu beobachten und ‚das ganze Bild‘ aufnehmen. Es ist die Fähigkeit, ganz im Hier und Jetzt präsent zu sein, den Augenblick wahrzunehmen – und zwar völlig wertfrei, ohne Analyse oder Urteil.“

 

Alles klar? Diametraler Gegensatz zu den Zielen traditioneller NAK-Erziehung, die nichts Menschliches als einfach gut und richtig akzeptieren kann, deren Ziele das Sterben des „alten Adam“ und das Entstehen der „neuen Kreatur“ sind. Es gilt, zu überwinden – das eigene Wollen, die eigenen „Triebe“, das eigene Ich. Alles, was der Achtsamkeitsphilosophie wichtig ist, „Im Hier und Jetzt zuhause sein“ (Thich Nhat Hanh), ist etwas, was die jenseitsorientierte NAK keinesfalls will. Ihr geht es im Diesseits nur darum, sich und auch die zwangsvermitgliedschafteten Kinder der Mitglieder auf das eigentliche Leben vorzubereiten. Das irdische physische und psychische Wohl ist diesem Ziel unterzuordnen!

 

Dass ausgerechnet eine Institution mit dieser Zielrichtung sich das Schlagwort „Achtsamkeit“ auf die Fahne schreibt, ist ein Hohn … wenn es nicht so traurig wäre!

 

„Ich bin überzeugt davon, dass der Sinn des Lebens darin besteht, glücklich zu sein. … In unserem tiefsten Innern sehnen wir uns schlicht nach Zufriedenheit. Ich weiß nicht, ob das Universum mit seinen unzähligen Galaxien, Sternen und Planeten irgend- einen besonderen Zweck erfüllt, aber zumindest eines ist klar: Wir Menschen, die wir auf dieser Erde leben, sind vor die Aufgabe gestellt, auf glückliche Weise zu leben.“

(Tenzin Gyatso, Dalai Lama XIV, Der Sinn des Lebens)

18.06.2016 - 11:28 Uhr

Konjunktive: Gott könnte, wenn er ...

denn wollte und wenn er so wäre wie er angeblich sein soll

[Quelle: (- klick) ins Bild]

In einer Diskussion der fb-Gruppe Klartext (- klick) wurde angesichts der ständig wiederholten Behauptungen der NAK-Apostel, sie würden Gottes Willen verkünden, kürzlich die Frage aufgeworfen, wie denn überhaupt jemand sicher sein kann, dass die Verkündigungen des göttlichen Willens stimmen.

 

Dazu ist ganz klar zu sagen: Niemand kann sicher sein, dass ein Gott zu ihm gesprochen hat oder zu jemand anderem, der behauptet, dass .... Wie denn auch? Woher soll man denn wissen, dass der andere einen nicht belügt oder dass man selber einer Täuschung erlegen ist?

Wenn Gott (vorausgesetzt einmal, es gäbe ihn) verlangt, dass man an IHN in der RICHTIGEN Weise glauben soll, IHN in der richtigen Weise anbeten, verehren und opfern und das alles eventuell auch noch in der richtigen Kirche - dann muss er sich gerechterweise unmissverständlich und unzweifelhaft äußern, damit der arme Mensch, der es so gerne richtig machen will, nicht einem Irrtum erliegt!

 

In der Bibel stehen so hilfreiche Sprüche wie: Prüfet alles! Oder: Glaubt nicht den falschen Propheten!

 

Äääh … wie bitte soll das gehen? Wer prüft, kann keine anderen Messwerkzeuge benutzen als die, die er in seiner Kultur/Religion erworben hat!
Mir kamen übrigens bereits als Kind solche Gedanken wie: „Meine Güte, wenn ich nicht in eine neuapostolische Familie hineingeboren worden wäre – wie hätte ich denn dann wissen können, dass unsere Apostel die richtigen sind??“

 

Tja, wie hätte ich … und wie sollten erst Menschen aus völlig anderen Kulturkreisen „erkennen“, dass die z.B. NAK-Lehre unzweifelhaft die einzig richtige ist? Müssen nicht z.B. Juden daran festhalten, dass der richtige Glaube verlangt, weiterhin auf den verheißenen Messias zu warten, statt Jesus dafür zu halten?

Erst recht „schwierig“ wird es dann für Menschen, die außerhalb der abrahamitischen Religionen aufgewachsen sind! Gehören diese Menschen dann einfach nicht zu den von Gott erwählten – aber angeblich will er doch, dass ALLEN Menschen geholfen wird?
Dann müsste er aber auch für gleiche Chancen sorgen, er ist doch schließlich gleichermaßen gerecht und allmächtig, oder?


Dazu noch ein „heimlicher“ Gedanke aus meiner treu-gläubigen Zeit, in der ich so ernstlich bemüht war, mir alles „zurecht-zu-glauben“, denn Gott macht ja keine Fehler:

 

Meine kindliche Überlegung war, dass Gott vielleicht doch ganz viele verschiedene „Wege“ vorgesehen habe und Aborigines genauso auf ihrem „richtigen“ Weg seien wie Buddhisten oder Christen und dass es eben für jeden einzelnen nur darauf ankäme, auf seinem jeweiligen Weg und in seinem Lebensumfeld das Gute und Richtige zu tun…

Ja, soviel Mühe habe ich mir gemacht, meinen „Gott“ als den All-liebenden zu verstehen und ihn nicht zu kritisieren, obwohl ich ja nach NAK-Anleitung nicht mal verstehen sollte, sondern nur glauben, dass der menschliche Verstand Gott ohnehin nicht verstehen kann, aber am „Ende“ alles klar und vollkommen sein würde!


Gott durfte nicht kritisiert werden, das war ein Tabu – auch wenn die Kritikpunkte so offensichtlich vorhanden waren, mussten sie aus der Wahrnehmung und aus dem Denken verbannt und abgespalten werden.

Erst nach dem Verlassen des Glaubenssystems konnte ich die verdrängten Überlegungen der Kindheit wieder aufgreifen: Warum sollte man von Gott nicht Gerechtigkeit erwarten dürfen und mindestens so viel Berücksichtigung psychologischer Bedingtheiten, wie es schon den Menschen in ihrer Begrenztheit möglich ist?

Meine Idee von den verschiedenen Wegen zu Gott hatte allerdings einen entscheidenden „Haken“:
Wenn Gott diese Unterschiede billigen oder gar wollen würde, bliebe immer noch die Frage, warum er tatenlos zusieht, wie sich Anhänger unterschiedlicher Wege bekämpfen und vernichten und über Jahrhunderte unsägliches Leid hervorgebracht haben … abgesehen davon, dass er auch dem erzeugten Leiden INNERHALB der diversen Glaubenssysteme zusieht, ohne deren Irrtümer zu korrigieren und klar und deutlich zu sagen: „Hey, das habt ihr falsch verstanden, ich will gar nicht, dass Homosexuelle geächtet und Frauen unterdrückt werden!“ (die Beispiele ließen sich fortsetzen!)

 

Von einem allmächtigen Gott kann ich doch erwarten, dass er sein Bestes gibt – und das tut er ganz offensichtlich nicht!!!

 

Statt angesichts meiner Unfähigkeit, Gott zu begreifen, demütig das Haupt zu senken und das Denken auszuschalten, fühle ich mich heute befreit und zudem froh, mit diesen Gedanken nicht alleine zu stehen, sondern mich wiederzufinden z.B. in den so klaren und nachvollziehbaren Ausführungen von Uwe Lehnert in seinem Buch „Warum ich kein Christ sein will“:

Zitat:
 „[…] Auch wenn es hochmütig klingt: Nach allem bisher Gesagten ist es für mich nicht mehr des Nachdenkens wert, ob die Bibel göttlich inspiriertes Wort ist. Sie stammt schlicht aus der Feder von Menschen, die jeweils ihre eigenen Absichten damit verfolgten. Der im Alten Testament beschriebene Gott ist erbarmungslos, gewalttätig, er erschlägt zu Tausenden Erstgeborene und lässt aus Zorn zwischendurch mal die gesamte belebte Welt ertrinken. Was soll an diesem Gott verehrungs- und anbetungswürdig sein? Jesus war sicher auch nicht Gottessohn, sondern vermutlich einer jener vielen Wander-prediger, die damals durch die Lande zogen. Möglicherweise war er von beeindruckender Wortmächtigkeit und eine charismatische Erscheinung, dessen bild- und gleichnishafte Sprache die Menschen in ihren Bann zog und sie veranlasste, seine in mancher Hinsicht unerhörten und hörenswerten Gedanken weiterzugeben. Der Tod am Kreuz als Opfer, um die Menschheit ihrer Sündigkeit wegen mit Gott zu versöhnen, ist später erfunden worden und begründet »eine heidnische Menschenopferreligion nach religiösem Steinzeitmuster« (Ranke-Heinemann). Ich kann damit nichts, aber auch gar nichts anfangen.

 

Und noch etwas ist von großer Merkwürdigkeit: Wenn Gott uns wirklich etwas zu sagen hat, warum sagt er es uns nicht selbst? Ganz direkt und unmittelbar und nicht durch selbsternannte Vertreter.

Warum bedarf es einer Priesterkaste, die über die Jahrhunderte oft genug gezeigt hat, dass sie die – teilweise durchaus beherzigens- und bedenkenswerten – Forderungen der Bergpredigt, wie Barmherzigkeit, Nächstenliebe – übrigens schon im Alten Testament erwähnt (Levitikus 19,18) – oder Verzicht auf nicht lebensnotwendigen Reichtum, verraten hat und stattdessen eher am Ausbau ihrer Macht interessiert war?

 

Wenn Gott wirklich auf unserer Seite steht, warum zeigt er uns das nicht so unmissverständlich, dass es nicht länger der Interpretationshilfe sich in so vielfacher Weise widersprechender »Zwischenhändler« bedarf? In seiner All-macht und Weisheit dürfte es ihm nicht schwerfallen, Mittel und Wege zu finden, uns unmittelbar und glaubhaft anzusprechen. Eine solche direkte göttliche Ansprache würde wohl jeden Menschen überzeugen und machte dann die riesigen kirchlichen Verkündigungsbetriebe und die Heerscharen von Vertretern, die Gottes Wort glauben erklären zu müssen, überflüssig.

 

Warum kann ein allmächtiger und allwissender Gott nicht in klarer, eindeutiger und auch zeitgemäßer Sprache zum Ausdruck bringen, was er von den Menschen erwartet und was er ihnen anbieten möchte? Die widersprüchlichen, gefälschten, interpretationsbedürftigen Texte der Bibel sind eines Gottes unwürdig, der Welt und Mensch zu schaffen fähig sein soll, aber unfähig, sich so zu äußern, dass seine Botschaft von allen verstanden und von allen in gleicher Weise gedeutet wird.

Hätte Gott in seiner angeblichen Fürsorge sich klar und eindeutig offen-bart, dann wären zahllose mörderische Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern unterblieben, weil sie ihn dann nicht alle unterschiedlich verstanden hätten. Dann wäre den Menschen unermesslich viel Leid erspart geblieben, weil sein aufklärendes Wort den gnadenlosen Verfolgungen in seinem Namen Einhalt geboten hätte. So viele ungezählte, in den Himmel empor gestreckte, um Hilfe flehende Arme wären nicht ohne hörbare Antwort geblieben, wenn er wirklich für uns da wäre. Warum äußert er sich in seiner angeblich unendlichen Liebe zu uns nicht deutlich und verständlich? Warum »schweigt und schweigt und schweigt er«? (Hans Küng) Und wenn er angeblich spricht, warum sind dann seine Worte so vieldeutig, dass sie der Interpretation seiner Propagandisten bedürfen, beispielsweise in Hunderten von theologischen Fakultäten, die dann mit vielen und sich widersprechenden Stimmen von der »einen Wahrheit« künden?

 

Deswegen nein und nochmal nein zu einer solchen meinen – ich betone ausdrücklich: meinen – Verstand beleidigenden Religion! Sie ist ein Produkt der Verzweiflung, der Hoffnung, der Phantasie, geschaffen von Menschen, die es damals nicht besser wussten, die in ihrer irdischen Not, aus der sie nicht herausfanden, die Vorstellung einer besseren Welt im Jenseits entwarfen. Es ist ein Glaube aus Angst vor dem Tod, ein Glaube als Vorstellung eines Ideals aus Güte, Gerechtigkeit und Wohlergehen. Inzwischen haben immer mehr Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Sie konnten sich über die Wissenschaften, speziell die Naturwissenschaften, vom Glauben an Geister, Dämonen und opfergierige Götter freimachen und entdeckten, dass sie ihr Leben auch selbst bestimmen können. Die Menschen fingen an, sich über immer weiter entwickelte landwirtschaftliche Techniken vom Hunger zu befreien, und dank moderner Medizin verlieren Krankheiten und Schmerzen allmählich – wenn auch sehr langsam – ihre Schrecken. Hilfe kommt nicht vom Jenseits, der Mensch kann sich offensichtlich nur selbst helfen. Die christliche Religion hat ihn viel zu lang davon abgehalten, sich seiner Möglichkeiten und Kräfte bewusst zu werden. Diese Form von Glauben hat daher für sehr viele Menschen ihre lebenspraktische Bedeutung im Alltag inzwischen weitgehend verloren. […]“ (Zitatende)

Quelle: Uwe Lehnert, „Warum ich kein Christ sein will …“ 6. Aufl. ersch. 2015 bei Tectum-Verlag Marburg, ISBN 978-3828834750, Seite 319 ff

 

Kommentare zu diesem Beitrag (bitte unter Bezugsangabe) sind hier möglich (- klick)

24.03.2016

Vernichtendes Stammapostel-Urteil:

Wer Gottes Hilfe nicht erkennt ist SELBER SCHULD

screenshot aus "silent running", © 1972 by Universal Pictures

(Zitat) „Manchmal sind wir total verzweifelt: ,Gott hat mich vergessen‘“, übertrug er die biblische Begebenheit in die heutige Zeit. „Was tun wir in dem Moment? Wir schreien zu Gott und sagen ihm: Himmlischer Vater, ich brauche deine Hilfe!“

„Gott hört diesen Schrei.“ Er antworte im Gottesdienst. „Dann öffnet er uns durch den Heiligen Geist die Augen und zeigt uns die Hilfe, die schon da ist.“ (Zitatende)

[Quelle (auch für alle folgenden Zitate): http://nac.today/de/home/335958]

 

Peng und abgewatscht:

Geh gefälligst in den Gottesdienst, wenn du Gottes Hilfe willst!

 

Selbstverständlich in den „richtigen“ Gottesdienst, dahin, wo Gott bzw. der Heilige Geist sich durch seine Boten offenbart! Und dort höre gefälligst mit der rechten Herzenseinstellung zu – denn wenn du keinen Trost empfindest und nicht glücklich und selig wirst, dann bist DU FALSCH!

Und dann hör gefälligst auf, dir eigene Vorstellungen darüber zu machen, wie Gottes Hilfe aussehen soll:


(Zitat) „Es geschieht nichts Großartiges, aber nach einer Weile merken wir: Gott hat uns geholfen, so ganz leise, aber er war da. Möge Gott uns immer die Augen öffnen, damit wir seine Hilfe erkennen, die sich in der Länge entfaltet.“ (Zitatende)

 

Zwei Fliegen mit einer Klatsche: Erstens haben die Gläubigen gefälligst nicht ungeduldig zu sein, wenn nichts hilfreiches passiert, weil sich die Hilfe „in der Länge entfaltet“ und zweitens ist natürlich auch derjenige selber schuld, der sich nicht von Gott (durch das Wort seiner Boten im Gottesdienst!) die Augen öffnen lässt, um genau DAS als Hilfe zu erkennen, was gerade im „Angebot“ ist.

Und erwarte gefälligst keine BEDINGUNGSLOSE Hilfe – Du musst schon erstmal in Vorleistung treten und deinen Part erfüllen bzw. erfüllt haben:


(Zitat) „Wer nach den Geboten Gottes lebt, bleibt vor vielem unnötigen Übel bewahrt. Er gibt uns sein Wort, und wer danach lebt, der kann sicher sein, dass Gott helfen wird.“ (Zitatende)

 

Tja – böser Haken: Der Hilfsbedürftige hat erstmal wieder Gottes Wort anzunehmen, also im NAK-Gottesdienst zu sitzen und das Wort der Gottesboten gläubig anzunehmen. Dann muss er aber auch noch „danach leben“ -  eine herrlich umfassende Forderung und wer kann schon sicher sein, sie zu erfüllen? Wenn also die gewünschte Hilfe nicht kommt – SELBER SCHULD!

 

Und hör gefälligst auf, Gottes Hilfe für dein jämmerlich unbedeutendes irdisches Leben zu wünschen – begreif endlich mal, dass es darauf überhaupt nicht ankommt: Was wirklich zählt, ist das Heil deiner Seele und das eigentlich und über alle Maßen wichtige kommt NACH deinem Tod, versprochen!


Gottes Hilfe sieht so aus: „Es bedeutet, dass Jesus Christus dich liebt und dich vom Bösen erlösen will. – Wir meinen, der liebe Gott hätte uns vergessen? Dabei ist Gottes Sohn für dich gestorben.“

 

Also wirklich, jetzt muss es doch wohl auch der Letzte verstanden haben: Wenn Gott sich höchstselbst für dich geopfert hat und qualvoll für deine Sünden am Kreuz gestorben ist, dann ist es doch eine maßlose Unverschämtheit, sich nicht glückselig mit diesem Wissen zu begnügen und nun auch noch Gesundheit und ein erträgliches Leben zu verlangen – okay, darum zu bitten, sei erlaubt, aber in aller Bescheidenheit und immer schön mit dem Zusatz „nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

 

Diese Lektion sollten eigentlich alle schon gelernt haben, denn sie ist schließlich keine neue „Schneider-Botschaft“. Schon vor etlichen Jahren habe ich in einem Gottesdienst gesessen und die Schilderung über ein „Gotteskind“ gehört, das in seiner tiefen Verzweiflung Gott um ein persönliches Zeichen seiner Liebe und Hilfe angefleht hat. Was der liebe Apostel diesem verzweifelten Menschen  zu sagen hatte? Nun, dass es leider ein Zeichen mangelnder Erkenntnis sei, so zu bitten – schließlich  schenke Gott in jedem Gottesdienst einem jeden Gotteskind das größtmögliche persönliche Zeichen seiner  unendlichen Liebe und Gnade, nämlich im Heiligen Abendmahl!

 

Alles klar jetzt und Schluss mit kleinlichen Ansprüchen, falscher Sichtweise und mangelnder Demut!

 

Damit wäre die Lektion eigentlich gelernt, aber Schneider macht noch einen lustigen und recht geschickten kleinen Schlenker:

 

 (Zitat) Meistens schickt er uns andere Menschen, um uns zu helfen. Möge auch da Gott uns die Augen öffnen, damit wir seine Hilfe in unserem Nächsten erkennen.“ (Zitatende)

 

Damit räumt Schneider für den von ihm gepredigten Gott noch schnell alles ab, was sich an Hilfreichem, Schönem und Gutem im Leben der gläubigen Zuhörer ereignen mag:

 Wenn etwas Gutes geschieht, dann ist es natürlich nicht der Freund, die Arbeitskollegin oder die Nachbarin gewesen – nein, alles wird für GOTT reklamiert! Mach gefälligst die Augen auf und erkenne, dass Gott es ist, der durch die anderen Menschen handelt. Er, der große und allmächtige Gott ist es, der „Menschenherzen bewegen kann wie Wasserbäche“!

ER lenkt die Gedanken und Hände der Ärzte, damit sie die richtige Diagnose stellen und erfolgreich operieren, ER lenkt das Herz des Personalchefs, damit er deine Bewerbung aus allen anderen wählt und dir die Arbeitsstelle gibt, Er bewegt die Nachbarin dazu, für dich einzukaufen, wenn du krank bist!


Gott ist sogar so unendlich gütig, dass er seinen hohen Knecht Schneider nicht mit theologischem Wissen belastet und diesem so erspart, sich mit dem Widerspruch herumquälen zu müssen, dass Gott einerseits Menschen lenken und zur Hilfe bewegen kann („Meistens schickt er uns andere Menschen, um uns zu helfen“) andererseits aber leider, leider den freien Willen der Menschen respektieren muss und deshalb leider, leider nichts daran ändern kann, dass tagtäglich ungezählte Kinder verhungern …  so jedenfalls die beliebte Erklärung der Gläubigen!
 

Ach, Verzeihung – hier kommt natürlich die oben angeführte Mahnung ins Spiel:

 

Es geht ja gar nicht um das bisschen jämmerliches irdisches Leben! Die gefolterten, gemordeten, verhungerten werden schon noch erkennen, dass Gottes Hilfe immer schon da war und sie liebevoll empfangen werden … im Jenseits!

 

Immer schön „Augen auf!“

 

Kommentare zu diesem Beitrag (bitte unter Bezugsangabe) sind hier möglich (- klick)

13.02.2016

 

Aus Gnaden erwählt – auf ewig verdammt!

Hieronymus Bosch (etwa 1450–1516), „Weltgerichtstriptychon“ – Öl auf Eichenholz zw. 1485 und 1505, Original + Quelle: (- klick) ins Bild

Nun habe ich es einmal schriftlich: In einem facebook-Kommentar wurde mir erklärt, dass ich „ausgeschlossen“ wurde: „Im neuen Bund kennt der Verbündete Gott nicht durch einen Mittler vom Hörensagen sondern er kennt ihn PERSÖNLICH. Das trifft leider für Beatrix nicht zu, sie wurde also ausgeschlossen.“

 

Auf meine Nachfrage, von wem genau ich denn ausgeschlossen wurde, gab es noch folgende Erklärung: „Ja eben wenn der Bündnispartner nicht mehr existiert, ist auch das Bündnis aufgehoben. Die Bundestreue des einen Partners hängt von der Bundestreue des anderen ab.“ (Felix K.)

Von der seltsamen inhaltlichen Aussage einmal abgesehen – für mich klingt das vor allem ausgesprochen selbstzufrieden und empathielos, im Sinne von: Gott sei Dank bin ich bei den Guten, der Rest soll mir gleich sein!


Die wenigsten Anhänger eines Erwählungsglaubens realisieren (und bedauern) die Tatsache, dass die Kehrseite auch immer ein Verwerfungsglaube ist, der ganz schnell zeigt, dass es mit der Liebe, Gnade und Barmherzigkeit dieses abrahamitischen Gottes nicht weit her ist!

Schon in den Schilderungen des Alten Testaments lesen wir immer wieder GOTTES (!) Forderung, Feinde grausam und erbarmungslos zu vernichten und im Neuen Testament wird es nicht wirklich besser!

Christoph Tuercke schreibt:

„…Wo Erwählung ist, ist auch Verwerfung. Aber es ist etwas anderes, ob man dies nur abstrakt weiß - Begriffe ohne Anschauung sind leer - oder ob man von Lüdemann plastisch am Text gezeigt bekommt, dass die alttestamentliche Vorstellung von der Erwählung Israels gar nicht anders konnte, als feindselig nach außen zu sein. Wenn nur dieses Volk von Jahwe erwählt war, wenn nur ihm das Land, wo Milch und Honig fließen sollte, zustand, dann mussten alle andern daraus verschwinden. Die Inbesitznahme dieses Landes ist denn auch von den entsprechenden alttestamentlichen Texten als ein Eroberungszug dargestellt und gefeiert worden, der günstigstenfalls Vertreibung der dort ansässigen Völker bedeutete, gewöhnlich aber ihre Vernichtung: Genozid.

 

Haarsträubend, wie zahlreich die Textstellen sind, in denen Israel an den Besiegten ‚den Bann‘ vollstreckt, das heißt alles Lebendige tötet und alle Habe in den ‚Schatz Jahwes‘ tut. Der Bann gehört zur tiefsten und dunkelsten Schicht des israelischen Kults: Jahwe ist ‚Kriegsheld‘ alle Beute gehört ihm. König Saul fällt nicht etwa wegen Tyrannei und Grausamkeit in Jahwes Ungnade, sondern weil er den göttlichen Befehl, ‚Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe‘ nach dem Sieg über Amalek zu töten, missachtet und ‚das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war‘ schont. Im Neuen Testament setzt sich der Erwählungsglaube unrühmlich fort. Nun sind die Erwählten die Christen, die Juden aber, die ihren eigenen Christus, ihren Messias nicht annehmen wollten, die Verworfenen.

Gerd Lüdemanns Befund ist schlagend: Im neutestamentlichen Erwählungsglauben steckt der Antijudaismus ebenso tief wie Krieg, Bann und Vertreibung im alttestamentlichen. Eine Theologie, die die Erwählung als makellosen göttlichen Heilswillen ausgibt und das daran klebende Blut und Unheil als ‚Menschenwerk‘ wegschminkt, steht moralisch nicht höher als eine Zigarettenreklame, deren strahlende Gesichter mit Lungenkrebs nichts zu tun haben wollen. Eine Religion, die einen Menschen damit überfrachtet, er sei nun einmal die letztgültige Offenbarung Gottes, allein in ihm sei das Heil, wird ihre Erwählungsaggressivität nie ganz los, so gut sie sie auch verstecken mag. …“

http://www.zeit.de/1997/14/Erwaehlung_und_Verwerfung/komplettansicht
 

Gerne wird von den Gläubigen darauf verwiesen, dass mit Jesus endlich alles anders wird und ein himmlischer Vater voller Liebe verkündet und verkörpert wird, nun sei Nächsten- und sogar Feindesliebe die letzte Maxime, aber das stimmt ganz und gar nicht!


Letztendlich sind es wieder nur die neuen Erwählten, die Angehörigen eines neuen Bundes, die gerettet werden und auch Jesu Liebe ist schnell und brutal beendet, wenn es um diejenigen geht,  die sich nicht unterwerfen, die nicht an ihn glauben können: Für sie gibt es nicht nur eine zeitlich begrenzte, sondern ewige Verdammnis:


„ … äußert sich Jesus ganz unmissverständlich – und Millionen Menschen sind über zwei Jahrtausende an dieser drohenden Botschaft seelisch fast zugrunde gegangen. Er hat es eben nicht metaphorisch, sondern ganz realistisch gemeint, zum Beispiel in

Matthäus 13, 41-42: »Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.«

Matthäus 25, 40-41: »Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.«“

https://www.teialehrbuch.de/Kostenlose-Kurse/Warum-ich-kein-Christ-sein-will/6.1-Die-Bibel-Gottes-Wort-Was-w%C3%A4re-das-f%C3%BCr-ein-Gott.html

Allen, die angesichts solcher grausamen Strafen für Unglauben darauf verweisen, dass Gott jeden erretten will, und wer sich dem verweigere, habe das eben selbst so gewollt, sei entgegengehalten:

Gott ist der Erwählende und er bietet nicht nur eine Chance zur freien Wahl an, sondern schenkt (!!) auch die nötigen Voraussetzungen…

Er schenkt nämlich auch den Glauben, denn auch dieser wird ein Geschenk der Gnade genannt und ist KEIN Verdienst des Menschen.

Daraus ergibt  sich, dass den Ungläubigen auch keine Schuld treffen kann! Auch dann nicht, wenn man dieses Problem ignorieren will mit dem Hinweis, manche Menschen würden das Geschenk des Glaubens leider ablehnen – Pustekuchen!

Auch die Fähigkeit, das Geschenk annehmen zu können, ist letztlich Gnade – so ist das biblische Gottesbild nun mal konstruiert!

Ich weiß, wer unbedingt an seinem Glauben an diesen all-liebenden Gott festhalten will, wird all das ignorieren und sein Denken abschalten, um diese Unlogik und Paradoxie nicht zu sehen. Das geht …

Erschütternd finde ich, dass auch die gefühlsmäßige Konsequenz dieses Erwählungsglaubens ignoriert und abgespalten wird:

Die Auserwählten können sich über ihre eigene Erwählung doch nur dann ungetrübt freuen, wenn sie ausblenden, dass um sie herum unzählige Menschen der Verwerfung anheimfallen werden! Wenn man dabei nur an andere Völker und weit (emotional) weit entfernte Menschen denken muss, mag das noch vorstellbar sein – aber wenn, wie es  das NAK-Glaubensbekenntnis proklamiert – nur treue apostelversiegelte Gotteskinder errettet werden (zunächst vor der großen Trübsal), dann hat doch gewiss jeder Erwählte um sich herum in Familie und Freundschaft Menschen, die ihm lieb und wert sind und die er als „Verlorene“ ansehen muss, erst recht, wenn sie als einstmals Erwählte „untreu“ geworden oder gar Gegner geworden sind.

 

Ist die eigene Erwählung dann immer noch „seliges Wissen“
und wunderbarer Trost und Hoffnung auf ewige Freuden?

01.11.2015

 

Johanning -  Ist er nun ignorant oder lügt er bewusst?

„Der zensierte Luther“ – [Quelle: hpd (- klick) ins Bild]

Kann ein Kirchensprecher zu seiner Entschuldigung eigentlich totale Unkenntnis ins Feld führen? Weder seine Verantwortung als Kirchensprecher, noch journalistische Redlichkeit, noch die ihm angeblich von Gott verliehene Kraft des Heiligen Geistes hat ihn daran gehindert, die Unwahrheit zu verkünden?

Er selbst dürfte es leicht nehmen, ein NAK-Kirchensprecher, der sich in einem kircheneigenen Medium an die kircheneigenen Gläubigen wendet, muss keine Angst vor Kritik oder Widerspruch haben.

 

Es geht um sein jüngstes Artikelchen auf nac.today mit dem Titel „Martin Luther – ein Mann der Kirche“ (- klick)*1 und seine vollständige Ausblendung jeglichen kritischen Wissens über diesen „Kirchenmann“!

 

Erstaunlich ist das allerdings deshalb, weil die NAK-Funktionäre ja eigentlich immer mehr und besser Bescheid wissen, weil sie als Gottes Boten im Lichte göttlicher Erkenntnis stehen! So wissen sie, im Gegensatz zu den von Gott nicht exklusiv informierten Weltmenschen etwas ganz wesentliches:

Luther war von Anfang an ein Werkzeug in Gottes Hand und das Ziel des  göttlichen Plans war die „Neuapostolische Kirche“ – so wurde es uns im NAK-Religionsunterricht beigebracht. Gott griff in Luthers Lebensgeschichte ein und ließ ihn die Bibel übersetzen, damit sich viel später Menschen lesend und betend zusammenfinden konnten und bereit waren für die „Neuausgießung“ des Heiligen Geistes und die Aufrichtung des Gnaden – und Apostelamtes! Ja, Gott hat sich da angeblich sehr gut gekümmert um die „Bereitung der Wege“ durch sein Werkzeug Luther – umso erstaunlicher, dass es Gott dann überhaupt nicht mehr kümmerte, welch abgrundtief böse und menschenverachtende Botschaften dieses gottwohlgefällige Werkzeug dann über die Juden, über Frauen und Behinderte in die Welt geschickt hat und wie seine Aussagen geholfen haben, den Boden zu bereiten für Auschwitz und den Holocaust! Ich meine, wenn er sich doch schon so nachhaltig und langfristig geplant in das irdische Geschehen eingemischt hat, könnte man von einem allwissenden und all-liebenden Gott doch erwarten, … Aber es ist müßig, diesen Gedanken zu verfolgen, denn Gott hat eben nichts, gar nichts getan, den Holocaust zu verhindern.

 

Das Artikelchen von Johanning ist nun ein passender Anlass, einige Aussagen Luthers wiederzugeben, die anderes Bild dieses verehrten und geschätzten Theologen zeichnen. Dass es sich nicht um einzelne judenfeindliche Äußerungen handelt, die im größeren Zusammenhang nicht ins Gewicht fallen, hat Uwe Lehnert dankenswerterweise durch ein längeres Zitat belegt, er führt dazu aus:

 

„Drei Jahre vor seinem Tod, also als gereifter und in seinem Urteil gefestigter Mann, schrieb Luther in seinem Buch »Von den Juden und ihren Lügen« in den Artikeln 298-310:

 

»… Was wollen wir Christen nun thun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? Zu leiden ist's uns nicht, nachdem sie bei uns sind und wir solch Lügen, Lästern und Fluchen von ihnen wissen, damit wir uns nicht theilhaftig machen aller ihrer Lügen, Flüche und Lästerung. So können wir das unlöschliche Feuer göttliches Zorns … nicht löschen, noch die Juden bekehren. … Ich will meinen treuen Rath geben: Erstlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe, und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und solches soll man thun unserem HErrn und der Christenheit zu Ehren, damit GOtt sehe, daß wir Christen seien, und solch öffentlich Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gebilligt haben. … Zum anderen, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auf daß sie wissen, sie seien nicht Herren in unserm Lande, wie sie rühmen … Zum dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird. … Zum vierten, daß man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren. Denn solch Amt haben sie mit allem Recht verloren. … Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herren noch Amtleute noch Händeler, oder desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben. … Denn ihr sollt und könnt sie auch nicht schützen, ihr wollt denn vor GOtt alles ihres Greuels theilhaftig sein. … Zum sechsten, daß man ihnen den Wucher verbiete, … und nehme ihnen alle Baarschaft und Kleinod an Silber und Gold, und lege es beiseite zu verwahren. Und dies ist die Ursache: alles was sie haben (wie droben gesagt), haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst keine andere Nahrung haben. … Zum siebenten, daß man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brod verdienen im Schweiß der Nase, wie Adams Kindern aufgelegt ist. …« (Originalschreibweise übernommen) 24

Ich habe Luther hier ausführlicher zitiert, damit deutlich wird, dass es sich nicht um eine Nebenbemerkung handelt, vielleicht aus einer momentanen Verärgerung heraus entstanden, sondern um eine insgesamt sorgfältig ausgearbeitete, über 150 Seiten lange Schrift, versehen mit vielen Bezügen auf einschlägige Bibelstellen. Wenn man diese demagogischen Tiraden liest, mag man es kaum glauben. Man weiß schließlich, welchen Einfluss Luther als Theologe auf das Denken und Handeln der Menschen bis in jüngste Zeit hat. Antisemiten, nicht zuletzt die Nationalsozialisten, konnten sich auf ihn berufen. Die erkennbaren inhaltlichen Parallelen seiner »Ratschläge« zur jüngsten Vergangenheit sind geradezu bestürzend.

 

Luther ist hier seiner Bibeltreue, um nicht zu sagen Bibelhörigkeit, zum Opfer gefallen: Wem das Wort von Gott kommt, der hinterfragt nicht mehr. Zugleich wird einem bewusst, wie gewissenlos die Kirche, hier die evangelische, im Verdrängen ist, wenn es um die Heroisierung dieses Mannes geht. Der seinerzeit ja auch gegenüber den aufrührerischen Bauern eine höchst fragwürdige, wenn nicht empörend zu nennende Haltung einnahm, die ihn damals schließlich seine Volkstümlichkeit kostete. Sicher mag er eine eindrucksvolle Persönlichkeit gewesen sein und der deutschen Sprache mit seiner Bibelübersetzung einen großen Dienst erwiesen haben, aber dass noch heute hunderte von Kirchen und Straßen den Namen eines antisemitischen Hetzers tragen, das ist sehr erklärungsbedürftig. Bezeichnend ist auch ein Satz aus einer Tischrede von ihm (Nr. 1795, im Internet vielfach nachzulesen): »Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein um seinen Hals hängen und ihn hinab stoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams.« Erwähnt werden sollte auch noch, dass Luther empfahl, missgebildete und behinderte Kinder – wie es damals dem Geist der Zeit entsprach – durch Erschlagen oder Ertränken zu töten, da es sich um Teufelsbrut handeln würde. Auch hing er noch dem mittelalterlichen und bibelkonformen Glauben an, dass Hexen und Zauberer Gehilfen des Teufels und folglich zu verbrennen seien.“

Quelle:

Uwe Lehnert, „Warum ich kein Christ sein will“

6. aktualisierte und erweiterte Auflage, erschienen 2015 bei Tectum-Verlag, Marburg

ISBN: 978-3-8288-3475-0

Seite 187 ff

 

Wie man Luther  als ein von Gott erwähltes Werkzeug sehen kann, mag sich mir nicht erschließen … was soll das auch über Gott aussagen, wenn man unterstellt, dass er auf der einen Seite lenkend in die Geschicke der Menschen eingreift, „die Wege bereitet“  - und auf der anderen Seite sich einen Dreck darum schert, wenn millionenfaches Leid geschieht, oft genug unter Berufung auf Gottes Willen und Gottes „Heilige Schrift“?

 

Nun - Johanning  bereiten solche Fragen auf jeden Fall kein Kopfzerbrechen…

 

Kommentare zu diesem Beitrag (bitte unter Bezugsangabe) sind hier möglich (- klick)

 

*1 = Auf unserer nac.today-Kritikseite hat fcs den Johanning-Beitrag unter dem Titel „GELERNT IST GELERNT“ (- klick) ebenfalls aufs Korn genommen…

24.10.2015

 

Und Gott … sagt nix dazu?!

oder: Gott redet nicht, handelt nicht, IST nicht!

Bild: Rolf Handke / pixelio.de (Image-ID: 465168) [Weiterverbreitung ohne Quellenangabe stellt eine Urheberrechtsverletzung dar]

Wir wissen, was wir glauben! … ?? Wir wissen, was wir glauben sollen, weil Männer in schwarzen Anzügen uns von klein auf gesagt haben, was wir glauben sollen – UND was wir TUN sollen!

 

Das klang früher schon mal so: „… Ein Neuapostolisches Mitglied, ein so genannter Anwärter auf die Königswürde, die ihn erwartet, hat nur eine Sache zu erfüllen und das ist: Das zu tun, was ihm befohlen ist. Ansonsten hat er absolut nichts zu vermelden. ... Vergesst also nicht: Die zukünftigen Könige und Priester kennen während ihrer Lehrzeit hier auf Erden nur ein Gesetz: Zu gehorchen und das zu tun, was ihnen aufgetragen ist. Sie haben nicht das Geringste zu vermelden in diesem göttlichen Werk. Ihre Aufgabe besteht einzig und allein darin, in bedingungslosem Glaubensgehorsam nachzufolgen.“

Quelle: http://www.nak-info.de/denk/bistDuEinGotteskind.html

Heute, bei Schneider klingt das z.B. so: „Tue einfach, was er von dir verlangt und wann er es verlangt. Das ist der gute Weg.“

Quelle: http://nac.today/de/158033/279727

 

Auch hier wird ganz offen und unverschleiert absoluter Gehorsam verlangt, vorgeblich Gott gegenüber, aber in der Realität und Praxis hat man sich „Gott“ völlig  in die eigene Verfügbarkeit geholt!  Gott oder die Idee Gottes ist instrumentalisiert, zum Instrument des Machterhalts geworden - und keiner steht auf und verlangt zu wissen, woher diese selbsternannten Boten denn ihre Weisheiten haben, wie können sie denn beweisen, dass sie wissen, was „Gott“ will, verlangt, gebietet?

 

Dass nur sie Gottes sprechender Mund sind, das behaupten sie seit Jahrzehnten und denen, die hineingeboren wurden in dieses System, ist es eine Selbstverständlichkeit – eine Behauptung, deren „Wahrheit“ angeblich zu fühlen und zu erleben ist. Allerdings in der Reihenfolge „geglaubt und erkannt“, denn die „Erkenntnis“ resultiert lediglich daraus, dass den Aposteln geglaubt wird und dann alles weitere so gedeutet, wahrgenommen, interpretiert wird, dass es diesen Glauben stützt. Gläubig gehorsam werden dann die Forderungen nach regelmäßigem Gottesdienstbesuch, Gebet und Verinnerlichung der Predigten erfüllt und  als weiterer „Beweis“ stellt sich dann auch noch das bestätigende Gefühl ein, in der „richtigen“ Verbindung zu stehen, Bestätigungen, Glaubenserlebnisse und Gebetserhörungen zu haben.

 

Eine enge Verbindung von Suggestion und Autosuggestion entsteht. – Uwe Lehnert schreibt dazu:

„Wer kann sich der suggestiven Wirkung der immer gleichen Gebete, der vertrauten Lieder, der ritualisierten Abläufe der sonntäglichen Andachten, der Anrufungs- und Beschwörungsformeln eines Gottesdienstes auf Dauer entziehen, wenn sie von Kindheit an und über Jahre erfolgte?

 

Ich behaupte darüber hinaus, dass viele Christen den ihnen einst anerzogenen oder durch Autosuggestion erworbenen Glauben so unreflektiert verinnerlicht haben, dass ihnen die Frage überhaupt nicht mehr in den Sinn kommt, ob den Kernaussagen ihres Glaubens ein plausibles Konzept oder ein nachweislich historisches Geschehen zu Grunde liegt.

 

Dieses Glaubenssystem mit seinen den Alltag strukturierenden Regeln und den vorgegebenen Antworten auf die Krisen des Lebens ist für viele ein nicht hinterfragtes System von Glaubenselementen. Dieses System von Glaubenselementen genügt sich selbst und braucht daher keinerlei logische, sachliche oder geschichtliche Begründung (mehr). Diese gedankliche Konstruktion ist gewissermaßen selbsttragend, sie bedarf keiner Verankerung oder Erklärung, sie ist aufgrund ihrer bloßen Existenz ein sich selbst rechtfertigendes Lebenskonzept.“

Quelle: http://warum-ich-kein-christ-sein-will.de/gott-hat-einen-anspruch-an-mich/

 

Was sitzt, das sitzt!

 

Wer sich jedoch ein kleines bisschen eigenes Denken bewahrt hat, dem muss doch auffallen, dass dieses Prinzip für ganz verschiedene und konkurrierende Glaubenssysteme gilt – und dann könnte, müsste doch  die Frage auftauchen: Woher weiß ich denn eigentlich mit Gewissheit, dass ich im einzig wahren, richtigen, gottgewollten System bin? Wie muss es den NAKlern gegangen sein, die in der Zeit lebten, als die Spaltung zwischen Bischoff und Kuhlen durch ganze Bezirke, Gemeinden  und Familien ging?

 

Die Antwort, Gott habe immer durch erwählte Menschen geredet, befriedigt hier nicht – wer nur ein klein wenig von Psychologie versteht, dem muss klar sein, dass jemand, der in dem einen  Glaubenssystem gefangen ist und Glaubensgehorsam und Nachfolge praktiziert, von den „Gottesboten“ eines anderen Glaubenssystems gar nicht erreicht wird, - wenn er davon hört, muss er es als Versuchung des Teufels einordnen, ihn zu verführen! Die Führer der jeweiligen Glaubensrichtungen warnen ja deutlich genug davor, auf andere zu hören, die in „Wahrheit“ falsche Propheten seien oder sich selber zweifelnde Überlegungen zu erlauben, zu hinterfragen, zu kritisieren.

 

Nun ist also für die Gläubigen guter Rat teuer – und damit wäre es höchste Zeit, dass Gott selbst ins Spiel käme!  … Zumindest, wenn er ein all-liebender und gerechter Gott wäre, müsste er doch alles in seiner Allmacht liegende tun, damit die Wahrheit und damit der rechte Weg JEDEM Menschen erkennbar wäre, oder etwa nicht?

 

Ich erinnere mich, dass ich als Kind, vermutlich nach entsprechenden Büchern oder Filmen, überlegt habe, ob Gott nicht vielleicht den Glauben der Indianer genauso wertschätzen könnte wie das Christentum … Aber das hätte natürlich bedeutet, dass die Lehre von dem einzig möglichen Weg des Glaubens an Jesus und seinen Opfertod falsch wäre – für ein Kind, ein gläubiges zumal, ein unlösbares Dilemma! Ich tröstete mich mit dem, was ich ständig zu hören bekam: Gottes Gedanken seien so viel höher als unsere Gedanken, später in der Ewigkeit würde ich verstehen …

 

Heute darf ich mir erlauben, auf meiner Kritik zu beharren, diesen Gott und seinen „Heilsplan“ in Frage zu stellen  - von einem all-liebenden und allmächtigen Gott darf ich erwarten, dass er sich so offenbart, dass er von allen Menschen erkannt und verstanden werden kann. Anderenfalls ist er nämlich ungerecht selektiv, wenn er einen bestimmten Kulturkreis bevorzugt, und in diesem dann eine bestimmte Religion oder gar nur eine Konfession dieser Religion.

Er offenbart sich angeblich einigen Männern dieser Religion bzw. Konfession,  gibt aber dem Rest der Welt keine Hinweise, welche die von ihm Erwählten sind, denen es zu folgen gilt auf dem einzig richtigen Weg?

 

Ist das glaubwürdig, wenn es sich doch um einen Gott handeln soll, der alle Menschen liebt und will, dass allen geholfen wird? Ist das gerecht, barmherzig und gütig oder ist es nicht doch eher ungerecht, unbarmherzig und böse? Wie würden wir einen Menschen beurteilen, der vergleichbar handelt?  Und für Gott sollten weniger moralische Anforderungen gelten?

 

Es ist also nicht unverständlich, dass Claire Goll zu diesem Urteil kommt:

„In den Jahrmilliarden, die unsere Erde alt ist, sollte sich Gott erst vor 4000 Jahren den Juden und vor knapp 2000 Jahren den Christen offenbart haben, mit deutlicher Bevorzugung der weißen Rasse unter Vernachlässigung der Schwarzen, der Gelben und der Rothäute?“

(Claire Goll, fr.-dt. Schriftstellerin, 1891-1977)

 

Schon um allen Menschen die gleichen Chancen auf Errettung zu gewähren, müsste sich Gott also allen Menschen auch unzweifelhaft offenbaren und seinen Willen kundtun  – es gibt aber noch einen weiteren Grund, der ihn längst dazu hätte bewegen müssen: Die furchtbaren Folgen, die entstanden sind aus den sich widersprechenden „Offenbarungen“  und Auslegungen der Propheten, Seher und Religionsführer!

 

In den unterschiedlichen Zeiträumen sind überall auf der Welt Lehren über Gott und Götter entstanden, die Verkünder behaupteten, im Besitz der Wahrheit zu sein, während „die anderen“ im Irrtum oder gar Werkzeuge des Teufels seien, die es zu missionieren oder gar zu vernichten gelte! Entsetzliche Glaubenskämpfe waren die Folge, viele der grausamsten und abscheulichsten Untaten wurden unter Berufung auf den aus der Bibel herausgelesenen Willen des abrahamitischen Gottes begangen!

 

Ein unsagbares Morden, Abschlachten und Quälen durch die Jahrtausende hindurch in Gottes Namen – und er konnte in all seiner Liebe ungerührt zuschauen, statt eindeutige Zeichen und Verkündigungen zu senden, die all dem ein Ende setzten durch ein eindeutiges „Hier bin ich und so lautet mein Wille!“

 

Zusammenfassend und abschließend möchte ich noch einmal Lehnert zu Wort kommen lassen:

 

„Wenn Gott ein Gott der Liebe und der Barmherzigkeit, ein Inbegriff der Moral ist, dann müsste es ihm doch ein sehnlichstes Anliegen sein, dem gegenseitigen Verfolgen und Umbringen des jeweils Andersgläubigen ein Ende zu bereiten. Gelungen ist dies bisher nur den Menschen selbst, und zwar vor allem den Gesellschaften, die sich durch Aufklärung von der Vorherrschaft der Religion befreien konnten. Gottes Wirken war dabei nicht zu erkennen.

 

[…]

 

Die Tatsache, dass Gott sich so wenig eindeutig äußert und nur über fast beliebig interpretierbare Zeichen zu uns spricht und ansonsten „schweigt und schweigt und schweigt“ (Küng), ist für mich ein besonders schwerwiegendes Argument gegen die Annahme eines Gottes, der die Welt angeblich liebt und an uns interessiert sei. Aber auch die Existenz so vieler verschiedener Religionen mit je einer anderen Gottesvorstellung, die daraus folgenden über Jahrtausende bis heute gegeneinander geführten Glaubenskriege und das gleichgültige Schweigen dieser Götter angesichts der in ihrem Namen  begangenen, nicht mehr in Zahl und Maß fassbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit bilden für mich eine ebenso schwerwiegende Begründung, dass es den uns suggerierten „lieben Gott“ oder „barmherzigen Gott“ nicht geben kann. Er ist schlicht und einfach eine gedankliche Konstruktion, eine Wunschvorstellung, entstanden aus der tief empfundenen Sehnsucht der Menschen nach Schutz, Trost und Orientierung, gefördert durch eine den anderen in der Regel intellektuell überlegene Priesterkaste, die darin seit Menschengedenken eine Möglichkeit für sich sah, Macht und Einfluss über andere Menschen zu gewinnen.“

(Uwe Lehnert, Marburg 2015, S. 200 f)

 

Und damit sind wir dann wieder beim Anfang dieser Randnotiz – den Behauptungen und Forderungen der NAK zum alleinigen Wohl ihrer Funktionäre …

 

Kommentare zu diesem Beitrag (bitte unter Bezugsangabe) sind hier möglich (- klick)

11.10.2015

 

Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube…

[Matthäus 15, 14 (- klick)]

Bild (gemeinfrei): Pieter Brueghel d.Ä., „Die Parabel von den Blinden (Der Blindensturz)“ Öl auf Leinwand (1586) – Original in der Galleria Nazionale di Capodimonte in Neapel.

„In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann die Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.“

(Heinrich Heine, dt. Dichter, 179-1856, Aphorismen und Fragmente)

 

Ob es wirklich jemals die beste Möglichkeit war, sich von den Religionen leiten zu lassen, darf bezweifelt werden, - aber mir gehen dazu folgende Gedanken durch den Kopf:

 

Wieviel Freiheit haben die „Geführten“, sich ihre Führenden selber auszusuchen, vor allem dann, wenn sie sich schon von Kindheit an gewohnheitsmäßig an eine bestimmte Führung gewöhnt haben und sie für unabdingbar halten?

Und:  Wenn diese Führer wirklich einfach nur blind wären, aber innerlich offen und bereit für jede Erkenntnis und Hilfe eines im Licht mehr Sehenden – würden sie dann nicht freudig die Führung abgeben und sich ihrerseits den Sehenden anvertrauen?

 

Was nun ist zu halten, von Führenden, die vielleicht gar nicht wirklich so völlig blind sind, sondern ihren eigen Vorteil sehr gut zu sehen vermögen … und genau wissen, dass ihr eigener Vorteil davon abhängt, dass sie andere auch weiterhin in die Irre leiten?

 

Woher weiß man denn, ob es sich um diese Art Führer handelt? Nun, man höre sich einfach bewusst an, was sie lehren und verkünden! Speziell in der NAK zeigen diesbezügliche Erfahrungen, dass von Beginn an, fortlaufend und mit größter Intensität die Botschaft verkündet wurde und wird, dass eigenes Denken, insofern es abweichend ist, ungöttlich, menschlich und damit nicht nur minderwertig , sondern falsch, letztlich tödlich ist, ja vom Teufel selbst ausgehend, um das ewige Leben zu töten.

 

Die Gläubigen NAKler wurden von Kindheit an dahingehend indoktriniert, geradezu panische Ängste vor den eigenen Zweifelsgedanken zu entwickeln: der Zweifler empfängt nichts = für immer verloren, umsonst gelebt!

Folgerichtig musste alles, was gelehrt und gepredigt wurde, ohne Fragen und Zweifeln angenommen werden und gehorsam befolgt – begründet durch die Behauptung, dass die NAK-Amtsträger und insbesondere die Apostel Gottes erwählte Boten seien und nicht eigene Erkenntnisse, sondern göttliche Offenbarungen verkünden.

 

Nun aber kommt Schneider daher, nach NAK-Lehre der höchste Gesalbte Gottes auf Erden und verkündet: „[…] Wir können Gott nicht verstehen. Das Tun und Walten Gottes ist schlüssig; aber wir können die Kohärenz nicht verstehen, das können wir nicht. Und wenn wir noch so geschult sind, noch so intelligent und klug, wenn wir ein noch so hohes Amt haben: Wir können das nicht verstehen, das entgeht uns völlig. […]“ [vgl. Newsblog vom 11.10.15 (- klick)]

Ha, da könnte man fast glauben, nun stünde die „Freilassung“ der Gläubigen unmittelbar bevor! – Aber wer die NAK kennt, weiß, dass nicht sein kann, was nicht sein darf und deshalb verlautbart Schneider im gleichen Gottesdienst:

 

„Wir sind nur Diener, wir können Gott nicht verstehen, wir sind nicht in der Lage, mit aller Konsequenz zu verstehen, was er macht; aber als Diener Gottes können wir eins tun: Wir haben volles Vertrauen zu Gott. Vielleicht lässt der liebe Gott das zu, damit wir wieder ein bisschen kleiner werden […]

 

Und der liebe Gott sieht das ganz anders, ganz anders. Er sagt nur: Mach doch, was ich dir sage und hab Vertrauen. Wir treffen uns am Ende der Geschichte, dann sprechen wir wieder darüber. Wir sind nur Diener. Wir dienen Gott. Alles, was wir tun, kommt ihm zugute. Wir sind nur Ausführende, wir können Gott nicht verstehen, aber wir vertrauen ihm.“

 

Klatschbums – die Falle ist wieder zu, war ja nie auf! So clever ist Schneider ja schon – die himmelschreiende Paradoxie, die hier offen zutage tritt, wirft ihm „innen“ keiner vor: Schneider, dem  einerseits nach eigenem Bekenntnis jedes Verstehen Gottes völlig entgeht, weiß plötzlich in wörtlicher Rede zu zitieren, was Gott höchst selbst sagt:Mach doch, was ich dir sage und hab Vertrauen.“

Und wie wunderbar, dass alle darauf eingenordet sind, dass Gott das, was er sagen will, nicht durch einen brennenden Dornbusch, sondern durch seine angeblichen sprechenden Münder sagt!

 

Ein Schritt aus dem Bannkreis dieser Lehre, ein Schritt in das Licht des eigenen Denkens und jede(r) würde erkennen, dass diese Führer, die selbsternannten Gottesboten nur eines ganz klar im Blick haben:

Das eigene Wohl, den eigenen Vorteil!

 

Nachsatz:

fcs hat die gleiche Thematik aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet und bietet in seinem CANITES-Newsblog weitere Denkanstöße... Hier gehts dorthin (- klick)

 

Kommentare zu diesem Beitrag (bitte unter Bezugsangabe) sind hier möglich (- klick)

 

Junia, die einzige Apostelin, die neben Maria Magadalena in der Bibel (Römer 16,7) Erwähnung findet, mit Andronikus und Athanasius [Quelle: (- klick) ins Bild]

08.03.2015

 

Blumenstrauß für die Gehilfinnen … oh, si tacuisses!

 

Anlässlich eines Weltfrauentages zu dem passend der Deutsche Bundestag am 06.03.2015 das von der Bunderegierung eingebrachte „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ nach zweiter und dritter Lesung angenommen hat, kann es sich der Sprecher des NAKI e.V. nicht verkneifen, seinen Senf ausgerechnet zu einem Thema abzugeben, bei dem er geschickterweise geschwiegen hätte - in der Hoffnung, dass ihn bloß niemand auf die Rolle der Frau in der NAK anspricht!

 

Sie möchten doch so gerne überall mitreden, auch wenn sie gar nichts zu melden haben, weder spektakuläres noch neues, weder erhellendes noch verbindliches – seit die NAK-Sprecher und Schreiber begriffen haben, wie Internet funktioniert, bleiben sie ohnehin lieber unverbindlich und vieldeutig und so bleibt es auch bei dieser Gelegenheit bei der Überreichung eines Blumenstraußes, wie wir das gewohnt sind, als kleines Dankeschön für die Gehilfinnen, die den „Amtsträgern“ jahrelang brav den Rücken freigehalten haben. Ein Blumenstrauß in verbalisierter Form, recht angewelkt zudem und einigermaßen lieblos zusammengestellt, aber die lieben Schwestern sind Kummer gewöhnt oder nehmen gerne den guten Willen (?) für die Tat, sie sind dankbar und treu im „Aufschauen“ und vor allem: Sie insistieren und drängeln nicht, denn garantiert jedes weibliche NAK-Mitglied, das schon mal eine Bemerkung in Richtung Frauenordination gemacht hat, kennt auch die dümmliche Entgegnung: Persönlicher Ehrgeiz und eigenes Streben nach Amt und Würde sei das Motiv, ein Motiv übrigens, das alleine schon ein Ausschlusskriterium darstellt! Wer in der NAK nach Amtsaufgaben strebt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass derlei Streben nicht gottgewollt sei.

 

Was sagt nun aber Johanning in seinem Artikel „Aufgaben zwischen Amt und Auftrag“ [siehe hier: http://nac.today/de/home/228650] zur Frage der Frauenordnination?
Nichts, gar nichts! Nichts zur Begründung, warum es sie in der NAK nicht gibt, nichts dazu, warum es einmal „Diakonissen“ gegeben hat und nichts darüber, ob es Frauenordination einmal geben wird!

 

Damit ist er ganz „auf Linie“, denn NAK von A bis Z schreibt zum Stichwort „Frauenordination“ lediglich drei schwache Zeilen:
„Derzeit werden in der Neuapostolischen Kirche Frauen nicht ordiniert. Ihnen kommen jedoch wichtige Aufgaben in der Seelsorge und im Unterricht zu, als Lehrkräfte, Jugendbetreuerinnen, Organistinnen, Dirigentinnen und im Orchester.“

http://www.nak.org/de/glaube-kirche/nak-von-a-bis-z/glossar/all/frauenordinatio/

Man drückt sich also vor einer (theologischen) Positionierung, wobei richtig peinlich allerdings die immer wieder zitierte Begründung ist:
„[…] ‚Es bedarf einer gründlichen Beschäftigung mit sämtlichen Fragen rund um das Amt. Erst dann wird es möglich sein, sich seriös mit der Frage nach dem Amt für Frauen zu beschäftigen‘, wird Stammapostel Jean-Luc Schneider zitiert. Auf die Notwendigkeit, das Amtsverständnis der Kirche weiter zu vertiefen, hatte schon der im Ruhestand befindliche Stammapostel Wilhelm Leber im Interview mit der NAK Norddeutschland hingewiesen […]“

http://www.bischoff-verlag.de/public_vfb/pages/de/family/archiv/news2013/131014bzapversammlung.html

Man weiß nicht genug über das eigene „Ämtersystem“, um die Frage klären zu können, ob Ämter für Frauen denkbar und möglich sind???

 

Das kann ja dann noch sehr lange dauern, in der Zwischenzeit muss die Arbeit getan werden:

„Dass die ehrenamtliche Tätigkeit von Frauen in der Gemeinde unerlässlich sei, darin waren sich alle Podiumsteilnehmer einig. Mit einem Augenzwinkern sagte der Gemeindevorsteher Volker Speidel über seine weiblichen Gemeindemitglieder „Ohne meine Frauen geht nichts!“ Für seine Arbeit würde er Frauen gerne auch zu Seelsorgebesuchen mitnehmen dürfen. Corina Stolz wünscht sich für ihre Arbeit als ehrenamtliche Jugendbegleiterin einen offiziellen Segen. „Dann weiß ich, Gott hat mich für diese Aufgabe ausgerüstet“, sagte sie.“

http://www.ikt2014.org/index.php?id=248

 Die Aussage von Corina Stolz legt, vielleicht ungewollt, den Finger in die Wunde: Das „Amt“ ist in der NAK von zentraler Bedeutung, Amtsträgern wird aufgrund göttlichen Beauftragung eine enorme Wertschätzung entgegengebracht, sie bekommen nicht nur Aufgaben, sondern auch entsprechende „Amtsgaben“:

 

„Ein geistliches Amt ist ein Dienst mit fest umrissenen Inhalten und Vollmachten. Es wird auf Grund göttlicher Beauftragung und in der Kraft des Heiligen Geistes ausgeübt. Der Amtsträger erhält über die bei der Heiligen Versiegelung empfangene Gabe des Heiligen Geistes hinausgehende Gaben und Befähigungen aus dem Heiligen Geist zur Ausübung seines Amtes. Von dem geistlichen Amt zu unterscheiden ist der an jeden Gläubigen ergangene Aufruf, dem Herrn durch Nachfolge zu dienen. Die Einsetzung in ein Amt wird „Ordination“ genannt. Sie ist die Berufung, Segnung und Sendung zum geistlichen Amt und eine heilige Handlung.“

http://www.nak.org/de/glaube-kirche/nak-von-a-bis-z/glossar/all/amtsverstaendni/

Eine solche Wertschätzung, Bedeutung, Segnung etc. wird Frauen in allen Arbeitseinsätzen verweigert, ohne theologische Begründung. Sie sollen umfangreiche Aufgaben übernehmen, wo sie gebraucht werden, vor allem natürlich beim Putzen, Schmücken, Backen, in der Sonntags – und Vorsonntagschule (Religions – und Konfirmandenunterricht wird in der Regel nach wie vor lieber den Amtsträgern überlassen) und sogar als Orgelspielerin und Dirigentin, aber gerade in diesem Bereich müssen sie ihre Entscheidungen natürlich von einem ihnen übergeordneten Amtsträger absegnen oder gar korrigieren lassen, selbst wenn dieser keine entsprechende Ausbildung und Fachkompetenz nachweisen kann – aber er hat nun mal die „Amtsgabe“!

 

Selbst wenn es vereinzelt zur Thematisierung der „Frauenordination“ kommt, bleibt man, sogar wenn es lediglich um die Ferne Zukunft geht, vollkommen selbstverständlich bei der Frage, ob es einmal Diakoninnen geben könnte, an Verkündigung, Lehre oder Gemeinde – bzw. Bezirksleitung wird nicht einmal gedacht, wenn es nicht gar ins Lächerliche gezogen wird:

 

„Richard Fehr, Vorgänger des derzeit amtierenden Stammapostels, hatte sich kurz vor seinem Ruhestand ebenfalls zu der Frage geäußert und war dabei überraschend deutlich geworden. In einem Interview, das die Verlags-Mitarbeiter Klaus Emmerling, Peter Wild und Dr. Reinhard Kiefer mit dem Alt-Stammapostel führten und das in der Broschüre »Unser Herr kommt« veröffentlicht wurde, sagte Fehr: »Frauen im Amt? Ein heißes Eisen! Vielleicht aber kommen wir eines Tages wieder soweit, wie es schon einmal war: Diakonissen; heute würde man sagen: Diakoninnen. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Aber es gibt wahrscheinlich noch nicht so schnell einen weiblichen Stammapostel.«“

http://www.naktuell.de/0406/0406001.html

Priesterinnen sind und bleiben für die Gottesmänner mit all ihren göttlichen Gaben und Kräften wohl so undenkbar wie Apostelinnen!

 

P.S.: Die NAK-Funktionäre können aber gar nichts dafür! Ich erinnere mich an dieser Stelle, dass ich vor ca. 4 Jahren diese Thematik einmal angesprochen habe und von dem Amtsträger auf eine entsprechende Frage die weise Antwort bekam:
„Auch dieses Anliegen können wir ins Gebet legen, - wenn es dann noch nicht erhört wird, dann liegt es noch nicht im Willen Gottes.“

 

Peng!!! Es ist eben Gottes Werk, Gott selbst trifft hier die Entscheidungen. Gott ist schuld oder desinteressiert, auf jeden Fall aber unergründlich und unendlich höher als Menschengeist und demgemäß nicht zu kritisieren. Wie fein, dass sich damit auch jede Kritik an den Entscheidungen seiner Gesandten verbietet.

Die Auserwählten im Alten Bund: Reiches Versprechen hat Gott gegeben …

18.02.0215

 

Stammapostel-Geist mit Aussetzern – das macht doch nichts, das merkt doch keiner?

 

Die NAK-Führung wird nicht müde, zu betonen, dass die neuapostolischen Christen das auserwählte Volk Gottes seien, und auch in aktuellen Predigten und Veröffentlichungen werden immer gern Parallelen zum auserwählten Volk des Alten Testaments gezogen.

 

Und die glücklichen Auserwählten sind so glücklich über die eigene Erwählung, dass sie die Ungereimtheiten, selbst wenn sie ganz offensichtlich sind, einfach ausblenden?

 

Erwählung, Verwerfung, Prädestination – diese Begriffe gehören wohl zu den schwierigsten, wenn sie denn ernstgenommen werden, und ich bin gewiss nicht in der Lage, dazu eine systematische Abhandlung zu schreiben. Muss ich ja auch nicht – aber ich muss auch nicht schweigen über das, was mir auffällt, das habe ich viele Jahre lang getan, weil vom Nachgehen derartiger Gedanken ja immer dringend abgeraten wurde. All solche Überlegungen, die mit „sollte Gott wohl …“ beginnen, sind ja grundsätzlich als satanische Einflüsterung klassifiziert und abgelehnt worden.

 

Die Freiheit, anzusprechen was mir mal wieder neu aufgefallen ist und doch schon so lange „im Salz liegt“, nehme ich mir jetzt, bevor ich vielleicht in absehbarer Zeit gar keine Lust mehr habe, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

 

Erinnert wurde ich durch so harmlose „Stammapostel-Sätzelchen“, wie sie immer wieder verbreitet und geschluckt und nie hinterfragt werden – man ist ja froh, wenn es einem gut geht und man in der Predigt nicht selber einen auf den Deckel bekommt:

 

Zitat: „Wie das Volk Israel habe Gott auch sein heutiges Volk dazu auserwählt seinen Ruhm zu verbreiten, sagte der Stammapostel. Nicht nur, dass das Volk selbst bezeugt: ‚Der Herr hat Großes an uns getan‘, verwies er auf Psalm 126. Sondern auch, dass die umgebenden Völker bezeugen: ‚Der Herr hat Großes an ihnen getan.‘ […]

 

Das Handeln Gottes sei in seiner Hilfe zu erleben, in seiner Führung und Bewahrung. ‚Gott ist immer bereit zu helfen. Und er hilft uns auch!‘ […]

 

Die Gnade Gottes zeige sich in seiner Reaktion auf den Ungehorsam der Menschen. Er habe dem Volk Israel viele Male vergeben. Und ‚wir erleben die Gnade Christi in jedem Gottesdienst‘, sagte der Stammapostel, bevor er die göttliche Treue vor Augen führte: Trotz all unserer Schwächen gebe er uns nicht auf, ‚sondern führt uns weiter in sein himmlisches Reich‘“.

 

Quelle: http://nac.today/de/158033/216619

 

Zunächst fällt mir auf, mit welcher Selbstverständlichkeit hier der Erwählungsgedanke angenommen und nicht im mindesten hinterfragt wird – all die Grausamkeiten, die die Bibel über den abrahamitischen Gott zu berichten hat, resultieren schließlich aus der Erwählung der einen und der Verwerfung der anderen!

 

Dazu auch ein Zitat aus „Zeit online“:

 

„Haarsträubend, wie zahlreich die Textstellen sind, in denen Israel an den Besiegten ‚den Bann‘ vollstreckt, das heißt alles Lebendige tötet und alle Habe in den ‚Schatz Jahwes‘ tut. Der Bann gehört zur tiefsten und dunkelsten Schicht des israelischen Kults: Jahwe ist "Kriegsheld" alle Beute gehört ihm. König Saul fällt nicht etwa wegen Tyrannei und Grausamkeit in Jahwes Ungnade, sondern weil er den göttlichen Befehl, ‚Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe‘ nach dem Sieg über Amalek zu töten, mißachtet und ‚das Mastvieh und die Lämmer und alles, was von Wert war‘ schont.“

 

http://www.zeit.de/1997/14/Erwaehlung_und_Verwerfung

 

All das ist schlicht göttlicher Ratschluss und nicht das geschichtliche Wunschdenken eines Volkes gewesen?

 

Gott versprach Israel seinen Segen und seine Hilfe, er half und vergab „viele Male“, so Schneider – und nun kommt der notwendige geistige Aussetzer Schneiders, denn die Verwerfung der einstmals Erwählten oder das unbarmherzige Ausbleiben jeglicher Hilfe in den Vernichtungslagern und Gaskammern wird einfach ausgeblendet, nahtlos geht er über zu der Behauptung über die wunderbare Hilfe Gottes für das heutige auserwählte Volk – welch Glück ist’s, erwählt zu sein, was stören uns die verworfenen – Gottes Gnade und Hilfe erleben seine Kinder in jedem Gottesdienst, sagt er, so wird es bleiben und so führt Gott „uns weiter in sein himmlisches Reich“…

 

Es bedarf eines erneuten „Aussetzers“, um sich nicht die Frage zu stellen, ob das, was einmal geschehen ist, nicht auch wieder geschehen kann, ob nicht noch einmal ein Volk verworfen wird … oder vielleicht nur seine Führungselite? Was Israel passiert ist, passiert nie wieder? Okay, all diese Überlegungen sind nur sinnvoll, wenn man daran glaubt, dass es diese Erwählung durch Gott gegeben hat und heute gibt. Wenn es sie gäbe, müssten sich noch mehr Fragen stellen: Wenn Gott erwählt und niemand etwas für seine Erwählung tun kann, warum erwählt er dann nicht alle? Warum erwählt er diejenigen, von denen er weiß, dass sie später verworfen werden? Wenn er selber dadurch besser dastehen will (ich wollte euch erretten, aber ihr habt euren freien Willen dagegen gesetzt!), dann hätte er ja tatsächlich alle erwählen können … aber es kommt ja noch abstruser: Diejenigen der Erwählten, die es am Ende schaffen, tun dies auch nicht aus eigener Kraft und Verdienst, sondern aufgrund göttlicher Gnade und Hilfe! - Äh … muss ich zu dieser Absurdität noch etwas sagen??? Wo ist in einem System, das Prädestination behauptet, der Platz für persönliche Verantwortung und Schuld?

 

Was ist mit all denen, die „verloren gingen“ aufgrund der falschen Bischoff-Botschaft? Was ist mit jenen, von denen Fehr sprach, als er nach der „Freigrasung“ sagte, die NAK könnte wesentlich mehr Mitglieder haben, wenn der Weg nicht so schmal gemacht worden wäre?
Waren sie nie wirklich erwählt oder sind sie nun doch selber schuld? Oder ist es nicht doch so, dass sich ein unzuverlässiger Gott einfach nicht um sie gekümmert hat?

 

Wer kann sich eigentlich sorglos seiner Erwählung freuen angesichts der beständigen Gefahr, „aus der Gnade zu fallen“? Nichts hab‘ ich zu bringen … Gnade ist’s und weiter nichts … all diese Widersprüche kann man nur ertragen, indem man das Denken ausschaltet und mantra-artig vor sich hin murmelt: „Gottes Wege sind unerforschlich …“

 

Das Volk des „neuen Bundes“, als das die Apostel die NAK-Mitglieder immer bezeichnet haben, die „Braut des Herrn“, schrumpft so schnell und offenkundig, dass man schon auf den Gedanken kommen könnte, die Sache mit der Erwählung und dem Segen des Herrn habe sich mal wieder erledigt, … Systemimmanent spekuliert: Vielleicht zu viel Lauheit und Oberflächlichkeit … die vormals Erwählten schon längst ausgespien aus dem göttlichen Munde?

 

Vielleicht hat Gott es sich aber doch wieder ganz anders überlegt und es reut ihn, den Unbeständigen, wieder mal: Zu Noahs Zeit reute es ihn, dass er Menschen gemacht hatte, heute ärgert es ihn, dass Apostel sich als seine Botschafter ausgeben? Was weiß man eigentlich SICHER von diesem Gott? Wenn man sich auf die Botschaft der Bibel verlässt, sollte man sich vielleicht besser hüten, ihm zu vertrauen:

 

Dazu noch einmal ein Zitat aus o.a. Artikel: „Im neutestamentlichen Erwählungsglauben steckt der Antijudaismus ebenso tief wie Krieg, Bann und Vertreibung im alttestamentlichen. Eine Theologie, die die Erwählung als makellosen göttlichen Heilswillen ausgibt und das daran klebende Blut und Unheil als ‚Menschenwerk‘ wegschminkt, steht moralisch nicht höher als eine Zigarettenreklame, deren strahlende Gesichter mit Lungenkrebs nichts zu tun haben wollen.“

 

Weder das Gottesbild noch der göttliche Heilsplan hält ethischen Maßstäben stand – wer will sich da freuen und in Sicherheit wiegen? Angesichts des bisher überlieferten, ist man wohl ohne diese Erwählung bzw. den Glauben daran auch nicht schlechter dran, eher besser – und wenn es einen Gott geben sollte, dann kommt es vielleicht am Ende zu einer so frischen und überraschenden Wende, wie sie in manchen Geschichten vorkommt: Göttin freut sich über jede einzelne, die es gewagt hat, sich der Indoktrination der selbsternannten Hirten zu widersetzen und ihren eigenen Weg gegangen ist!

 

Zur Freude aller dürfen diese ehemaligen „Glaubens-Systemverweigerer“ dann vielleicht dermaleinst auf höherer Seinsebene workshops zur Re-Individualisierung von Indoktrinationsopfern leiten? … ein etwas anderes Verständnis von „königlichem Priestertum“ ;-)

 

Falls wir Gott Humor zuschreiben wollen, wäre das zumindest eine gute Pointe!

01.02.2015

 

Geld, Geld, Geld …

 

Immer wieder mal geht es in den verschiedenen Threads zu NAK-Themen zumindest AUCH um Geld und immer wieder mal lese ich oder höre es von Freunden oder Bekannten, dass sich der eine oder die andere entschieden hat, weniger oder sogar gar nicht mehr zu opfern!

Da frage ich mich manchmal, wie das geht, ganz bewusst (?) nur teilweise gehorsam zu sein, nicht in allen Dingen treu nachzufolgen … Aber das gehört dann so in die Richtung, sich mehr an seine persönliche „Glaubenslehre“ zu halten, als an die offiziell geltende. Wie gelingt es, sich diese Teil-Freiheit zu nehmen und nicht von der Sorge gequält zu werden, bin ich nun mit dieser Haltung „nicht würdig“? Oder ist das gar keine Frage mehr, wenn man angefangen hat, gedanklich eigene Wege zu gehen … vielleicht sogar in der NAK-Gemeinde nur noch der Gemeinschaft wegen?

 

Andererseits weiß ich von nicht wenigen, dass sie es immer noch sehr genau nehmen mit dem „Zehnten“ … und die sagen mir dann auch gerne bei gelungenen Unternehmungen oder unerwarteten finanziellen „Zuschüssen“: „Da sieht man mal wieder, dass der Segen des Herrn mit mir ist!“ ... gelernt ist gelernt … Aber ist es wirklich in Ordnung (oder ethisch verantwortbar), die so „geprägten“ Mitglieder bis ans Ende ihres Lebens weiter zur Kasse zu bitten, während ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder sich längst von dieser einstigen Verpflichtung befreit hat und fröhlich unbeschwert und mit mehr Geld auf dem eigenen Konto alle „Segnungen“ der NAK-Gemeinschaft mitnimmt?

Spinnen wir doch mal einen Aspekt dieser Gedanken ein wenig aus: Da sind auf der einen Seite diejenigen, die einen nicht unerheblichen Teil ihres Einkommens opfern, weil sie gelernt haben, dass der liebe Gott immer an erster Stelle kommt und deshalb verzichten sie eben auf manches, z.B. auf ein (neues) Auto … trotz ihres treuen Opferns gehen aber die Opfereinnahmen zurück (den Statistiken ist zu entnehmen, dass die Zahl der aktiven Mitglieder und die Höhe der Opfereinnahmen einander NICHT entsprechen!)

 

Je nachdem, wie hoch bzw. niedrig innerhalb einer Gemeinde der Anteil der Opferer und wie hoch ihr Beitrag ist, sinkt möglicherweise die Summe der Einnahmen unter eine von der nach wirtschaftlichen Maßstäben und Vorgaben (Stichwort Stratus-Software!!) orientierten Kirchenleitung tolerierbare Grenze – die Gemeinde „trägt sich nicht mehr“, plötzlich erscheinen Renovierungskosten zu hoch, das Gebäude zu groß usw. und über kurz oder lang wird die Schließung verkündet.

Den lieben Geschwistern wird ans Herz gelegt, freudig und gerne die nun viel weiteren Wege in Kauf zu nehmen … und nun sind wir an dem Punkt, auf den ich exemplarisch hinauswollte: Die treuen Opferer haben sich selbst und ihre Lebensbedürfnisse „beschnitten“, ihr Einkommen um 10 % reduziert und diesen Anteil der Kirche gegeben, aber der Kirche hat es nicht gereicht – die Gemeinde wird dichtgemacht und zumindest einigen der Treuen fehlt nun das, was sie ohne Opfer hätten finanzieren können: Das Auto, um in die weiter entfernte Gemeinde zu fahren …

 

Wenn ich mir in größerem Zusammenhang schon mal (illusorisch) gewünscht habe, die Kirchenleitung möge doch per offiziell verlesenem Dekret alle NAK-Mitglieder nachdrücklich in jene geistige Freiheit entlassen, die sich ein Teil schon längst genommen hat, dann wünsche ich mir das speziell für das Thema „Opfern“ erst recht!

Es erscheint mir unglaublich schäbig, einen Teil der Mitglieder so auszunehmen, weil bei ihnen die Indoktrination so nachhaltig wirkt und gleichzeitig sogar weiter entsprechende Lehrinhalte zu predigen!

 

Von der Kirchenleitung wird garantiert niemals eine „befreiende“ Botschaft kommen, die nimmt bis zum Ende alles mit, was zu bekommen ist – aber sollten nicht gerade deshalb alle diejenigen, die sich still und leise von der Lehre des „Zehnten“ verabschiedet haben, darüber mit ihren Geschwistern offen reden? Das erschiene mir ein Gebot der Nächstenliebe, zumal dann, wenn es einigermaßen rücksichtsvoll geschieht, z.B. indem man darauf verweist, dass der „Zehnte“ ursprünglich als zehnter Teil der Steuern und ganz und gar nicht als der zehnte Teil des Besitzes oder Einkommens gedacht war!!! Gerade Amtsträger, die das erkannt haben und für sich selber umsetzen, wären diesbezüglich doch in einer moralischen Pflicht, das auch entsprechend zu kommunizieren.

 

Für viele fällt der Groschen der Erkenntnis aber leider erst, wenn sie vor den Trümmern ihrer Erwartungen stehen bzw. ihre Heimatgemeinde verlieren und dann noch mit den Folgeproblemen mangelnder Mobilität alleingelassen werden! Für die Kirchenleitung aber heißt dann die vorgeschlagene Lösung: GD-Übertragung per Telefon und weiter opfern bequem per Dauerauftrag!

 

Hirtenliebe, Hirtenliebe – sucht sein SCHERFLEIN immerzu …

Ein Verkaufsschlager für Kinder: Die Arche Noah… z.B. dieses Fensterbild bei Yatego.com [Original und Quelle: (- klick) ins Bild]

5.10.2014

 

… da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen …

 

und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. (1.Mose 6)

 

Wieder einmal ging es in einer Internet-Diskussion um den alle Wissenschaft vollkommen ignorierenden Glauben der Kreationisten - wisst ihr, ich finde viel schlimmer diesen Glauben an Dinosaurier vor ca. 6000 Jahren und die Erschaffung der Erde in 6 Tagen, dass anscheinend alle Christen völlig ungerührt die Geschichte der Arche als eine Geschichte der Rettung betrachten und für ihre kleinen, in die christliche Lehre hineinwachsenden Kinder, eine niedliche Geschichte daraus machen wegen der vielen lustigen Tiere, - es gibt Puzzles, Bilderbücher und biologisch wertvolle Holzbausteine dazu!

 

Und alle verschließen die Augen davor, dass es sich um eine Geschichte von göttlichem Massenmord handelt, denken nicht daran, dass um die geschlossene Arche und die in ihr gerettete Familie Noah Leichen treiben - auch die Leichen von Babies und Kindern, die gar keine Wahl hatten! Was für ein Gott!!!

 

Und der soll gelobt und gepriesen werden? Wofür, verdammt noch mal? für seine Unbarmherzigkeit und Grausamkeit? Seine mangelnde Voraussicht, wie sich seine Geschöpfe entwickeln würden? Für seinen totalen Mangel an Empathie, seine Unfähigkeit, die simple psychologische Erkenntnis zu haben, dass niemand sich zum Glauben zwingen kann und dann scheinheilig zu versprechen:

 

Wer glaubt und gehorcht, der wird gerettet?

 

Aber er wusste ja anscheinend, wie es ausgehen wird und hat in seiner unendlichen Weisheit die Angaben für den Bau der Arche entsprechend berechnet - wenn alle oder auch nur die Hälfte der von Noah eingeladenen gekommen wären ....

 

Aber es ist doch einfach zu rufen: Wähle Segen oder Fluch - und zu ignorieren, dass das gar keine Wahl ist!

 

Wegen dieser kaum gewagten Gedanken, machte sie mir dann sogar schon in meinen gläubigen Zeiten ein etwas ambivalentes Gefühl, diese Geschichte von der Arche und vor allem:

 

Dass sich die NAK immer so glücklich als „Arche des Neuen Testamentes“ bezeichnet hat, dass gelehrt wurde, zur Zeit der Wiederkunft Christi wäre es eben genau so, wie zu Noahs Zeit! Wir, die erwählten und durch Apostel versiegelten Gotteskinder seien die glücklichen Insassen der geistigen Arche, wir würden errettet werden in einem Augenblick, entrückt als Braut Christi, während die Menschen um uns herum unendliches Leid würden erleben müssen, Heulen und Zähneklappern, die Offenbarung der Bibel sagt vorher, dass das Blut in den Straßen so hoch stehen würde, bis an das Zaumzeug der Pferde usw. Die Gotteskinder würden im Himmel die Hochzeit mit ihrem Seelenbräutigam feiern, während auf der Erde das absolute Grauen herrscht!

 

Wie kann man sich darüber und darauf eigentlich freuen, wenn man wirklich glaubt, dass genau SO der göttliche Erlösungsplan aussieht? Man kann ja nicht alles andere ausblenden und nur die eigene Entrückung sehen – die, die hier auf der Erde zurückbleiben und – so die Lehre – dem Treiben und der ganzen Wut Satans hilflos ausgeliefert sind, das sind doch nicht irgendwelche anonymen Bösewichte und Verbrecher: Nein, das ist die nette evangelische Kindergärtnerin, der engagierte Lehrer in der Schule unserer Kinder, der Hausarzt, der mitten in der Nacht gekommen ist, die Mütter und Kinder der Spielgruppe, die wir wöchentlich treffen, die hilfsbereite Nachbarin, all die Klassen – und Schulkameraden unserer Kinder, alle unsere nicht-neuapostolischen Freunde und Verwandten …

 

Nun, die Lehre besagt, dass Gott in seiner unendlichen Liebe will, dass allen geholfen werden soll und deshalb gab er ja auch den Auftrag, das Evangelium, die Frohe Botschaft, zu verkünden und in der NAK-spezifischen Variante bedeutete das: Einladen in die neuapostolischen Gottesdienste und alle mit der wunderbaren Möglichkeit der Errettung durch das Gnaden – und Apostelamt bekannt machen! Komm und sieh – lass dich versiegeln und damit eintragen in das Buch des Lebens, hinzufügen zur Braut des Herrn, zur Schar der gotterwählten … nur ist da leider auch der gerne übersehene Pferdefuß!

 

Wieso? Nun, weil ja von den vielen lieben eingeladenen Menschen kaum einer bleibt und Mitglied bzw. Gotteskind wird durch die Handauflegung eines Apostels – sie wollen halt nicht und denken nur an irdische Dinge, ganz wie zu Noahs Zeit von der geschrieben steht: „Sie freiten und ließen sich freien …“ Das heißt schlicht und ergreifend: Sie haben nicht gewollt – und wer nicht will, der hat schon! Oder?

Vielleicht KONNTEN sie aber nicht wollen? Und noch viel schlimmer: Vielleicht sind die, die heute nicht neuapostolische werden wollen, nicht „auserwählt“, denn dass die Gotteskinder aus Gnaden erwählt sind, haben wir ja oft genug gesungen „Aus Gnaden erwählt, zum Volke des Allerhöchsten gezählt …“

 

Doch, auch mit solchen Fragen durfte ich durchaus zu meinen Amtsträgern gehen – die Antworten waren sicher gut gemeint, aber derart schwierige Fragen konnten sie letztlich auch nicht wirklich beantworten, die Antworten blieben naturgemäß eher kryptische Bibelverse: „Viele sind berufen, doch nur wenige sind auserwählt!“ Oder: Gott will zwar allen helfen und in dem Sinne sind eigentlich alle auserwählt – aber der Mensch muss seine Erwählung auch „festmachen“, annehmen … der freie Wille …

 

Allerdings: Schon als Schülerin, die sich ein bisschen mit Psychologie beschäftigt hatte, war mir klar, dass es da durchaus Grenzen der Willens – und Entscheidungsfreiheit geben musste, dass man es sich nicht so leicht machen kann, von allen Menschen aller Zeiten und aller Kulturkreise zu erwarten, dass sie neuapostolisch werden (oder auch lediglich Christen), auch wenn es die äußere Möglichkeit dazu geben sollte, kann niemand behaupten, dass es, was die inneren, psychischen Voraussetzungen betrifft, eine Chancengleichheit im Erkennen und Verstehen gibt.

 

Nun gut, ich gestehe, dass ich mich sehr lange mit den üblichen immer wieder gehörten Phrasen beruhigt und das Thema dann quasi abgespalten, ausgeblendet habe: „Gottes Gedanken sind soviel höher als unsere Gedanken, später einmal werden wir alles verstehen und keine Fragen mehr haben …“

 

Damals habe ich einfach nicht gewagt, diesen Gedanken weiter Raum zu geben, mir Informationen außerhalb meiner engen neuapostolischen Welt zu holen, denn ich habe den Warnungen geglaubt, dass der Zweifel, dem wir Raum geben, gegen den wir nicht ankämpfen, den wir nicht überwinden, ein geistiges Gift für die lebendige Seele ist, das zum geistigen Tod führen kann - und alle, „die nicht mehr in die Gottesdienste kommen“, sind auch „Verlorene“ die keinen Platz mehr in der Arche der Errettung haben … Einer der immer und immer wieder gepredigten Sätze lautete: „Der Zweifel ist der Totengräber der Seele!“

 

Später, sehr viel später habe ich erfahren, dass es nicht nur Kritiker, sondern auch christliche Theologen gibt, die die Problematik der „Auserwählung“ thematisieren und die andere Seite der (christlichen) Erwählungsreligion benennen:

 

Verwerfungsreligion!

22.08.2014

Dieses Traumhaus kostet weniger als 20.000 Euro. Unglaublich? Warte bis du es von innen siehst…

 

„Immer mehr Menschen haben es satt, ein Leben lang nur für die Miete oder riesige Immobilien-Kredite zu arbeiten. Gabriella und Andrew Morrison kennen das Problem nur zu gut. Jahrelang drehte sich ihr Leben nur darum, wie sie die nächste Rate abstottern können.

 

Die beiden überlegten, was sie wirklich zum Leben brauchen und beschlossen sich radikal zu verkleinern.

 

Ihr Mini-Traumhaus hat die Morrisons nur 22.000 Dollar (ca. 16.000 Euro) gekostet.“

http://www.heftig.de/mini-traumhaus/

Ein interessanter Artikel, schöne Bilder - aber der wichtigste Gedanke für mich ist dieser:

 

„Immer mehr Menschen besinnen sich auf die Dinge, die sie wirklich zum Leben brauchen“

 

Die wenigsten von uns werden heute vor der Entscheidung stehen, ob sie ein Haus bauen und wenn ja, was für eines - aber der oben zitierte Satz kann auch auf ganz viele andere Bereiche angewendet werden. Einfach einmal innehalten und überlegen, ob wir das, was wir gewohnheitsmäßig oder immer schon getan, gebraucht, gekauft, praktiziert haben eigentlich wirklich wollen und brauchen!

 

Und da wir ja so schön gelernt haben, „alles auf das Geistige zu beziehen“, machen wir das doch einmal - allerdings nicht in dem Sinne des Erfinders bzw. Predigers dieses Satzes: Alles daraufhin zu prüfen, ob ich es wirklich brauche, ob es mir wirklich gut tut, mir weiterhilft und mich glücklich macht - das ist eine Freiheit, die dem Menschen, erst recht den Auserwählten Gottes, gar nicht zukommt!

 

Für diese Auserwählten Gottes gilt eigentlich sogar das Gegenteil: Das eigene Wollen und Wünschen, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zurücknehmen, ÜBERWINDEN ist das große NAK-Wort zu diesem Thema!

 

Das eigene Ich aufgeben und nur noch funktionierendes Mitglied der Kirche zu sein, nicht selbstbestimmt sondern fremdbestimmt, angeblich von Gott - in Wirklichkeit von der NAK-Lehre!

 

Es gilt zu glauben und das Gehörte im „Glaubensgehorsam“ anzunehmen – unangenehme Gefühle, Missempfindungen, abweichende Gedanken sind zu ignorieren bzw. zu überwinden, ja es wird geradezu gelehrt, dass die „richtigen“ Gefühle sich dann als Lohn des Überwindens, als Zeichen der rechten Verbindung und als Beweis des gültigen Heils einstellen werden. Perfider Weise wird damit verbunden dann auch gelehrt, dass das Fehlen, das Ausbleiben der „richtigen“ Gefühle, der Seligkeit, der Glaubensfreude, des inneren Friedens nur im eigenen Verschulden, im Mangel an Glauben und Überwinden liegen kann und der einzig mögliche Weg, diesem Mangel abzuhelfen, die Dissonanz zu beseitigen sei: MEHR Glaubensgehorsam, MEHR Beten, MEHR Selbstüberwindung!

 

Damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei dem Anfangsgedanken, dass es gut ist, sich auf das zu besinnen, was frau und man wirklich braucht, was uns gut tut, was uns weiterhilft. Dazu ist jedoch das Wahrnehmen der eigenen Gefühle notwendig, die Erlaubnis, diese Wahrnehmung zuzulassen und sie nicht automatisch, quasi „vor-bewusst“ NAK-konform umzuinterpretieren!

 

Ein ganz simples Beispiel: Gottesdienst… die Predigt ist öde… man langweilt sich, fühlt sich nicht wohl… – statt nun zu überlegen, was von dieser Predigt, diesem Gottesdienst einem eigentlich wirklich gut tut und ob man das wirklich für ein gutes Leben braucht, setzt durch Prägung/ Indoktrination sofort die systemkonforme Umformung der Wahrnehmung bzw. Interpretation ein:
Ich bin nicht in der rechten Verbindung, nicht gut genug vorbereitet, nicht aufnahmebereit, habe nicht genug gebetet – deshalb werde ich jetzt „unter dem Wort Gottes“ nicht selig!

 

Die konsequente Folgerung ist dann, sich selber noch mehr anzupassen, zu überwinden, engere Verbindung zu suchen durch Aufnahme des systemspezifischen Gedankengutes. Dann wird also am Samstagabend noch in der Zeitschrift „Unsere Familie“ gelesen, um sich auf den sonntäglichen Gottesdienst einzustimmen. Dort findet sich eine Anhäufung ganz NAK-spezifischer Begriffe, Redewendungen und oft wiederholter Formulierungen – und höchst wahrscheinlich findet man dann in der Predigt auch Übereinstimmung mit genau den Ausführungen und Phrasen, mit denen man sich vorbereitend beschäftigt hat und interpretiert dies – so wurde es einem ja beigebracht – als Zeichen einer schönen göttlichen Verbindung und Bestätigung, auf dem rechten Weg zu sein! Das wiederum wird im Denken und Fühlen zu der seligen Gewissheit, ein aus Gnaden erwähltes Gotteskind zu sein, zum königlichen Priestertum berufen und schon auf Erden in den wunderbaren Gottesdiensten immer wieder „auf den Berg der Seligkeiten“ geführt!

 

Die eigenen Bedürfnisse werden auf diese Weise gar nicht wahrgenommen oder als „falsch“ unterdrückt und der derart angepasste Gläubige kommt gar nicht dazu, sein Leben nach eigenen individuellen Bedürfnissen zu gestalten, sondern „überwindet“ langfristig alle Bedürfnisse und diejenigen Anteile seines Selbst, die sich als nicht systemkonform, also als störend und unangepasst erweisen. Man lernt also, genau das zu brauchen, was die NAK bietet und widersprüchliche Empfindungen und Gedanken als zu überwindende menschliche oder gar teuflische Versuchung anzusehen – der „alte Adam“ eben, das „Fleisch“, das ja vollkommen ersetzt werden soll durch „die neue Kreatur“!

 

Ade, Selbstwahrnehmung, Selbstbestimmung, Individualität – der einzelne ist nichts, die Gruppe ist alles!

 

Buchtipp:

 

Hildegard Ressel: Was ich wirklich brauche: Inneren und äußeren Ballast abwerfen und wieder unbeschwert leben Taschenbuch – 10. März 2011

 

Auch hier ein Satz, der über das Materielle hinausweist:

 

„Und wenn wir schon beim Aufräumen sind: Welche Vorurteile, Ängste und Sorgen, die uns ans Herz gewachsen sind, haben eigentlich nicht auch schon lange ausgedient?“

http://www.amazon.de/Was-ich-wirklich-brauche-unbeschwert/dp/3596170001/ref=pd_sim_b_1?ie=UTF8&refRID=1D982JZBMZFW9Z42XEV3

Mehr Info: (- klick) ins Bild!
Informationen über die NAK von Detlef Streich
veröffentlichte Artikel und Aufsätze über die NAK von Rudolf J. Stiegelmeyr
aktuelle Artikel zur NAK von Dieter Kastl
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Aktuelles:

26.11.2016

----------------

Update 1:

Es ist schon auffällig, dass die NAK-Funktionäre ihre Methoden seit den 50ern des vorigen Jhdt. nicht geändert haben. - Auch dann nicht, wenn sie scheinbar einen Scherz machen. fcs hat das am Fall eines scheinbren Schenkelklopfers vom Rüdiger Krause aufgezeigt:

 „Von einem der auszug, die Anderen das Fürhten zu lehren“ (- klick)

 

Update 2:

Dass wir das noch erleben durften!
Die bornierten Halbgebildeten der NAK-Gemeinde Hamm-Werries setzen sich unter der Moderation vom auf facebook sattsam bekannten Hardcore-NAKidei Dieter Schulze zu einem Gesprächskreis zusammen und stellen fest, dass Geistesgrößen wie Schopenhauer, Berlin, Fred et al. schwachköpfige Dummschwätzer waren, indem sie auf bestechende Weise deren Erkenntnisse zur Willensfrei
heit des Menschen widerlegen:

„Klartext über die NAKn“ (- klick)

 

Update 3:

Es ist nahezu unglaublich, was für einen Haufen Schwachsinn nur eine Handvoll Apostel im Laufe eines Jahres so von sich gibt!
Und dann sind sie auch noch so stolz auf diesen Blödsinn, dass sie ihn als Zitate veröffentlichen lassen.
Wir haben sie einmal gesammelt und als kommentierte Zitate bei uns eingestellt:

„Die blöden Sprüche der NAK-Granden (Vol.1 + Vol. 2)“ (- klick)

 

Update 4:

Ein unverhoffter Leserbrief hat uns einen völlig neuen Blick auf die NAK eröffnet.
Grund genug, ihn unserer gesamten Leserschaft zur Verfügung zu stellen:

„Unverhofft kommt selten“ (- klick)