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bemerkenswert oder kurios, aktuell oder lesenswert:

BTs Kurznachrichten und Notizen

Täglich erreicht uns eine Vielzahl an interessanten Nachrichten, Informationen und Ausarbeitungen aus den Bereichen Humanismus, Ethik und Religionen. Leider können wir nicht zu allem, was uns interessant erscheint ein ausführlich kommentiertes Newsblog oder gar einen tieferschürfenden Beitrag veröffentlichen; unsere personellen Kapazitäten lassen das einfach nicht zu.

 

Da viele dieser Informationen aber so interessant sind, dass es schade wäre, sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen, haben wir uns entschlossen, sie unsern Lesern auf dieser eigens eingerichteten Unterseite in Form von Kurznachrichten mit weiterführenden Links zur Verfügung zu stellen.

Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Straßburg

29.11.2014

 

Lesenswerte Gegenstimme – außerordentlich guter Kommentar von Uwe Lehnert:

 

"Papst Franziskus in Straßburg umjubelt“

 

BERLIN. (hpd) Papst Franziskus erfreut sich wegen seiner unkonventionellen und offenen Art, auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden, relativ großer Beliebtheit. Und in der Tat – im Gegensatz zu seinem Vorgänger machen ihn seine Worte und sein Verhalten zu einem Menschen, dem in breiter Front Sympathie entgegenschlägt. Aber ist seine nach außen gezeigte erfrischende Offenheit wirklich ehrlich?

 

Textauszug – nur einen Auszug zu wählen, fällt mal wieder schwer und ich hoffe, dass recht viele den ganzen Kommentar lesen werden:

 

„…Schlimmer noch ist, dass die katholische Kirche über ihre vielen gewinnbringenden Beteiligungen an Firmen rund um den Globus dazu beiträgt, den afrikanischen Kontinent auszuplündern und damit das Elend dort zu vergrößern. Das rigide Kondomverbot fördert die Ausbreitung von Aids, was wiederum unzählige Familien zerstört und oft nur Waisenkinder zurücklässt. Alles das trägt dazu bei, eine Gesellschaft zu zersetzen und zu demoralisieren und Hunderttausende, bald Millionen von Menschen in die Flucht zu treiben. Hat diese hochgejubelte moralische Autorität je dazu beigetragen, die Ursachen des Elends dieses Kontinents zu bekämpfen, überhaupt wenigstens einmal zu benennen?

 

Er kritisiert in gekonnter moralischer Attitüde den Kapitalismus, aber seine Vatikanbank lebt genau von diesem System und betreibt Geldgeschäfte, die oft genug auf dubiose, wenn nicht kriminelle Weise abgewickelt wurden. (Die seriöse FAZ sprach am 25.9.13 wörtlich von den “Halunken der Vatikanbank”.)

 

Der Vatikan pokert mit seinen dreistelligen milliardenschweren Finanzreserven an der Wallstreet, wo er seine Gelder bezeichnenderweise deponiert hat. Sollten diese Firmenaktivitäten und Finanzgeschäfte ohne jeden Einfluss auf jene verheerenden Aktivitäten ablaufen, die in Afrika dazu führen, dass öl- und erzgewinnende Firmen das Land zulasten der dort lebenden Menschen ausbeuten und riesige Umweltverschmutzungen hinterlassen? Ist ihm nicht bekannt, dass Afrika als globale Mülldeponie für Massen an Elektronikschrott und Schwermetallen und Hunderttausende Tonnen von Atommüll nicht zuletzt auch von jenen Firmen genutzt wird, an deren Erträge seine Institution so gewinnbringend partizipiert?

 

[…]

 

Er beschwört die Menschenwürde, aber die Menschenrechtscharta wurde vom Vatikan bis heute nicht unterschrieben, und auch die in Europa zu Recht geächtete Todesstrafe ist für die katholische Kirche nach wie vor eine Option. (Siehe den Katechismus der katholischen Kirche, 1993 und 2003/2005!). Wie war das noch mit dem Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen? (Er möge in sein heiliges Buch schauen: Matthäus 7,3!)

 

In Medienberichten hieß es “… die Zuhörer applaudierten anhaltend, eifrig, manche sogar gerührt.” Wie autoritätshörig, wie glaubensfixiert, wie politisch verblendet muss man eigentlich sein, um sich von solchen hohlen Reden, die nur von den kirchlich mitverschuldeten Ursachen ablenken sollen, einlullen zu lassen?“

http://hpd.de/artikel/10641

09.10.2014

 

Warum kriegen Muslime keinen Nobelpreis?

 

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Forscher aus der islamischen Welt den Nobelpreis erhält, ist gleich null. Zu vermuten ist, dass es einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Islam selbst und der überaus mageren Ausbeute an Nobelpreisen für die Follower dieser zahlenmäßig so bedeutenden Religion gibt.

 

Ein Artikel von Christian Ortner: kurz – einleuchtend – lesenswert!

 

Textauszug: […]Zu vermuten ist leider viel eher, dass es einen gewissen Zusammenhang zwischen dem Islam selbst und der überaus mageren Ausbeute an Nobelpreisen für die Follower dieser zahlenmäßig so bedeutenden Religion geben dürfte.

 

Und zwar deshalb, weil Wissenschaft in ihrem Kern ja immer das ständige Überprüfen von bisher als gültig anerkannten Hypothesen bedeutet, und zwar völlig unabhängig von irgendwelchen politischen oder religiösen Vorgaben.

 

Genau diese Vorgaben einer Religion, die sich ja auch als eine allumfassende Handlungsanleitung für alle Aspekte des menschlichen Lebens versteht, behindern aber den wissenschaftlichen Fortschritt in den muslimischen Ländern erheblich. “Alles Wissen ist schon im Koran angelegt und Wissenschaft muss sich daran messen”, meint Thomas Eich, Islamwissenschaftler an der Universität Bochum, “Ist der Koran mit der Wissenschaft nicht vereinbar, liegt automatisch die Wissenschaft falsch.”

 

Dazu kommen aber auch ganz triviale Gründe: wo etwa Frauen lieber hintern dunklen Feudeln versteckt werden, anstatt sie zur Molekularbiologin auszubilden, verschwinden sofort 50% des intellektuellen Potentials eines Landes in der Mülltonne, wo kluge Köpfe anderen Glaubens eher abgeschnitten denn zum Denken benutzt werden, begeht eine Kultur intellektuellen Selbstmord. […]

 

http://www.freiewelt.net/warum-kriegen-muslime-keinen-nobelpreis-10044029/

„Necla Kelek 2010“ [Quelle: Medienmagazin pro -. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 über Wikimedia Commons (- klick ins Bild)]

20.09.2014

 

Eine Religion der Beliebigkeit

 

Martin Rhonheimers Essay «Töten im Namen Allahs» hat grosse und kontroverse Resonanz gefunden (www.nzz.ch/meinung/debatte/). Necla Kelek greift das Thema auf und plädiert dafür, dass Muslime mehr Verantwortung übernehmen sollten für das, was im Namen ihrer Religion geschieht.

 

Aus der Fülle der zur Zeit erscheinenden Artikel zum Thema Islam möchte ich heute diesen aktuell erschienenen Artikel von Dr. Necla Kelek empfehlen und einige Abschnitte daraus zitieren:

 

„[…] Wer den Koran wörtlich nimmt, ihn ahistorisch liest und auslegt, öffnet die Büchse der Pandora.

 

Tatsächlich wird von den Terroristen des Islamischen Staats noch viel simpler argumentiert. Ihnen reichen die siebzehn Verse des Korans, in denen zu Mord, Totschlag, Körperverletzung und Krieg aufgerufen wird. Den Rest blenden sie aus. Natürlich kommt von islamischen Theologen postwendend der Einwand, dass Martin Rhonheimer und besonders die militanten Islamisten den Islam und den Koran falsch verstanden hätten – und sie fügen hinzu, das Christentum sei ja auch nicht immer friedlich gewesen. Die Unterstellung, der Islam sei eine Religion des Krieges, sei böswillig. Allerdings bezweifeln sie nicht die entsprechenden Koranstellen, sondern sie zitieren eine Reihe von anderen Suren und Versen, die belegen sollen, dass der Koran eine Friedensbotschaft einschliesse. […]

 

Tatsächlich ist der Islam aufgrund seiner Geschichte eine Religion der Beliebigkeit. Und das liegt an seinem Buch, dem Koran, und an der Herrschaft der Vorbeter, die seit tausend Jahren einen innerislamischen Diskurs verhindern. […]

 

Wer will, kann sich aus diesem Textbaukasten seinen Islam und seine Legitimation basteln. Von dieser Möglichkeit machen die Muslime weltweit reichlich Gebrauch. Es gibt eine Vielzahl von Rechtsschulen, Sekten, Predigern, die jeweils ihre Weltsicht auf ihre Art aus der Schrift heraus begründen. Das Hauptanliegen der Strenggläubigen ist dabei, das eigene Verhalten auf die «Urschrift» zurückzuführen und damit ihre Herrschaft vor allem über die Frauen und Ungläubigen als gottgewollt darzustellen. Blutrache, Steinigung, Vielweiberei lassen sich mit Koranversen legitimieren. Das gesamte Rechtssystem der Scharia ist darauf gerichtet, die herrschende Gemeinschaft, die Umma, zu bewahren, und klammert das aus, was wir unter «Gesellschaft» – zum Beispiel Rechte des Individuums – verstehen. […]

 

Diskurs und Zweifel

 

Der Islam hat es in seiner Geschichte versäumt, diesen theologischen Diskurs zu führen. Der Beitrag islamischer Denker zur Philosophiegeschichte der Menschheit ist auch deshalb in den letzten fünfhundert Jahren kümmerlich und lässt Sektiererei jeden Raum. Dass derzeit die Salafisten mit ihrer regressiven und tumben Ideologie bei Muslimen einigen Erfolg haben, hängt unter andrem damit zusammen, dass es im Islam keinen Standard an Wissen und Bildung in eigener Sache gibt, sondern «Taqlid», die fraglose Übernahme des Vorgegebenen, die Imitation des Ewiggleichen, vorherrscht.

 

Die friedliebenden Muslime werden den Fundamentalisten so lange argumentativ hilflos gegenüberstehen, solange sie nicht bereit sind, auch den Koran als historischen und zu hinterfragenden Text und den Zweifel als legitim zu betrachten. Die Islamwissenschaft muss einen historisch-kritischen Umgang mit den überlieferten Schriften betreiben, die Muslime müssen in einen Diskurs um ihren Glauben eintreten und sich und anderen beweisen, dass ihre Religion im säkularen Staat angekommen ist. – Es reicht aber das allein kaum, denn solange Angst und Furcht das Verhältnis zu Allah bestimmen, werden auch die Gläubigen nicht frei sein.“

 

Bezogen auf den letzten zitierten Satz will ich nur noch ergänzen: Unabhängig von der jeweiligen Religion oder Konfession gilt grundsätzlich, solange Angst und Furcht das Leben und Denken innerhalb des religiösen Systems bestimmen, werden auch die Gläubigen nicht frei sein.
http://www.nzz.ch/feuilleton/eine-religion-der-beliebigkeit-1.18387125

Lese-Tipp:

 

Necla Kelek: Hurriya heißt Freiheit: Die arabische Revolte und die Frauen - eine Reise durch Ägypten, Tunesien und Marokko Gebundene Ausgabe – 8. Oktober 2012

 

„Necla Kelek ist nach der Revolte nach Ägypten, Tunesien und Marokko, ins Herz des arabischen Aufstands, gereist. Sie traf Frauen, die in der Al-Azhar-Moschee und auf dem Tahrir-Platz die Freiheit gegen Mubaraks Militär, gegen Willkür und Korruption verteidigten und sich nun vor dem aktuellen Tugendterror der Islamisten fürchten, die die Scharia zur Grundlage aller Leben machen wollen. Im Namen der Religion wollen sie den Frauen bereits erkämpfte Rechte wieder nehmen. In Tunis demonstrieren Islamistinnen dafür, dass sie mit dem Schleier studieren dürfen. Sie und ihre Freunde verstehen unter »Hurriya«, die Universitäten von westlicher Dekadenz zu befreien, und die Freiheit, Allah dienen zu dürfen. Für Fatima aus Casablanca ist »Hurriya« die Chance, im Internet einen Mann zu finden und nach Europa ausreisen zu dürfen. Für andere die Möglichkeit, sich legal das Hymen reparieren zu lassen, damit die Ehre der Familie nicht bedroht ist. Necla Kelek berichtet von der nackten Not der Menschen am Nil, vom Weihnachtsoratorium und der Totenstadt in Kairo, von Silvester mit Fundamentalisten in Kairouan, der Besetzung einer Uni durch Salafisten in Tunis, der Beerdigung eines Mannes in Salé, der bei einer Demonstration gegen Arbeitslosigkeit verbrannte. Aber auch von erregten Diskussionen darüber, warum der Islam von vielen Muslimen nicht verstanden wird und welche Rolle er im Leben spielen sollte. Es sind vor allem die Frauen, die Hoffnung machen und die nicht im Stich gelassen werden dürfen. Denn sie kämpfen nicht nur für ihre Freiheit, sondern auch für das Recht auf Individualität. Wer einmal die Freiheit gespürt hat, vergisst sie nie mehr.“

http://www.amazon.de/Hurriya-hei%C3%9Ft-Freiheit-arabische-Tunesien/dp/3462044842

05.09.2014

 

Coming out für Atheistinnen

 

Bei einer Konferenz im Mai redeten Frauen offen von ihrem “coming out”; davon, sich offen zu etwas zu bekennen. Aber das Thema war nicht Sexualität. Stattdessen sprachen die Frauen bei der dritten “Women in Secularism”-Konferenz darüber, Atheistinnen zu sein.

 

Textauszug:

 

„[…]Einige von ihnen sind als Katholiken aufgewachsen, andere jüdisch, wiederum andere protestantisch – aber fast alle beschrieben ihre Reise von der eigenen Anerkennung des Atheismus hin zu dem Bekenntnis vor den Nahestehenden. An die Öffentlichkeit zu gehen war der letzte, meist schmerzhafte Schritt.

 

Jeder der eine fest zusammengewachsene, glaubensbasierte Gemeinschaft verlässt, riskiert elterliche Enttäuschung, Ablehnung von Freunden und Bekannten und eine Anklage aus Selbsthass. Der Werdegang kann besonders dann schwierig und isolierend für Frauen sein, die als Musliminnen aufgewachsen sind und nun beschuldigt werden, sich in der westlichen Welt zu assimilieren, von der sie verschmäht werden. […]

 

“Ich würde sagen, dass vielleicht 0,1 Prozent gewillt sind, die Fundamente des Glaubens herauszufordern”, sagt Nas Ishmael, ein weiterer Gründer der Ex-Muslimen Gruppe und Teilnehmer der Konferenz.

 

Also fühlen sich diejenigen allein, die sich der Heraus­forderung stellen, die Glaubens­grund­lagen infrage zu stellen. Laut Frau Ali und ihren Kollegen der Ex-Muslime in Nord­amerika, hören sie häufiger von anderen, die sagen “ich dachte, ich wäre der einzige.”

 

Als Frau Dadabhoy ihr “coming out” bei ihren Eltern hatte, “lief es nicht so gut”, sagt sie. “Sie reagierten auf die eine Art, die sie kannten - und das war auszu­flippen. Sie haben noch niemals von jemandem gehört, der den Islam ver­lassen hatte. Wir sind mit der Idee aufgewachsen, man kann nicht gehen, niemand kann gehen. Den Islam zu ver­lassen, war etwas, das nur ein unfassbar geistesgestörter Mensch tun würde. Oder dazu gezwungen mit vorgehaltener Waffe.” […]

 

Persönlich berührt haben mich besonders diese Aussagen: „Wir sind mit der Idee aufgewachsen, man kann nicht gehen, niemand kann gehen. Den Islam zu verlassen, war etwas, das nur ein unfassbar geistesgestörter Mensch tun würde.“

 

Das erinnert mich sehr an die psychische Situation, in der viele von Kindheit an geprägte neuapostolische Christen sich befunden haben oder vielleicht auch noch befinden: Man hatte nicht die Wahl, sich einer anderen Strömung innerhalb der Kirche oder einer anderen Konfession zuzuwenden, denn es gab keine gleichwertigen anderen Gemeinschaften! Neuapostolisch zu sein, bedeutete weit mehr, als nur einer bestimmten Konfession anzugehören:

 

Es bedeutete von Gott selbst auserwählt zu sein, ein ins Lebensbuch eingetragenes Gotteskind und berufen, als König und Priester zu regieren in Ewigkeit!

 

Diese Erwählung auszuschlagen, die Gemeinschaft des Volkes Gottes zu verlassen, bedeutete dann allerdings auch andererseits, den Fluch zu wählen, ein Verlorener zu sein, ein Schicksal schlimmer als der Tod!

Ganzer Artikel hier: https://hpd.de/artikel/9974

28.07.2014

 

Religionen ordnen die Frau dem Mann unter

 

Die monotheistischen Weltreligionen haben in der Vergangenheit Frauen traditionell den Männern untergeordnet. Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger vom Exzellenzcluster “Religion und Politik” der Uni Münster erläutert, “das geht auf die patriarchalischen Gesellschaften zurück, in denen Judentum, Christentum und Islam entstanden sind und die sich in Torah, Bibel und Koran niedergeschlagen haben.”

 

Prof. Dr. Stollberg-Rilinger hat einen sicher lesenswerten Sammelband herausgegeben: “Als Mann und Frau schuf er sie”:

 

“Wenn öffentlich von Religion die Rede ist, geht es selten um Glaubensbotschaften, sondern vielmehr um Sexualität und Geschlechterrollen”, schreibt die Herausgeberin. Als Beispiele nennt sie fundamentalistische Sexualnormen, feministische Religionskritik und kirchliche Äußerungen zu Verhütungsmitteln. “Wohl jedes religiöse Sinnsystem enthält Aussagen über die Ordnung der Geschlechter.” Die Rollen von Mann und Frau seien in religiösen Mythen verankert, würden in liturgischen Praktiken stets neu reproduziert und durch kirchliche Organisationsstrukturen auf Dauer gestellt. Die Publikation aus dem Exzellenzcluster behandelt umstrittene Themen wie das Burka-Verbot, feministische Aufbrüche in Judentum, im Islam und in der katholischen Kirche sowie das Verhältnis von Fundamentalismus und Sexualität.

 

Um das Verhältnis von Religion und Geschlecht angemessen bewerten zu können, reicht es nach Einschätzung der Wissenschaftlerin nicht aus, sich auf aktuelle Problemlagen zu beschränken. Vielmehr bedürfe es einer historisch vergleichenden Perspektive. “Nur aus historischer Distanz lässt sich zeigen, wann und warum Religion und Geschlechterordnung einander stützen oder miteinander kollidieren und inwiefern sie – etwa durch eine religionsneutrale Rechtsordnung – entkoppelt werden können.” […]

 

“Mann und Frau sind in den meisten Religionen höchstens im Jenseits gleich vor Gott, aber nicht auf Erden”, unterstreicht die Historikerin. Fundamentalisten aller Religionen sei die Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen bis heute ein zentrales Anliegen. Sie sähen in der Gleichberechtigung der Frauen all das, was sie an der Moderne beunruhige. Fundamentalisten “definieren sich oft über besonders strenge Geschlechternormen. Sie gründen die Identität ihrer Gruppe auf der Keuschheit vor allem der Frauen, um sich von der sündhaften Umwelt abzugrenzen. Religiöse Reinheit wird mit sexueller Reinheit, der Glaube der Anderen mit sexueller Zügellosigkeit gleichgesetzt.”

http://hpd.de/node/18903

Ein Blick auf das Themenspektrum des Sammelbandes findet sich hier:

http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2014/apr/News_Religion_und_Geschlecht.html

„Die elf Autoren des Bandes gehen der Frage nach, wie religiöse Geschlechternormen mit anderen sozialen Normen zusammenhängen und wie sie damit in Konflikt geraten. Sie untersuchen dies im Hinblick auf verschiedene Epochen und Religionen und aus unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen und lebensweltlichen Perspektiven: von der Geschichts- und Literaturwissenschaft über die Jurisprudenz bis zur Theologie, vom antiken Rom über Christentum und Islam bis zum Judentum. Neben Forschern der Universität Münster und anderer Hochschulen in Deutschland und den Niederlanden gehören zu den Autoren der Beiträge die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck und die Publizistin Khola Maryam Hübsch.“

... Flieger, Werbebeauftragter, Journalist und Autor auf der ganzen Welt. Seine Leidenschaft blieb jedoch das Fliegen. Hier steht er um 1938 mit seinem Mechaniker und Navigator André Prévot auf einem Flugplatz in Frankreich.

29.06.2014

 

Heute jährt sich der Geburtstag des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zum 114. Mal. ... als ich die von SPIEGEL ONLINE eingestellten Zitate las, dachte ich: Jepp, geht doch auch ohne Apostel-Gottesdienst!

 

"Die wahre Liebe verausgabt sich nicht. Je mehr du gibst, umso mehr verbleibt dir. Und wenn du dich anschickst, aus dem wahren Brunnen zu schöpfen, spendet er um so mehr, je mehr du schöpfst."

 Das andere Zitat kann man auch gut als Warnung vor unreflektierter Nachfolge verstehen: "Geh nicht nur glatte Straßen, geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt, und nicht nur Staub!"

Wer Interesse hat, mag sich vielleicht auch noch einen alten Spiegelartikel anschauen:

70 Jahre "Der Kleine Prinz" Märchen für alle!

http://www.spiegel.de/einestages/antoine-de-saint-exuperys-der-kleine-prinz-a-951092.html

Und wer das Buch nicht zur Hand hat, - hier gibt’s eine sehr schöne Leseprobe:

Der kleine Prinz – Antoine de Saint Exupéry

http://www.onlinecat.de/Leseproben/exupery.htm

Der Bericht über das Symposium im Landtag NRW hat nicht überall Zustimmung gefunden. Im Gegenteil, Autor und Althistoriker Rolf Bergmeier gibt seinem Ärger Ausdruck. (Foto: © Evelin Frerk)

27.06.2014

 

Lesenswert – außerordentlich guter Kommentar von Rolf Bergmeier:

 

"Politiker und ihre christliche Befindlichkeit“

 

KOBLENZ. (hpd) Deutschland erstickt im kirchlichen Mief. Und nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Theologen und Pfarrer als Ministerpräsidenten oder Bildungsminister, das ist inzwischen Routine. Ein ostdeutscher Pfarrer als Bundespräsident kann die Deutschen nicht mehr erschüttern. Eine Pfarrerstochter aus der mecklenburgischen Provinz, die ausgerechnet den ehemaligen Vorsitzenden der judenfeindlichen Inquisitionsbehörde in höchsten Tönen lobt, als Bundeskanzlerin? Was soll`s?

 

Textauszug – die Auswahl einzelner Abschnitte fällt schwer und ich hoffe, dass recht viele den ganzen Artikel lesen, es lohnt sich wirklich:

 

„…Amüsiert und entsetzt schaut man auf eine kirchenfromme Politikerkaste, die verantwortlich ist, dass in Deutschland das europäische Recht des Diskriminierungsverbotes im Bereich der Kirchen nicht durchgesetzt wird, dass Arbeiter und Angestellte in kirchlich geführten Einrichtungen nicht durch Gewerkschaften vertreten werden und Juden, Muslime und Nicht-Konfessionelle gezwungen werden, mit ihren Steuern die Gehälter christlich-kirchlicher Würdenträger zu begleichen. Unruhig schaut man auf eine Bundeskanzlerin, die anlässlich der Vorbereitungen zum Lutherjahr 2017 zu einer “missionarischen Komponente” aufruft. Die zulässt, dass Bischöfe, die weder die erforderliche Expertise nachweisen können, noch demokratisch legitimiert sind, an Problemen wie Praeimplantationsdiagnostik und Kernenergieausstieg herumdoktern. Das hat es in Europa noch nie gegeben: Bischöfe befinden darüber, ob Kernenergie und erhöhter CO2-Ausstoß aus konventionellen Kraftwerken gesellschaftlich vertretbar sind. […]

 

Das Begründungsmuster ist simpel, willkürlich und in der Wiederkehr ermüdend: Es gebe erstens einen Gott, dieser sei zweitens ein christlicher und habe drittens zum jeweiligen Sachverhalt passende Eigenschaften. Letztere zimmert sich jeder Pfarrer und Gläubige selbst zurecht. Trotz Höllenqualen wird aus dem Rachegott ein “liebender” und selbst die blutige Inquisition stützt sich auf Gottes Wollen ab. Und wenn ein Bus verunglückt, bejubelt der Gläubige Gott, der ihn “wunderbar errettet” habe. Dass Gott nebenher dreißig Fahrgäste in den Tod geschickt hat, tut der “Gerechtigkeit Gottes” und seiner “Liebe zu den Menschen” keinen Abbruch. Diese Gottesbild-Bastelei macht jedes Gespräch über den christlichen Kirchengott sinnlos. […]

 

Wahr ist auch, dass die christliche Kirche eine Ewigkeit regiert hat und Könige und Untertanen nach ihrer Pfeife tanzen ließ. Und? Ist irgend etwas besser geworden? Zog Wohlstand in Europa ein? Genossen die Menschen die Möglichkeit, sich frei zu äußern? Gab es Frieden in den Hütten? Wurden die Güter gerechter verteilt, Schwarz und Weiß, Frau und Mann gleicher? Hat “die göttliche Liebe, die reinigende und erleuchtende Kraft des christlichen Glaubens, die christliche Tugend und Demut” (M. Grabmann, 1926), die Judenverfolgung und die Zwangsmissionierung verhindert? Die Inquisition und die Hexenprozesse, die Religionskriege und die Ausbeutung Lateinamerikas, den Missbrauch von Kindern und die Vatikanbank? Nichts dergleichen. Das Ergebnis könnte schlimmer nicht sein: Eine unvorstellbare Orgie von Gewalt pflügt die christliche Hemisphäre tausend Jahre lang um und um: Kerker, Folter, Menschen als Brikett. Kriege lösen einander ab, die Reichen werden immer reicher und die Diskriminierung der Frauen strebt einsamen Höhepunkten entgegen. Und die deutschen Historiker und Publikationsorgane schweigen. Aus Pietät, wie es heisst. […]

 

Wir brauchen eine Vernunfts-Ethik für morgen. Denn die religiös fundierte Ethik von gestern hat keines der großen Probleme bisher gelöst. Gott sorgt sich nicht, dass das Leben aus dem Takt gerät. Er hütet nicht die Hungernden in Mali, kümmert sich nicht um die letzten Leoparden, hält nicht den Eisbären auf seinem Marsch in den Aussterbehimmel auf, hat keine Lösung für das babylonische Menschengewimmel, gibt keine Ratschläge für die sichere Lagerung des Atommülls. Gott zeigt kein Interesse an Auschwitz und Stalingrad, Tsunamis und Hiroshima, Boni und Schuldenbergen, Beschneidung und aktiver Sterbehilfe. Der Mensch muss selber denken, die Welt sich selber sorgen. […]

 

Kann man das verstehen, dass Gebildete immer noch an eine Kirchenlehre glauben, die behauptet, Gott habe nach der Erschaffung der Erde rund fünf Milliarden Jahre gewartet, um die Menschen zu erlösen? Nicht die Ägypter und Neanderthaler werden erlöst, nicht die Griechen und Römer, nein, nur die Christen! Aber auch nur dann, wenn sie dem im 4. Jahrhundert dogmatisierten Dreifachgott huldigen. Die anderen kommen in die Hölle, sie haben zu früh gelebt! Kann man das verstehen, dass eine solche Kirche, die Gott unterstellt, er werde Milliarden um Milliarden Menschen in ein ewiges Höllenfeuer schicken, nur um auf heiligen Feuern ein fettes Kirchensüppchen zu kochen, immer noch zum Leitbild der Moral gemacht wird? Nein, verstehen kann man das nicht.“

 

http://hpd.de/node/18895?page=0,0

Der Psychologe und Tierrechtler Dr. Colin Goldner ist Mitglied der Gesellschaft für Primatologie und koordiniert seit 2011 das Great Ape Project

04.06.2014

 

Lesenswert: Peter Carstens interviewt Dr. Colin Goldner

 

"Inakzeptable Verhältnisse"

 

Große Menschenaffen sind die Attraktion von 38 deutschen Zoos. Der Psychologe und Tierrechtler Colin Goldner hat sie besucht - und war entsetzt. Er will nicht nur bessere Haltungsbedingungen für die Tiere. Sondern Grundrechte

 

Textauszug:

 

„… Sie gehen über die Kritik an Haltungsbedingungen hinaus und fordern im Rahmen des Great Ape Project Grundrechte für Große Menschenaffen ...

 

Die Forderung nach elementarer Gleichstellung der Menschenaffen setzt einen Entwicklungsverlauf fort, der allgemein in der Menschheitsgeschichte erkennbar ist: Anfangs bezogen sich ethische Empfindungen fast ausschließlich auf die eigene Sippe, danach auf gesellschaftliche Teilgruppen, später auf die Mitglieder einer Gesellschaft, schließlich mit der UN-Menschenrechtserklärung auf alle Menschen. Warum sollten wir hier haltmachen und die Interessen leidens- und freudefähiger Primaten ignorieren, bloß weil sie keine Menschen sind? Der historische Moment ist gekommen, um nach Nationalismus, Rassismus und Sexismus auch die Schranke des "Speziesismus" zu überwinden, der die Diskriminierung von Lebewesen nur aufgrund ihrer Artzugehörigkeit rechtfertigt.

 

Affen wissen nichts von Persönlichkeitsrechten, und man wird ihnen das Konzept auch nicht verständlich machen können ...

 

Wie im Falle "unmündiger" Menschen, also Kleinkindern, fortgeschritten Demenzkranken und so weiter, die nicht für sich selbst sprechen und ihre Rechte nicht selbst formulieren können, sollten Rechtsansprüche von Menschenaffen durch menschliche Sachwalter vertreten - und gegebenenfalls auch eingeklagt - werden können. …“

http://www.geo.de/GEO/natur/tierwelt/tierrechte-inakzeptable-verhaeltnisse-77903.html

29.05.2014

 

Buchtipp von Christian Ortner: “Wie werde ich Jude? Und wenn ja, warum?”

 

Textauszug:

 

Gemessen daran, dass es manchmal nicht ganz unkompliziert ist, außerhalb Israels Jude zu sein, bemühen sich derzeit verblüffend viele Menschen, Juden zu werden […]

 

Am erfolgreichen Missionieren der Juden kann es jedenfalls nicht liegen: Das Judentum ist eine der wenigen Religionen, die nicht nur nicht missionieren, sondern Beitrittswillige tendenziell nicht gerade ermutigen. Das hat auch der Deutsche Eliyah Havemann erfahren müssen, der vor einigen Jahren zum Judentum konvertiert ist, seither in Israel lebt und darüber ein recht intelligentes Buch verfasst hat: “Wie werde ich Jude? Und wenn ja, warum?” […]

 

Gekonnt balanciert Havemann in seiner recht detaillierten Beschreibung die Unterschiede zwischen einem jüdischen und einem nichtjüdischen Leben zwischen deutlich spürbarem Respekt für seine neue Religion und einer fröhlichen Ironie, die er für manche eher ungewöhnlich anmutende Regeln des Judentums übrig hat – wie etwa, dass Frauen in der Öffentlichkeit zwar singen dürfen, aber nur, wenn sie dabei ein Mikrofon benutzen. “Mindestens in der modern-orthodoxen Welt ist es aber nicht so, dass eine singende Frau mit Steinen beworfen wird”, amüsiert er sich, “auf meiner Hochzeit hat die Mutter meiner Frau, die nicht religiös ist, auf der Bühne gesungen. Der Rabbiner, der uns verheiratet hatte, blieb sitzen und hörte sich das an. Aber ein paar andere religiöse Gäste sind rausgegangen.”

 

Systematisch beschreibt Havemann – von Wohnung, Familie und Essen über Urlaub, Musik und Filme bis hin zu Feminismus, Dating und Sexualleben sowie “Klamotten und Styling” -, wie sich das Leben eines Menschen verändert, der Jude wird. […]

http://www.ortneronline.at/?p=28931

Ein Interview mit dem Autor:

 

»Mit dem Judentum habe ich meine mir fehlenden Wurzeln gefunden«

Eliyah Havemann über seinen Übertritt zum Judentum und sein Buch »Wie werde ich Jude?«

 

ist hier zu lesen:

http://www.randomhouse.de/Eliyah_Havemann_im_Interview_zu_Wie_werde_ich_Jude/aid52538.rhd?aid=52538

Martha Heizer ist die österreichische Vorsitzende von "Wir sind Kirche". Die internationale Bewegung wurde 1996 in Österreich gegründet nach dem Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche

23.05.2014

 

Es gibt sie noch, die Exkommunikation!

 

Zitat: "Stichwort: Exkommunikation 22. Mai 2014, 12:19

 

Betroffene werden nicht aus der Kirche ausgeschlossen, verlieren aber alle kirchlichen Rechte

 

Wien - Die Exkommunikation ist der einstweilige Ausschluss eines Gläubigen aus der katholischen Kirche. Er darf keine kirchlichen Ämter ausüben und auch keine Sakramente empfangen. Gründe für eine Exkommunikation sind etwa der Bruch des Beichtgeheimnisses oder die Vornahme von Abtreibungen. Im Fall der "Wir sind Kirche"-Vorsitzenden Martha Heizer waren Messfeiern ohne Priester im privaten Kreis Auslöser.

 

Ein Exkommunizierter ist zwar nicht aus der Kirche ausgeschlossen, weil die Taufe nicht zurückgenommen werden kann, er verliert aber sämtliche kirchlichen Rechte wie das zur Übernahme von kirchlichen Ämtern, zur Teilnahme an den Sakramenten und das Recht auf kirchliche Bestattung. Nur das Anhören der Verkündigung im Gottesdienst ist erlaubt.

 

Die Exkommunikation, auch Kirchenbann genannt, tritt nach dem Vergehen automatisch ein. In schweren Fällen wird sie vom Papst oder Bischof öffentlich ausgesprochen. Aufgehoben werden kann sie durch die Vergebung in der Beichte oder durch Widerruf vor Zeugen. Daran ist zu erkennen, dass die Exkommunikation in erster Linie eine Strafe zur Besserung und keine endgültige Trennung sein soll. (APA, 22.05.2014) "

 

Quelle:

http://derstandard.at/2000001455779/Stichwort-Exkommunikation?ref=rss

Anlass für diesen Artikel bei derstandard.at war der „Fall“, über den hier berichtet wird:

 

Papst exkommuniziert Chefin von "Wir sind Kirche"

 

Martha Heizer ist eine der prägenden Figuren der katholischen Reformbewegung. Jetzt wurde die 67-Jährige mit der strengsten Strafe belegt, die von der katholischen Kirche verhängt werden kann.

 

Textauszug: „Die Exkommunikation widerspricht dem öffentlichen Bild vom dialogfreudigen, barmherzigen Papst Franziskus. Am Ende aber gab das Kirchenrecht offenbar den Ausschlag. Laiengottesdienste berühren einen Grundsatz der katholischen Kirche, die Unterscheidung von Laien und Klerikern.

 

Die "Wir sind Kirche"-Funktionärin Heizer macht sich für verschiedene Reformforderungen wie Frauenordination oder Abschaffung des Verhütungsverbotes stark. Als Radikale gilt sie nicht. Berühmt wurde sie 1995 als Mitinitiatorin des Kirchenvolks-Begehrens in Österreich, das eine Erneuerung der Kirche forderte und die katholische Reformbewegung der Laien weltweit prägte. […]

 

In Reformerkreisen wurde die Exkommunikation scharf kritisiert. Der Vorsitzende von "Wir sind Kirche" in Deutschland, Christian Weisner, sagte der "Welt": "Das vermeintliche schwere Vergehen, das Martha Heizer vorgeworfen wird, begehen täglich auf der Welt Hunderte von katholischen Gruppen. Es ist eine Folge des Priestermangels, dass Gläubige manchmal auch ohne geweihten Priester gemeinsam Gottesdienst feiern. Statt das zu bestrafen, sollte man diese Form des Laienengagements begrüßen und sich darüber freuen."

 

Heizer selbst teilte in einer Stellungnahme auf der Website ihres Vereins mit, sie sei "geschockt" von der Entscheidung. "Es entsetzt uns ungemein, dass wir uns in der gleichen Kategorie wie priesterliche Missbrauchstäter wieder finden. Besonders erbittert es uns, dass wir von keinem einzigen Missbrauchstäter wissen, der exkommuniziert worden wäre. Es wird also mit unterschiedlichem Maß gemessen."

 

Quelle:

http://www.welt.de/kultur/article128293704/Papst-exkommuniziert-Chefin-von-Wir-sind-Kirche.html

Hans-Peter Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreises, ist tot. Er sei am Sonntag in München im Alter von 84 Jahren gestorben, teilte am Montag die Right Livelihood Award Foundation mit

20.05.2014

 

Anlässlich des Todes von Hans-Peter Dürr hat Konstantin Wecker auf facebook eine Statusmeldung geschrieben, deren Text ich hier vollständig wiedergebe, da nicht alle Leser auf die Quelle zugreifen können:

 

Liebe Freunde,

 

es ist unendlich traurig, dass mein verehrter und geliebter Freund Hans-Peter Dürr gestorben ist.
Hans- Peter, der Weise, der Mystiker, der Tänzer.

Er liebte es zu tanzen, privat und als Wissenschaftler zwischen den Welten. Zu tanzen und Brücken zu bauen.

 

Nie habe ich ihn so fröhlich und ausgelassen gesehen wie beim Tanz mit seiner großartigen Frau Sue.
„Für mich als Naturwissenschaftler bedeutet Versöhnung, dass wir nicht auf das Spirituelle verzichten können. Das Spirituelle kommt ohne das naturwissenschaftliche Denken aus, aber nicht umgekehrt. Das heißt, das Spirituelle ist sozusagen das größere Holon, indem die Naturwissenschaft eine Art Unterholon ist. Die Naturwissenschaft hat das Ohr der Welt, weil sie angesehen wird als etwas, was Macht gibt – und deshalb werden Naturwissenschaftler anerkannt. Aber die Naturwissenschaft, wenn sie eine Verbindung zur Religion findet, könnte auch die Tendenz zur Weisheit verstärken und nicht nur zur Macht. Wissen ist für mich nicht nur ein Mittel zur Macht, sondern auch zur Einsicht und zur Weisheit. Wir müssen unbedingt die spirituelle Komponente wieder in diese Welt bringen, sonst gehen wir einem unendlichen Leid entgegen. Ich fühle mich verantwortlich. Daher auch die Frage, inwieweit Religion ebenfalls eine neue Verantwortung in der Welt übernehmen muss, wenn es darum geht, etwas tun zu wollen“.

 

Als Albert Schweitzer im Jahr 1954 den Friedensnobelpreis im Alter von 79 Jahren in Empfang nahm, studierte der 25 Jahre junge Hans-Peter Dürr aus Stuttgart an der Elite-Universität Berkeley/Kalifornien und promovierte 1956 als Physiker bei dem legendären „Vater der Wasserstoffbombe“ Edward Teller. Im Jahr 1995 nahm der Friedensaktivist Hans-Peter Dürr mit seinen Kollegen und Freunden von „Pugwash“ in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen.

 

Professor Dürr wurde eine führende Kapazität im Bereich der Quantenphysik. Er war farbenblind und sah von Kindheit an nur auf dem rechten Auge. „Mein Weg zum Dritten Auge führt zunächst über das zweite Auge, das ich gar nicht nutzen kann“, sagte er oft lächelnd, in Anspielung auf angeblich Sehende, die das Wesentliche zu erkennen glauben.

 

Mit einer Delegation der „Kultur des Friedens“ reiste dieser liebenswerte Mensch noch im Dezember nach Athen, auch um Mikis Theodorakis zu treffen.

Es tut mir so leid, dass ich damals aus Zeitgründen nicht mit konnte. Im Nachhinein denke ich, ich hätte alles andere absagen sollen.

Wenn er lachte , ging mir das Herz auf. Er nahm sich immer wieder die Zeit, mir, dem Laien die Quantenphysik etwas näher zu bringen.

Er gehörte zu den wenigen Wissenschaftlern die kein Geheimnis um ihr Wissen machen wollten, sondern verstanden werden wollten.

Er wird der Friedensbewegung fehlen und all jenen, die über den Tellerrand der Wissenschaft hinauszuschauen wagen. Ich durfte unvergessliche Stunden mit ihm verbringen. Es ist nicht allzulang her, dass wir zusammen mit seiner Frau Sue einen Abend lang gegessen, getrunken und gelacht haben. Hans-Peter war so ausgelassen und fröhlich. Wir sprachen über Politik und Philosophie und er hatte so viel zu sagen und sagte es wie immer so bescheiden.

 

Hans-Peter hat sich bis zu seinem Tod das Staunen bewahrt, das Geheimnis großer Geister.

 

Mein lieber Freund, es tut unendlich weh, nun diese gefährlichen Zeiten ohne deinen Rat durchwandern zu müssen. Ich war so stolz als du mir sagtest, du würdest gerne vor dem Einschlafen einige meiner Lieder hören.

 

Du fehlst. Nicht nur deinen Lieben und mir.

 

Du fehlst all jenen, denen die Ratio viel, aber eben nicht alles bedeutet. All jenen, die wie du daran glauben, dass die Liebe - wie du eines deiner Bücher genannt hast -die „Urquelle des Kosmos“ ist.

 

Du fehlst allen, die guten Willens sind.


Deine Ideen bleiben und haben sich für immer in das Gedächtnis der Welt gegraben.

 

In tiefer Trauer

dein

Konstantin

 

(Dank für die Zitate an Hans Peter Dürrs Freund und Mitarbeiter, dem Etymosophen Roland Ropers)

 

Quelle:

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=866388043378562&id=111564412194266

Kinderrechte: Erinnerung an das Kölner Urteil [Original und Quelle (- klick) ins Bild]

Der Humanistische Pressedienst ruft in Erinnerung, was nicht vergessen werden darf – denn es ist noch nicht „erledigt“: „Cut the bullshit – not the foreskin”

 

13.05.2014

 

Erinnerung an das "Kölner Urteil"

 

KÖLN. (hpd) Am 7. Mai 2014 jährte sich das “Kölner Urteil”, das 2012 Jungen erstmalig explizit das Recht auf genitale Selbstbestimmung zugesprochen hatte, indem es die Beschneidung eines muslimischen Jungen als nicht zulässige Körperverletzung eingestuft hatte, zum zweiten Mal.

 

Textauszüge:

 

„Als “Worldwide Day Of Genital Autonomy” ist dieses Ereignis inzwischen weltweit zu einem Symbol für die Selbstbestimmungsrechte des Kindes unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Tradition geworden.

 

Anlässlich des Jahrestages fand in Köln eine Demonstration mit zwei Kundgebungen statt, deren formulierte Kernforderung im Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuellen Integrität bestand.

 

Zu dieser Veranstaltung hatten weltweit insgesamt 26 Organisationen aufgerufen – neben Vereinen aus mehreren europäischen Ländern waren auch Organisationen aus den USA, Kanada und Australien auf der Liste der UnterstützerInnen zu finden. […]

 

Als nächster sprach Mohamed Louizi aus der Sicht eines muslimischen Betroffenen. Der Franzose marokkanischer Herkunft war extra für diesen Tag nach Köln gereist. Louizi war im Alter von vier Jahren selbst aus religiösen Motiven beschnitten worden. Der 7. Mai 2012 sei für ihn das “erste Kapitel eines demokratischen Versprechens”. Die Behauptung, Beschneidung sei im Islam ein unumstößliches religiöses Gebot, stellte er nachdrücklich infrage. Die Worte des Propheten Mohammed selbst seien durch nachträgliche mündliche Überlieferungen (Hadithe, Sunna) “beschnitten und verwässert” worden. Das Grundprinzip von Gewalttaten zur Unterwerfung und lebenslanger Bindung an die Gruppe widerspreche der eigentlichen Intention des Islam, nämlich in Frieden mit sich selbst und den Menschen zu leben.[…]

 

Christa Müller, Gründerin und Vorsitzende des Vereins (I)NTACT – Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen e.V. stellte fest, dass in denjenigen afrikanischen Ländern, in denen Mädchen beschnitten werden, auch die Jungenbeschneidung praktiziert und anlässlich dieser Riten große Feste für Kinder beider Geschlechter gefeiert werden. Ebenso wie die Mädchen oft nach diesem Eingriff sterben, sterben auch die Jungen: an Blutvergiftung, Verbluten oder Wundstarrkrampf. Das Kölner Urteil habe in Deutschland endlich darauf aufmerksam gemacht, dass auch hier unnötige operative Eingriffe mit negativen Folgen an Kindern vorgenommen werden. […]

 

Der Historiker Jérôme Segal, der bereits 2012 in österreichischen und französischen Medien zum Thema Beschneidung Stellung nahm, nannte das “Kölner Urteil” einen Meilenstein und ein “Symbol der Vernunft”. Es sei einfach, aber wichtig zu verstehen, dass Erwachsene an den Genitalien von Kindern nichts zu suchen haben. Dem Argument dass die Tora den Ritus vorschriebe, setzte er entgegen, dass das Judentum bereits einige Stellen in der Tora abgelehnt hat – so beispielsweise die Steinigung bei Ehebruch. Vor allem in Israel und den USA habe auch unter vielen praktizierenden Juden bereits ein Umdenken stattgefunden – durch das Ritual einer Brit Shalom anstelle der Brit Mila, bei der man Neugeborene in der Gemeinde ohne Verstümmelung willkommen heißt. Man könne, so Segal, durchaus Jude sein, ohne Beschneidung; für ihn habe seine jüdische Identität etwas mit Werten zu tun. Er schloss seine Rede mit den Worten von Immanuel Kant - “Sapere Aude” die er auf den Moment übertrug mit der Aufforderung: “Habe Mut, dich gegen die Zwangsbeschneidung zu engagieren!”[…]

 

Bereits vor dem Kölner Urteil gab es Netzwerke von negativ Betroffenen und KinderrechtlerInnen, die dann im Mai 2012 aktiviert wurden. Bahls beschrieb das “Kölner Urteil” als eine Initialzündung, mit der endlich auch in Deutschland einmal eine positive Entwicklung ihren Ausgang nehme - nämlich die Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung von Jungen bei der Beschneidung als eine Menschenrechtsverletzung zu erkennen. […/Fettung von mir]“

Bitte lesen Sie den ganzen Artikel unter: http://hpd.de/node/18545?page=0,0

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Mal wieder: Die Theodizee-Frage

 

10.05.2014

 

Jeden Freitag veröffentlicht der hpd einen Artikel zu einem Film oder einer Serie, die mit einem “humanistischen Auge” gesehen werden. Der Philosoph Edgar Dahl konfrontiert anhand des Films “Creation” das Theodizee-Problem mit der Evolutionstheorie.

 

Darwin und das Leid

 

Der Film ist Ausgangspunkt für lesenswerte Gedanken zur Theodizee-Frage, - indem das Leiden der Tiere in die Überlegungen einbezogen wird, sind so manche Antwortversuche nicht mehr haltbar:

 

Textauszüge:

 

„In seiner erst posthum erschienenen Autobiographie schrieb Darwin denn auch: “Dass es viel Leid auf Erden gibt, bestreitet keiner. Man hat das – soweit es den Menschen betrifft – damit zu erklären versucht, dass es seiner sittlichen Besserung diene. Aber die Zahl der Menschen ist wie nichts im Vergleich mit der aller anderen fühlenden Wesen. Diese leiden oft erheblich ohne die Möglichkeit einer sittlichen Besserung. Ein Wesen, das so mächtig und kenntnisreich ist wie ein Gott, der das Universum erschaffen konnte, erscheint unserem begrenzten Geist allmächtig und allwissend, und es beleidigt unser Verständnis, dass sein Wohlwollen nicht unbegrenzt sein soll, denn was für einen Vorteil könnte das Leiden von Millionen niederer Tiere durch fast endlose Zeiten hindurch haben?”

 

Um sich ein Bild vom Leiden der Tiere zu machen, lohnt es, einen Absatz aus dem Werk eines zeitgenössischen Evolutionsbiologen zu zitieren. In seinem Buch “Und es entsprang ein Fluss in Eden” schreibt Richard Dawkins: “Das Leiden hat in der Natur jedes Jahr ein Ausmaß, das alle erträglichen Vorstellungen übersteigt. In der Minute, in der ich diesen Satz niederschreibe, werden Tausende von Tieren bei lebendigem Leibe gefressen; andere laufen bebend vor Angst um ihr Leben; wieder andere
werden langsam und von innen heraus durch gefräßige Parasiten zugrunde gerichtet. Tausende von Lebewesen aller Arten sterben an Hunger, Durst und Krankheiten.[…]

 

Von all den christlichen Apologeten, die sich mit dem Theodizee-Problem auseinandergesetzt haben, hat sich wohl niemand so sehr mit der Frage nach dem Leid der Tiere beschäftigt wie der irische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller C. S. Lewis. In seinem 1940 erschienenen Buch “Das Problem des Schmerzes” hat er den Tieren ein ganzes Kapitel gewidmet. Gleich im ersten Absatz stellte er die theologische Herausforderung durch das Leiden der Tiere in aller Fairness dar: “Die ganze Zeit aber dringt eine Klage von unverschuldetem Weh durch die Wolken, weil die christliche Deutung des menschlichen Schmerzes nicht auf den Schmerz der Tiere ausgedehnt werden kann. Soweit wir wissen, sind Tiere weder der Sünde noch der Tugend fähig; und also leiden sie weder zu Recht, noch können sie durch Leid gebessert werden.” […]

 

Obgleich sich Lewis davor scheut, die Erbsünde ins Spiel zu bringen, nimmt er seine Zuflucht dann aber letztlich doch bei “Satan” und der “Macht der Finsternis”: “Gibt es, wie ich glaube, eine solche Macht, dann ist es durchaus möglich, dass sie die Schöpfungsordnung der Tiere schon vor dem Auftreten des Menschen verdorben hat.”

 

Gewiss ist dies möglich! Doch philosophisch ist es eine reine ad hoc Annahme. Hier wird einfach an die “Macht der Finsternis” appelliert, ohne auch nur den geringsten Versuch zu unternehmen, deren Existenz zuallererst zu begründen. Noch wird die Frage angesprochen, weshalb der Schöpfer einem übelwollenden Teufel eigentlich Macht über seine Kreaturen einräumen sollte. […]

 

Und noch einmal zu Darwin: „In einem Brief an seinen Freund Asa Gray schrieb er einmal: “Ich kann mich nicht zu der Ansicht überreden, dass ein wohlmeinender und allmächtiger Gott die Ichneumonidae ausgerechnet mit der Absicht geschaffen haben soll, dass sie sich im lebenden Körper von Raupen ernähren.” Die Ichneumonidae sind eine Klasse parasitärer Wespen. Mit einem gezielten Stich lähmen sie die motorischen, nicht aber die sensorischen Nerven einer Raupe, um dann ihre Eier darin abzulegen. Wenn die Larven schlüpfen, fressen sie sich ihren Weg durch den lebenden Körper ihres Wirts.

 

Wir wissen nicht, ob Raupen Schmerz empfinden können. Doch ich glaube der Grund, weshalb Darwin das Beispiel der Ichneumoniden gewählt hatte, bestand auch nicht darin, zu zeigen, wie sehr Tiere leiden, sondern darin, welche Rückschlüsse wir auf den Charakter des Schöpfers ziehen müssten, wenn wir in der Natur ein Werk Gottes erblicken wollten: Was sagt die Schöpfung von Parasiten, die ihren Wirt von innen auffressen, über den Schöpfer aus?

 

Die Theologen können sich daher also auch drehen und wenden, wie sie wollen, eine Natur mit Viren, Bakterien und Parasiten, die nicht nur über Menschen, sondern auch über Tiere herfallen, lässt sich einfach nicht mit dem Glauben an einen fürsorgenden und barmherzigen Gott vereinbaren. Das bedeutet wohlgemerkt nicht, dass der Darwinismus den Theismus widerlegt hätte. Keineswegs! Es ist nach wie vor möglich, an einen Schöpfer zu glauben. Doch von diesem Schöpfer ließe sich vieles sagen – dass er gleichgültig, launisch, erbarmungslos, grausam oder gar zynisch sei –, nur eines mit Sicherheit nicht: dass er gütig sei! [Fettung von mir] 

Quelle: http://hpd.de/node/18532

06.05.2014

 

Jetzt mache doch noch eine Kurznachricht aus diesem Artikel:

 

Felix Honekamp schreibt zwar selber, dass seine Rezension recht spät kommt, aber überholt ist sie meiner Ansicht nach deshalb nicht – im Gegenteil rückt sie vielleicht vorhergehende Rezensionen in ein anderes Licht:

 

„Deutschland von Sinnen“ – besser spät als nie eine Einschätzung

 

In konservativen Kreisen, auch unter Libertären und Christen, wird Akif Pirinçcis Buch „Deutschland von Sinnen - Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ aktuell hoch gehandelt.

 

Textauszüge:

 

„Endlich mal einer, der sagt was er denkt, der den Gender- und Sozialingenieuren mit ihrem pseudointellektuellen Argumentationen den Spiegel des gesunden Menschenverstands vor die Nase hält. Und ich gebe zu, auch ich freue mich diebisch, wenn ich die schnappatmenden Reaktionen in deutschen Feuilleton-Redaktionen sehe, die sich krampfhaft bemühen, die Contenance zu wahren und ihre Leserschaft, die den Worten Pirinçcis teilweise begeistert zujubelt, in die Schranken zu weisen. […]

 

Pirinçci dagegen ist ein Meister des – ich bitte die Wortwahl zu entschuldigen, wer sich an ihr stört, wird aber mit dem hier besprochenen Buch sicher nicht glücklich – „Auf die Kacke hauen“. Politische Korrektheit schert ihn nicht, derbe Wortwahl ist bei ihm Stilmittel, seinen Punkt zu machen. Das eine oder andere mal hätte man den Eindruck, dass es den jeweiligen Kraftausdruck nicht gebraucht hätte, aber das ganze Buch ist ein Wutgegrüll – da ist kein Platz für feine Differenzierungen.

 

Und so schlägt er los, wie der Titel richtig verspricht, gegen … nein, nicht gegen Frauen, sondern gegen das, was heute unter Emanzipation verstanden wird, gegen … nein, nicht gegen Homosexuelle, auch wenn ihm das vorgeworfen wird, sondern gegen die Idealisierung eines Lebensstils, der für sich als Minderheit Sonderrechte beansprucht, legitimiert alleine aus dieser Minderheitenrolle heraus, und gegen … nein, nicht gegen Zuwanderer, seine Eltern waren selbst welche, sondern gegen den Hype der in Deutschland um jeden gemacht wird, der, ob benötigt oder nicht, ob politisch verfolgt oder nicht, in unser Land will. […]

 

Denn Pirinçcis Idealgesellschaft ist in aller erster Linie mal säkular. Dass er gegen Frauen in Kopftüchern und bärtige Muslime wettert, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pirinçci Religion an sich als ein überholtes, nicht gesellschaftskonformes Modell bewertet. Das Christentum wird von ihm, da hier historisch gewachsen, toleriert. Eine innere Verbundenheit liegt dem aber nicht zugrunde. Pirinçcis Welt ist eine Welt des Hedonismus, eine Welt ohne wirkliche Transzendenz, eine Welt deren Werte aus demokratischen Mehrheiten erwachsen korrigiert um das, was Pirinçci eben für vernünftig hält. Das alles ist nicht direkt antichristlich, es ist aber auch kein Grund, sich als Christ hinter dieses Buch zu stellen. Christen und die Botschaft des Buches eint die Kritik an Genderideologien, an der politischen Bevorzugung des Islam und ein paar weiteren übereinstimmenden Punkten, das aber ist zu wenig um es für ein christliches Buch zu halten. Und noch mal in aller Klarheit: Ich nehme auch nicht an, dass Pirinçci sein Buch als solches verstanden wissen will. […]“

 

Die vollständige Rezension und im Anschluss auch einige Kommentare hier:

http://www.freiewelt.net/deutschland-von-sinnen-besser-spat-als-nie-eine-einschatzung-10030941/

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe des besprochenen Buches hier:

http://www.manuscriptum.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/Leseprobe-Akif_Pirincci-Deutschland_von_Sinnen.pdf

Dr. Michael Schmidt-Salomon und Prof. Dr. Armin Kreiner (v.l.) (Foto: Exzellenzcluster "Religion und Politik"/Brigitte Heeke)

01.05.2014

 

Kurzer Artikel, den frau/man sich gönnen sollte:

 

Schmidt-Salomon ist "kein Chef-Atheist"

 

MÜNSTER. (hpd/exc) Der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Dr. Michael Schmidt-Salomon, will in den Medien nicht als “Chef-Atheist” auftreten. Auch sei er kein “militanter Atheist”, wie ihm oft vorgeworfen werde, sagte er am Dienstagabend in Münster.

 

Textauszug: „Der Münchner Fundamentaltheologe Prof. Dr. Armin Kreiner warnte vor “allzu gewissen Antworten auf die Frage nach der Existenz Gottes”. Die Welt sei sowohl naturalistisch als auch religiös interpretierbar. “Bevor man darüber diskutieren kann, ob Gott existiert, sollte man sich verständigen, was mit dem Gottesbegriff gemeint ist.” Der Forscher fügte hinzu: “Die Antwort auf die Frage, ob es Atome gibt, hängt ja ebenfalls davon ab, was man darunter versteht.” Was heute als Atom verstanden werde, sei keinesfalls das, was es für antike Atomisten gewesen sei, “nämlich ewig, unzerstörbar und unteilbar. Zumindest teilweise scheint es sich mit dem Gottesbegriff ähnlich zu verhalten. […]

Schmidt-Salomon fügte hinzu, kein “neuer Atheist” habe je bestritten, dass es einen “unvorstellbaren Gott” geben könne. Er kritisiere allein den Glauben an einen “vorgestellten Gott”, dem Menschen Eigenschaften zuschrieben, “die entweder mit unseren Erfahrungen und Erkenntnissen kollidieren, wie der Evolutionsbiologie, oder die ethisch problematische Konsequenzen nach sich ziehen”. Als Beispiel dafür nannte Schmidt-Salomon die “in den Heiligen Schriften dokumentierte Homophobie des abrahamitischen Gottes”. Er fügte hinzu, mit den Begriffen “Theismus” und “Atheismus” lasse sich kaum arbeiten, da sie viel zu grob seien. “Atheismus” sei auch deshalb problematisch, weil sich ein Sachverhalt nur bestreiten lasse, wenn er klar definiert sei – “was jedoch bei der Frage nach der Existenz Gottes nicht der Fall ist.”

 

Die Differenzierung zwischen einem unvorstellbaren und einem vorgestellten Gott halte ich für ausgesprochen hilfreich – und jede ganz persönliche „Gottesvorstellung“ sollte so persönlich bleiben, dass sich Menschen vielleicht im gegenseitigen Vertrauen darüber austauschen, aber niemals deren „Übernahme“ fordern können!

 

Quelle:http://hpd.de/node/18469

Dem Team der ARD-Doku gelingt es, Menschen zu finden, die offen mit Ihnen über ihren Glauben und ihre Einstellung zur Sexualität sprechen

30.04.2014


TV-Kritik: Glaube Liebe Lust

 

Kirchenfunk mit Klischees

 

Die ARD greift ein spannendes Thema auf: die komplizierte Beziehung zwischen Sexualität und Religion – aber herausgekommen ist ein überlanges Wort zum Sonntag.

 

Textauszug: „Von „drängendem Verlangen, Ekstase und Erleuchtung“ raunt einer im Vorspann – alles falsche Versprechungen. Denn was folgt in diesem ersten von drei Teilen der ARD-Dokumentation „Glaube Liebe Lust“, ist ein überlanges Wort zum Sonntag. Dabei ist das Thema eigentlich spannend: Wie setzen sich Gläubige in den großen Weltreligionen mit deren Geboten zur Sexualität auseinander; lassen sich Bedürfnis und Bekenntnis miteinander vereinen, oder klafft da ein Abgrund zwischen Theorie und Praxis?


Die Autoren Hilka Sinning und Heinz Greuling haben dazu junge Leute in verschiedenen Ecken der Welt befragt, aber wenig mehr als die erwartbaren Antworten erhalten und bisweilen recht peinliche Kommentare bei ihrem Kirchenfunk mit Klischees abgesondert, etwa wenn vom jüdischen Paar Shira und Avihu gesagt wird, es brauche „körperliche Nähe“ – eine echte Überraschung, oder? […]

Dass Indien gerade in jüngerer Vergangenheit wegen häufiger Vergewaltigungen in die Schlagzeilen geriet, wird taktvoll verschwiegen – ein unverzeihliches Versäumnis. Dafür haben die Autoren am Ende noch einen Rat parat, der direkt aus der Sonntagspredigt stammen könnte: Junge Protestanten wie Elena müssten lernen, „verantwortungsvoll mit ihrer Freiheit umzugehen“. Das gilt übrigens auch für Filmemacher.“

 

Quelle: http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik--glaube-liebe-lust-kirchenfunk-mit-klischees,1473344,26981258.html

Focus-Online bestätigt in seinem Artikel über die ARD-Dokumentation „Glaube, Liebe, Lust":

„Neue, überraschende Einsichten in die Weltreligionen zeigt der erste Teil der Dokumentation aber nicht“, verspricht allerdings:

 

„Außergewöhnlichere Charaktere und Geschichten haben sich die Filmemacher im zweiten und dritten Teil ihrer Serie ausgesucht. Da wäre zum Beispiel der schiitische Moslem Saad, der sich seine außerehelichen Liebschaften absegnen lässt, indem er Zweitehen auf Zeit eingeht. Zudem geht es um ein streng gläubiges orthodoxes jüdisches Ehepaar mit sechs Kindern und um einen buddhistischen Mönch aus Thailand, der streng darauf bedacht sein muss, jede Berührung mit einer Frau zu vermeiden.

 

Der dritte Teil, der die verbotene Liebe zeigt, berichtet von Tabus, die die Protagonisten überschreiten. Der immer lächelnde Djuk aus Bangkok beispielsweise gibt einen besonders schrägen Charakter ab. Frauen sind seiner Meinung nach so perfekt, dass er sich nicht auf eine beschränken kann. Vor seiner Ehefrau versucht er seine Eskapaden geheim zu halten und bemüht sich durch Spenden im buddhistischen Tempel darum, den Schaden zu begrenzen. Schließlich werden Sünden nach buddhistischen Glauben bei der Wiedergeburt bestraft.“

http://www.focus.de/wissen/mensch/religion/ard-doku-ueber-erste-liebe-offene-gespraeche-ueber-liebe-und-lust_id_3806568.html

Sendetermine „Glaube Liebe Lust“:

  • erster Teil: „Erste Liebe“ in der ARD Mediathek;
  • zweiter Teil: „Erfüllte Liebe“, 5. Mai, 23.30 Uhr;
  • dritter Teil: „Verbotene Liebe“, 12. Mai, 23.30 Uhr.
Erde und Sonne: Geozentrisches Weltbild wurde schon im Mittelalter widerlegt

23.04.2014

 

Kaum zu glauben – aber es gibt auch heute noch die passenden Gläubigen zum Film:

 

Bizarrer Dokumentarfilm: Wenn sich die Sonne um die Erde dreht

 

Ist die Erde der göttlich bestimmte Fixpunkt des Universums? Ein Dokumentarfilm aus den USA befeuert die längst widerlegte Theorie. Hinter dem Film stecken dubiose Gestalten, Mitwirkende distanzieren sich schon vor dem Start.

 

Textauszug:

 

„Das sogenannte geozentrische Weltbild gibt es schon sehr lange. Spätestens Kopernikus, Kepler und Galilei widerlegten es zwar mit ihren heliozentrischen Beobachtungen. Doch bis heute gibt es unbelehrbare Geozentriker.

 

Einer ist der Mann hinter "The Principle" - der christlich-konservative US-Autor Robert Sungenis. In seinem schon etwas angestaubten Buch "Galileo Was Wrong, The Church Was Right" ("Galileo irrte, die Kirche hatte recht") versucht er, "der Bibel ihren verdienten Platz zu geben und zu zeigen, dass an der Wissenschaft nicht viel dran ist".

Sungenis gehört zu jenen Verschwörungstheoretikern, die unter anderem glauben, dass die Mondlandung 1969 gestellt worden sei, die 9/11-Anschläge aufs Konto staatlicher "Insider" gingen und die Fukushima-Atomkatastrophe 2011 die Folge einer israelischen Atombombe gewesen sei.

 Schlimmer noch: Er hat über seine einstige Organisation Catholic Apologetics International (CAI) antisemitische Tiraden verbreitet und behauptet, dass der Tod von sechs Millionen Juden im Holocaust unbewiesen sei. Das Southern Poverty Law Center, das US-Hassgruppen beobachtet, hat ihn im Visier. […]

 

Und nun widmet sich Sungenis den Mysterien des Universums. Klar, dass die Plausibilität auch da zu kurz kommen dürfte. Dabei wird gerade wieder intensiv über kosmologische Rätsel diskutiert. "Cosmos: A Spacetime Odyssey", eine vom populären Astrophysiker Neil deGrasse Tyson moderierte US-Dokuserie über die Entstehung des Lebens, sorgt weltweit für Aufsehen. In Deutschland läuft sie unter dem Titel "Unser Kosmos: Die Reise geht weiter" im National Geographic Channel.

 Auf diesen Zug wollte Sungenis mit "The Principle" wohl aufspringen. Dabei verbündet er sich mit den Kreationisten, die die Evolution ablehnen - auch das eine in den USA wieder ernstgenommene "Lehre", die etliche US-Bundesstaaten sogar zum Pflichtcurriculum an Schulen gemacht haben.

In den Vereinigten Staaten gelten solche Debatten keineswegs als abwegig. Einer Gallup-Umfrage zufolge sehen 46 Prozent der Amerikaner ihren Ursprung in göttlicher Schöpfung. 32 Prozent finden, dass Gott zumindest "die Hände im Spiel hatte". Nur 15 Prozent glauben an die Evolutionslehre."

 

Ganzer Artikel hier:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/film-the-principle-forscher-distanzieren-sich-vom-geozentrismus-a-965488.html

Dieses Bild zeigt eine der inneren Kammern. Die künstliche Grotte umfasst etwa 29 Kammern, die die Überreste von 7000 Menschen enthielten.

20.04.2014

 

Lust auf ein paar „andere“ Informationen, auch mal aus einer anderen Richtung?

 

Ostern - Fest der Morgenröte und Karfreitag

 

Ich habe hier einen interessanten Text gefunden, der ausgehend von etymologischen Überlegungen …

  

„… Das Wort Ostern geht auf die indoeuropäische Sprachwurzel aus- zurück, welche "scheinen, glänzen, leuchten" bedeutet. 

Daraus entwickelte sich das germanische *aust-, altengl. ēast , althochdeutsch ōstan, mit der Bedeutung "Osten", die Richtung des Sonnenaufgangs, also dort, wo das Leuchten der Sonne beginnt, das Morgenlicht.

Die Osterzeit ist folglich die 'Morgenröte des Jahres'. Das Licht, das zur Wintersonnenwende (der 'Mitternacht des Jahres') geboren wird, wenn die Tage wieder länger werden, erfährt seine Auferstehung im Frühling, wenn am 'Morgen des Jahres' die Natur zu neuem Leben erwacht. […]“

 

… u.a. zu der Frage kommt, was nun das Wort für einen "fest umschlossenen Hohlraum" mit der Kar-Zeit vor Ostern zu tun hat und dazu einen Blick in die Geschichte vor etwa 6000 Jahren richtet:

 

„… Das Hypogäum von Hal Saflieni auf Malta ist ein riesiges unterirdisches Gewölbe mit einer Menge eiförmiger Räume in unterschiedlicher Größe. Die Decken und manche Wände sind durchgängig in Rot bemalt. Vasen und andere Gegenstände in den ovalen Grabkammern zeigen rote Eier. Derartige in Fels gehauene historische Grabmale und Gräber in Ei-Form wurden überall in Alt-Europa gefunden. In vor-patriarchaler Zeit wurden die Toten typischerweise in Embryo-Haltung beerdigt, nicht nur in eiförmigen Erdgruben und Grotten, sondern auch in bauchigen Tongefäßen …“

 

Es fehlt auch nicht der Blick auf andere Kulte, Bräuche und Symbole sowie ein griechisches Osterbrot-Rezept ;-) bis hin zu dem Hinweis darauf, dass Mitte des 2. Jh. die Verschiedenheit der Feier Gegenstand des Streits (Osterstreit) zwischen den verschiedenen Kirchen wurde:

 

„Was hat die christliche Kirche daraus gemacht? 

Der Ursprung des Festes ist ja jüdisch und die judenchristlichen Gemeinden hielten sich an den 14. Nisan des jüdischen Kalenders, während die römischen Gemeinden davon ausgingen, dass vor allem die Jahresfeier der Auferstehung an einem Sonntag begangen werde, wobei sie zur Erinnerung an das Leiden und den Tod Jesu den vorhergehenden Freitag ausersahen und denselben kalendarisch so festlegten, dass er entweder mit dem 14. Nisan zusammenfiel oder demselben folgte.

Seit Mitte des 2. Jh. wurde diese Verschiedenheit der Feier Gegenstand des Streits (Osterstreit) zwischen den verschiedenen Kirchen, und das nicäische Konzil (325) entschied sich im wesentlichen für die römische Sitte, indem es die Feier des seitdem vorzugsweise der Auferstehung geltenden

Osterfestes auf den Sonntag nach dem 14. Nisan festsetzte. Wieder ein Beispiel, wie im Christentum die Feste "gemacht" werden.

Ein weiterer Anklang an das alte Wiedergeburts-Fest war die Grablegung eines "Gottes" in einer in den Fels gehauenen Höhle, der hinterher aus dem Grab genommen wurde, damit anschließend seine Auferstehung verkündet werden konnte. 

Einen solchen Brauch konstruierte die Kirche konkret im frühen Mittelalter, offensichtlich in der Hoffnung, ein wirkliches Wunder verkünden zu können. Dabei wurde ein kleiner, grabähnlicher Bau errichtet, in den eine geweihte Hostie gelegt wurde. Ein Priester bewachte "das Grab" von Karfreitag bis Ostersonntag. Dann wurde die Hostie herausgenommen, der Gemeinde gezeigt und die Auferstehung bekannt gegeben. [13]

Den christlichen Kirchenvätern haben wir auch zu verdanken, dass üblicherweise Kar- auf "klagen und trauern" zurückgeführt wird.

Ja, es gibt eine indoeuropäische Wurzel, gar-, die "schreien, lamentieren infolge von Trauer" bedeutet. Im Germanischen wurde daraus *karō, im Altenglischen cearu, und als Adjektiv *karagaz "traurig, betrübt". Aber klagen und trauern, wenn endlich der lange Winter stirbt und der Frühling neu geboren wird, das schaffen nur Christen. Und es hat nichts mit Auferstehung und Wiedergeburt und schon gar nichts mit rot gefärbten Eiern zu tun!“

 

Ganzer Artikel mit noch mehr interessanten Informationen hier:

http://matriarchat.info/uebergaenge/ostern-fest-der-morgenroete.html

Bild: © Reta Caspar [Original + Quelle: (- klick) ins Bild]

17.04.2014

 

Laizität statt religiöser Reaktionismus

 

So lautet der Titel eines kurzen Artikels von Reta Caspar auf der Seite 3 einer insgesamt interessanten Pdf der FVS, der Freidenker-Vereinigung der Schweiz.

 

Textauszug:

 

„…Katholiken und Reformierte versuchen unter dem Deckmantel der Wissenschaft, an den Universitäten, wo Forschungsfreiheit herrscht – was Freiheit zur Wahrheit und damit vor allem auch gegen religiöse und politische Ideologien bedeutet! – und wo es auch keine demokratische Kontrolle gibt, die Macht der Kirchen zu stärken. Sie bilden ein Heer von Theologen aus, die anschliessend in der Presse, in der Verwaltung, in der Politik und in verschiedensten politikberatenden Gremien entsprechende Kommentare und Empfehlungen abgeben.

 

Und diese verbreiten dann die Mär, dass wir im „postsäkularen Zeitalter” leben, was für sie gleichbedeutend ist mit dem „Wiedererstarken des Religiösen” und damit der Domäne der organisierten Religion, der Kirchen.

 

Die Wahrheit sieht anders aus. Die organisierte Religion verliert laufend: die Katholiken verloren angesichts ihrer Schande Tausende von Mitgliedern, den Reformierten laufen die Kirchenmitglieder ungebremst davon, die Evangelikalen stagnieren, die jüdische Gemeinde schrumpft und auch die in die Schweiz einwandernden Menschen aus muslimisch regierten Staaten haben mehrheitlich die Nase voll von organisierter Religion.

 

Da steht ein Religionsartikel in der Bundesverfassung doch ziemlich schräg in der Landschaft und kann nur als Teil des letzten Aufbäumens der Kirchen gesehen werden – als religiöser Reaktionismus.

 

Laizität, Zurückstufung der Religionsfreiheit auf die allgemeine Meinungsfreiheit und Vorrang der Kinderrechte gegenüber der Erziehungsgewalt der Eltern – das sind zukunftsweisende Forderungen.

 

Die FVS stellt sie.“

 

Reta Caspar

 

Insbesondere die klare Forderung: „Zurückstufung der Religionsfreiheit auf die allgemeine Meinungsfreiheit und Vorrang der Kinderrechte gegenüber der Erziehungsgewalt der Eltern“ kann gewiss auch von vernünftigen religiösen Menschen unterstützt und mitgetragen werden – oder nicht?

 

Ganzer Artikel hier:

http://www.frei-denken.ch/de/2008/02/ritualbegleitung-reta-caspar/

Karlheinz Deschner, 1924-2014

10.04.2014

 

Nachruf

 

Ein Juwel der Aufklärung

 

Karlheinz Deschner ist tot. Der “größte Kirchenkritiker aller Zeiten” (Dieter Birnbacher) starb am vergangenen Montag im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Haßfurt. Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.

 

Textauszug:

 

„… Welch befreiende Wirkung Deschners religions- und kulturkritische Schriften entfalteten, wird deutlich, wenn man einen Blick in die Abertausende von Leserbriefen wirft, die der Autor über die Jahre hinweg erhielt. Deschner hat – wie kaum ein anderer – ausgesprochen, was andere vielleicht ahnten, aber nicht zu formulieren wagten. Wer das mulmige, indifferente Gefühl hatte, dass da irgendetwas Grundlegendes nicht stimmt, an dieser Religion, diesem Staat, dieser Gesellschaft, dieser Kunst, der fand in Karlheinz Deschner einen, der es prägnant auf den Punkt brachte.

 

Als Deschner 1984 seinen 60. Geburtstag feierte, konnte er auf ein wahrhaft imposantes Werk zurückblicken – und doch sollte das Wesentliche erst noch kommen. 1986 brachte Rowohlt den ersten Band der “Kriminalgeschichte des Christentums” heraus. In einem Alter, in dem die meisten an den Ruhestand denken, begann Deschner mit der Niederschrift einer der größten Anklageschriften, die jemals verfasst wurden. Mehr als ein Vierteljahrhundert später war es dann tatsächlich vollbracht: In den 10 Bänden der “Kriminalgeschichte” mit ihren nahezu 6.000 Seiten und mehr als 100.000 Quellenbelegen hat Deschner eine Generalabrechnung mit der “Religion der Nächstenliebe” vorgelegt, die in der Weltliteratur ihresgleichen sucht. …“

Ganzer Artikel hier:    http://hpd.de/node/18330?page=0,0

Ich kann nur sagen: Ich hätte gerne viel früher von diesem Mann und seinen Büchern gewusst, gehört, gelesen ...

Der Publizist Prof. Dr.(mult) Adorján Ferenc Kovács, (* 1958 in Stolzenau) [Original + Quelle: (- klick) ins Bild]

01.04..2014


Professor Adorján F. Kovács berichtet in seinem Artikel der Internet – und Blogzeitung „Die Freie Welt“ über eine Tagung auf der es um die Entstehung des Islam und die Möglichkeiten der historisch-kritischen Methode in Untersuchungen zu dieser Thematik ging:

 

Was macht der Emir mit dem Kreuz? Eine Tagung zur Entstehung des Islam

 

Textauszüge: „…Vom 20. bis zum 23. März 2014 fand in einer idyllisch gelegenen Akademie kurz vor der luxemburgischen Grenze eine internationale Tagung von Theologen, Islamwissenschaftlern, Kunstgeschichtlern, Orientalisten, Linguisten, Arabisten, Semitisten, Hispanisten sowie spezialisierten Dilettanten zur Erforschung der Frühgeschichte des Islam statt. Die meisten gehören einem lockeren Verein von Wissenschaftlern an, der 2007 gegründet wurde und sich „Inârah. Institut zur Erforschung der frühen Islamgeschichte und des Koran“ nennt; neue Wissenschaftler aus anderen Bereichen stoßen jedoch weiter hinzu. Gemeinsam ist ihnen allen ein rein wissenschaftliches Anliegen, das zusammengefasst werden könnte als die Etablierung der historisch-kritischen Methode, also einer Methode der Aufklärung (arabisch „Inârah“), in den Islamwissenschaften.

 

Was, werden philologisch gebildete Leser und Leserinnen jetzt vielleicht fragen, ist daran neu? Diese Methode ist doch seit dem 18. Jahrhundert etabliert, seit ein französischer Gelehrter auf den jahrtausendelang bei den gläubigen (jüdischen wie christlichen) Bibelauslegern unbemerkten Widerspruch hinwies, wie denn Moses das 5. Buch Mose schreiben konnte, wenn doch am Ende dieses Buches von seinem Tod erzählt wird. Es muss also einen anderen Autor gegeben haben. Natürlich ist auch diese Methode nicht unumstritten (das ist keine einzige wissenschaftliche Methode), aber sie kann mit immer mehr eindrucksvollen Ergebnissen aufwarten, die diesen Namen wirklich verdienen – weil sie nämlich überprüfbar sind.

 

Nun ist es tatsächlich bis heute in der gesamten islamischen Welt so, dass alles, was die Tradition lehrt, was „überliefert“ ist, für bare Münze genommen und nicht hinterfragt wird, ja, nicht hinterfragt werden darf. […]“

 

Der Artikel endet mit dem Hinweis auf eine notwendige zukünftige Entwicklung:

 

„Die Zeit vor dem Islam hat nach offizieller islamischer Lesart eine „Zeit der dunklen Unwissenheit“ gewesen zu sein, von der man nichts wissen will bis hin zur Vernichtung von archäologischen Zeugnissen aus dieser Epoche. Aber wie das bei totalitären Ideologien so ist: Man will es nicht wahrhaben, aber die eigenen Wurzeln liegen in der Vergangenheit und man kann sie nicht kappen. Es wird auf lange Sicht dem Islam nicht erspart bleiben, sich von den überlieferten Geschichten zu seiner Entstehung zu trennen und das Faktum anzuerkennen, dass auch er nicht vom Himmel gefallen ist: Wie das Christentum aus einer Richtung des Judentums, so dürfte der Islam aus dem (arabischen) Christentum hervorgegangen sein. Was gläubige Moslems mit dieser Erkenntnis anfangen werden, ist nicht Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.“

 

Ganzer Artikel hier:

http://www.freiewelt.net/was-macht-der-emir-mit-dem-kreuz-eine-tagung-uber-die-entstehung-des-islam-10028650/

31.03.2014


Ergänzend zu dem Hinweis auf das Buch „Hoffnung Mensch“ von Schmidt-Salomon hier noch ein weiteres interessantes Interview mit dem Autor:


Bei Gläubigen ist die Angst vor dem Leben nach dem Tod meist grösser als die Freude darauf

 

Der deutsche Philosoph Michael Schmidt-Salomon über die Flucht in die Religion sowie Menschheitsprobleme, die dringend angegangen werden müssen.

 

Textauszug:

 

„Aus Ihrer Sicht hat der religiöse Fundamentalismus die überwundenen politischen Ideologiekämpfe als neue Konfliktbasis abgelöst.


Richtig, allerdings ist das zentrale Problem nicht der Gottesglaube an sich, schliesslich gab es auch schreckliche atheistische Gräueltaten. Entscheidend ist, ob Menschen einen kritisch-rationalen oder einen dogmatischen Zugang zur Welt haben. Wir müssen die Fähigkeit entwickeln, falsche Ideen sterben zu lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Das ist ein Grundthema meiner Philosophie.

 

Im Buch haben Sie Lösungsansätze für zehn konkrete Probleme formuliert. Welche muss man am dringendsten angehen?

 

Die absolute Armut. Es ist eine unfassbare Schande, dass noch immer Millionen von Kindern zu einem Leben verurteilt sind, das ihnen nur Not, Krankheit, Hunger und einen frühzeitigen Tod bringen wird. Allerdings sind die grundlegenden ökologischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Probleme der Menschheit hochgradig miteinander vernetzt, sodass wir sie nur gemeinsam angehen können.“

 

Ganzer Artikel hier:

 

http://www.migrosmagazin.ch/menschen/interview/artikel/angst-vor-dem-leben-nach-dem-tod

26.03.2014

 

Ausführliches und sehr informatives Interview mit Michael Schmidt-Salomon:

 

Der Glaube an die Menschheit

 

BERLIN. (hpd) Mit “Hoffnung Mensch” hat Michael Schmidt-Salomon seinen Zyklus über die Philosophie des evolutionären Humanismus abgeschlossen. Im Gespräch mit dem hpd erklärt er, warum er sich in dem “großen Finale” seiner Werkreihe zum “Glauben an die Menschheit” bekennt und weshalb er Bücher dieser Art nicht mehr schreiben wird.

 

Textauszüge: „…Beißt sich diese Betonung des “Glaubens an die Menschheit” nicht mit der Losung “Wissen statt glauben” der Giordano-Bruno-Stiftung?

 

Nein. Der Slogan “Wissen statt glauben” richtet sich gegen eine spezifische Form des Glaubens, nämlich das “Unbedingte-Für-Wahr-Halten-Wollen” von Aussagen – selbst, wenn diese längst widerlegt sind. Gläubige dieser Art sind an einer kritischen Prüfung ihrer Überzeugungen nicht interessiert, was fatale Konsequenzen hat.

 

Allerdings gibt es auch eine rationale Form des “Glaubens”: Da wir, wie Karl Popper zeigte, nichts mit absoluter Sicherheit wissen können, müssen gerade skeptische Rationalisten “glauben”, nämlich im Sinne von “vermuten”. Der Unterschied zwischen diesen beiden Grundformen besteht darin, dass der rationale Glaube notwendigerweise auf Belegen gründet, der irrationale Glaube jedoch alle Belege ignoriert, die im Widerspruch zu Glaubensdogmen stehen.

 

Unterschiedlich ist auch das Niveau der Selbstreflexion, denn Rationalisten wissen, dass sie etwas bloß glauben, während Irrationalisten bloß glauben, dass sie etwas wissen. Neben diesen beiden grundverschiedenen Varianten des “Glaubens” kennen wir allerdings noch eine dritte Verwendungsform des Wortes, nämlich “Glauben” im Sinne eines “hoffnungsvollen Vertrauens auf irgendetwas oder irgendjemanden”. Dieses “hoffnungsvolle Vertrauen” kann sowohl rational als auch irrational sein, je nachdem worauf es gerichtet ist. Hier müssen wir uns fragen: Gibt es Fakten, die eine Hoffnung stützen, oder beruht sie letztlich auf Illusionen, die einer kritischen Prüfung niemals standhalten würden? […]

 

Es sollte klar sein: Wären die Religionen nichts weiter als Unterdrückungsideologien, die ausschließlich Menschenverachtendes und Sinnloses enthielten, hätten sie sich in der Geschichte nicht so lange halten können. Auf diesen Punkt hat ja schon Franz Buggle in seinem Buch “Denn sie wissen nicht, was sie glauben” hingewiesen: Die große Stärke und zugleich die große Gefahr der Religionen besteht darin, dass sie Nächstenliebe mit Fernstenhass, Barmherzigkeit mit Grausamkeit, Zuckerbrot mit Peitsche verbinden. Unsere Aufgabe ist es daher, das Unsinnige und Lebensfeindliche, das sich in religiösen wie nichtreligiösen Traditionen ausgebildet hat, vom Sinnvollen und Lebensförderlichen zu trennen. Eben das meint der Begriff der “großen Konversion”, den ich im letzten Kapitel von “Hoffnung Mensch” erläutere. […]"

 

Ganzer Artikel hier:  http://hpd.de/node/18151?page=0,0

 

Wer sich noch weiter über das Buch selbst informieren möchte, findet das gesamte Inhaltsverzeichnis und das sehr interessante Vorwort hier:

 

http://www.hoffnung-mensch.de/p/buch.html

 

Textauszug: „…Die beste Medizin gegen die vorauseilende Resignation des Zynismus besteht darin, sich an jenen zu orientieren, die die besten Seiten der Menschheit zum Vorschein gebracht haben – und genau darum wird es im vorliegenden Text gehen: Thematisierte mein letztes Buch Keine Macht den Doofen die unerträgliche Penetranz menschlicher Dummheit in Geschichte und Gegenwart, handelt dieses von der heilenden Wirkung menschlicher Klugheit, von der Güte, dem Einfühlungsvermögen, der Kreativität, durch die sich unsere oft verkannte Spezies eben auch auszeichnet. Denn so seltsam es auch klingen mag: Von seiner Veranlagung her ist der Mensch das mitfühlendste, klügste, fantasiebegabteste, humorvollste Tier auf dem gesamten Planeten.

 

Die Natur hat uns ganz besondere Talente in die Wiege gelegt, auch wenn wir es bisher nur selten verstanden haben, diese Talente sinnvoll zu nutzen. Doch wenn dies geschah, kam es zu jenen wunderbaren Momenten, in denen die Natur sich gewissermaßen selbst überschritt. „Mutter Natur“ war dies freilich völlig schnuppe – uns aber sollte es keinesfalls egal sein: Immerhin hat die Evolution Jahrmilliarden gebraucht, um ein Wesen hervorzubringen, das in der Lage ist, den evolutionären Prozess zu durchschauen. Schon allein deshalb wäre es schade um uns, würden wir vorzeitig von der Bühne des Lebens abtreten. …“

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  • Ein Südlicht (Donnerstag, 01. Mai 2014 18:49)

    Ein eindrucksvoll und sehr beachtenswert zu nennender Artikel, die Gottesvorstellung betreffend, ist jedem von uns der eingehenden Betrachtung empfohlen. Selbst Fundis könnten davon profitieren.
    Gelle!!

26.03.2014

 

Jenseitshokuspokus „andersrum“ …

 

Eigentlich war es ja zunächst nur eine abstruse Meldung – Satanisten führen eine Zeremonie durch, die mit Wirkung im Jenseits aus der toten Mutter eines homophoben Kirchengründers eine Lesbe „im Geiste“ machen soll! … Zumindest sollen die Anhänger dieser Kirche das glauben bzw. sich wenigstens darüber ärgern:

 

„Die Idee für die Messe kam im April auf, als die Westboro Church ankündigte, gegen die Beerdigungen der Bostoner Bombenopfer protestieren zu wollen. Letztendlich protestierten sie dann doch nicht, erklärten aber, sie waren „im Geiste“ an einer solchen Demonstration beteiligt. Natürlich hat sich wieder jeder darüber aufgeregt—sowohl über die ursprünglichen Pläne als auch über die anschließende Erklärung —einschließlich der Satanisten.

 

Und so beschloss der Satanische Tempel, laut Pressemitteilung, dass eine gleichgeschlechtliche Trauungszeremonie „am Grab von Fred Phelps Mutter ein geeigneter Weg sei, um die Westboro-Baptisten „im Geiste“ zu treffen (und natürlich ordentlich zu ärgern). Und dieses Mal auf unsere Art und Weise.“

 

Jetzt ist Phelbs Mutter, Catherine Idalette Johnston, offiziell „im Geiste“ eine Lesbe—so wird sie zu einem weiteren Ziel der „Gott hasst alle Schwuchteln“-Proteste, die ihr Sohn mit der Kirche organisiert. Lucien erzählte mir: „Wir glauben, dass Fred Phelps glauben muss, dass seine Mutter im Jenseits nun homosexuell ist. Außerdem, wenn Überzeugungen unverletzliche Rechte sind, hat niemand das Recht, unser Recht darauf, zu glauben, dass seine Mutter jetzt homosexuell ist, anzufechten.“

 

Ganzer Artikel hier:

 

http://www.vice.com/de/read/satanisten-haben-eine-kirchenvertreterin-zur-lesbe-im-jenseits-verwandelt/?utm_source=vicefb

 

Eigentlich hatte ich diese Meldung lediglich als kleinen „Gag“ in der facebook-Gruppe

„Klartext“ (- klick) eingestellt, aber es entwickelten sich dann doch einige Überlegungen dazu, was Menschen so alles glauben können und zu welchen Ängsten und Folgen dieser Glaube führen kann. Wir wissen, dass wir sterben werden und müssen mit diesem Wissen leben – so oder so …

 

Schon Epikur formulierte dazu seine Gedanken: "So ist also der Tod, das schrecklichste der Übel, für uns ein Nichts: Solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Folglich betrifft er weder die Lebenden noch die Gestorbenen, denn wo jene sind, ist er nicht, und diese sind ja überhaupt nicht mehr da."

 

http://www.uni-hildesheim.de/~stegmann/epikur.htm

 

Das ist zumindest dann ein tröstlicher Gedanke, wenn man daran glaubt, dass Geist und Körper gleichzeitig sterben, bzw. dass "Geist" eine Funktion des Körpers/Gehirns ist - vor der Nicht-Existenz nach dem Tod müssen wir uns so wenig fürchten wie vor der Nicht-Existenz vor unserer Geburt.

 

Für diejenigen, die an einen wie auch immer gearteten unsterblichen Anteil im Menschen glauben, stellen sich allerdings ganz andere Fragen.

 

Ich sehe mich nach der langen NAK-Zeit, in der ich mir die (aus heutiger Sicht) abstrusesten Behauptungen über das Jenseits habe auftischen lassen - mit dem Argument, der Heilige Geist selbst habe es den Boten Gottes offenbart -  diesbezüglich auch eher als Agnostikerin ...

 

mit der Tendenz, mir vorstellen zu können, dass es Geistiges auch ohne Materie geben KÖNNTE, bzw dass o.g. genannte Funktion sogar genau umgekehrt dargestellt werden könnte, nämlich die Materie als eine Funktion des Geistes.

 

Hauptsache, es kommt keiner mehr zu mir, der mir von Bereichen und Schlüsselgewalt und Gefangenschaft der Seelen erzählt, wo die "Kartenspieler bei den Kartenspielern sitzen und die Säufer bei den Säufern" - was machen da bloß die kartenspielenden Säufer - oder andere multiple Lasterhafte? Es ist beschämend, was ich mir da habe beibringen lassen und ich kann immer nur wieder sagen, dass sich dieser Lebensbereich "NAK" von allen vernünftigen Überlegungen hat abspalten lassen.

 

Was geblieben ist: Die Erkenntnis, wie leicht wir uns in die Irre führen lassen, vor allem, wenn die Grundlage dafür schon in früher Kindheit gelegt wird!

 

Geblieben ist aus eben diesem Grunde eine vernünftige Skepsis, ein Misstrauen gegenüber jedem, der behauptet zu "WISSEN" ... und eine Scheu, selber zu behaupten, ich wisse, was letzte Wahrheit ist ... was ich weiß ist, wie leicht man sich täuschen und in die Irre führen lässt, wenn man „Autoritäten“ vertraut. Selbsternannten Autoritäten zumal, die eine göttliche Legitimation behaupten, ihre Verkündigungen mit Gottes Wort gleichsetzen und damit jeden Zweifel als Gotteslästerung und „Abfallen vom rechten Glauben“ bezeichnen – mit der bekannten Konsequenz ewigen Todes …

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Papst Franziskus während einer Audienz für die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff am 20.03.2013 [Quelle: Agência Brasil (under Creative Commons Attribution 3.0 Brazil License) – volle Auflösung: (- klick) ins Bild]

11.03.2014

 

Interessantes Resümee nach seinem ersten Amtsjahr:

 

Radikaler Papst am Rad der Veränderung

 

Von Stephan U. Neumann

 

Papst Franziskus begeistert Medien und Öffentlichkeit, weil er direkt und offen, ja geradezu schutzlos auf die Menschen zugeht. Er scheut mit seiner Kapitalismuskritik aber auch nicht die Auseinandersetzung mit den wirtschaftlich und politisch Mächtigen.

 

Am 13. März 2013 wurde der Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt - aus ganz unterschiedlichen Richtungen werden hier Kommentierungen und Bewertungen zusammengetragen, einige Textauszüge wecken vielleicht die Lust zum Weiterlesen:

 

„Dass sich die Zeiten ändern, darin sind sich die Schreiber und Kommentatoren einig. Doch während die „Süddeutsche Zeitung“ ähnlich wie die „Welt“ einen „Reformator, keinen Revolutionär“ am Werk sieht und die „Neue Zürcher Zeitung“ sich sicher ist, dass der Papst „Die Kirche neu denken“ will, beklagen andere den Aufprall der himmlischen Kirche im allzu Irdischen. „Es hat den Anschein, als denke der Papst lediglich terrestrisch - menschlich-irdisch -, aber nicht himmlisch, also auf Gott bezogen“, klagte der Schriftsteller Godehard Schramm in der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“. Populistisch sei „die Gemütlichkeit der neuen Armut“, in deren Gefolge der gemeinschaftliche Kult verarme. „Papst Franziskus scheint die priesterliche, die bischöfliche und die päpstliche ‚Vollmacht‘ des Geweihten zugunsten der terrestrischen Augenblicksgemeinschafts-Seligkeit zurückzustellen.“ […]

 

Mit seinen in der Öffentlichkeit als authentisch und erfrischend bewerteten Auftritten hat er die Menschen und die Medien für sich eingenommen. Im Medien- und Informationszeitalter eine nicht zu unterschätzende Machtbasis. So gestützt hat er nicht nur Schlüsselpositionen innerhalb der vatikanischen Verwaltung mit Leuten besetzt, die seinen Reformwillen teilen, sondern ein mächtiges Beratergremium geschaffen: die Kommission der acht Kardinäle, von denen nur einer der Kurie angehört, die er mit jenen reformieren will. Hinzu kommen viele weitere Beratungen durch kompetente Leute, die keineswegs Kleriker sind, sondern Fachleute auf ihren Gebieten, wie etwa im Bereich der Banken- und Finanzaufsicht. Diese Personen hat der Papst nicht berufen, weil das heute „modern“ ist, sondern weil er sich so eine innerkirchliche, aber außerkuriale Hausmacht aufbauen will. Franziskus I. hat sehr wohl einen feinen Instinkt der Machtausübung. Er kennt die Regeln der Diplomatie, aber auch wie man sie als „Waffen“ für den eigenen Bedarf manchmal überraschend anders anwenden kann. […]

 

Doch der Papst belässt es in seiner Vision einer armen Kirche für die Armen nicht nur bei öffentlichkeitswirksamen Bildern, Gesten und Worten. Seine unbequeme Radikalität, mit der er nicht nur die Kirche, sondern auch Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu Reformen, ja zur Umkehr drängt, finden ein geteiltes Echo. Die Kapitalismuskritik in „Evangelii Gaudium“ wird zwar genüsslich von vorwiegend linken, nicht selten sich selbst als atheistisch bezeichnenden Politikern zustimmend zitiert, hat aber gerade hierzulande so manchen wütenden Kommentar provoziert. So sind sich die Wirtschaftsjournalisten von politisch so unterschiedlich ausgerichteten Zeitungen wie „Frankfurter Allgemeine“ und „Süddeutsche“ einig: Der Papst irrt.

 

„Drei Wörter: ‚Diese Wirtschaft tötet‘, härter geht das nicht. Falscher auch nicht“, meinte Marc Beise in der Münchner Tageszeitung. Mit seinen undifferenzierten Aussagen bediene Franziskus „Ressentiments rund um den Globus, auch dort, wo die Dinge in Ordnung sind. Beispielsweise in Deutschland.“ Mit seinem provinziellen, argentinischen Blick - hier wendet sich die Papstaussage, die Kardinäle hätten ihn vom Ende der Welt geholt, gegen ihn - wolle er partout nicht einsehen, dass es sich bei dieser kapitalistischen Welt mit all ihren Defiziten um die beste handle, die den Menschen bisher eingefallen sei. Doch „mit seinem Generalangriff auf ‚das herrschende System‘“ treffe der Papst den „Zeitgeist“ - ein Argument, das sonst eher von konservativen und traditionellen Kirchenkreisen gegen Reformer bemüht wird. […]

 

Damit wir uns hierzulande all unsere Computer und Smartphones, Kleider und Spielsachen, Nahrungs- und Genussmittel leisten können, werden sie längst weit weg unter menschenunwürdigen und umweltverschmutzenden Bedingungen produziert. Sterben in Bangladesh tausend Arbeiterinnen unter den Trümmern einer Textilfabrik oder streiken chinesische Arbeiter wie bei „Foxcon“ gegen unmenschliche Bedingungen in ihrer Computerfirma, werden wir kurz aufmerksam darauf, dass „der Mensch an sich wie ein Konsumgut betrachtet wird, das man gebrauchen und dann wegwerfen kann“, wie der Papst schreibt.

 

Aus der Freude über günstige Preise aufgrund einer globalisierten Produktion muss ein ebenso weitreichendes Gefühl der Verantwortlichkeit folgen, die nach den Menschen fragt, die dafür gearbeitet haben. Sonst entwickelt sich eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit. Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern“, so Franziskus I. in seinem Apostolischen Schreiben. […]“

 

Ganzer Artikel hier:

 

http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_angebote_detail?k_beitrag=4047732&newsletter=cig/20140306

„Ginge ich weg, wüsste ich nicht, wohin“: Fulbert Steffensky zu Besuch in seinem alten Hamburger Haus. Bild: Olaf Ballnuss

16.02.2014

 

Mal wieder ein Fundstück, - ein lesenswertes Interview mit Fulbert Steffensky

 

Der Theologe Fulbert Steffensky war einst katholischer Mönch. Heute ist er ein Star des Protestantismus. Ein Gespräch über unwichtige Hierarchien.

 

Hier einige Textauszüge, die mir besonders nachdenkenswert erscheinen – auch mit dem Gedanken im Hinterkopf: Wie sieht es diesbezüglich in der NAK aus, dort wo ich aufgewachsen bin und geprägt wurde?

 

Und die Hierarchie?

 

Die war unausweichlich, und da kommt die Sexualität ins Spiel. Mit diesen rigiden Normen von alten Männern – nein, es war nicht nur das Problem der alten Männer sondern des Systems. Das hat viel Unglück gebracht, viele Ängste bewirkt. Aber das hat nicht nur mit den Religionshierarchien zu tun: Wenn die Lebensängste groß sind, ist auch die Gottesangst groß. […]

 

Ich bin evangelisch mit dem Vergnügen, zwischen den Stühlen zu sitzen. Wenn man nur eines kennt, verdummt man in sich selbst. Man wird nur stark und reich am Fremden. Am Anderen. Groß geworden bin ich in einem Dorf, wo man so katholisch war wie man atmete. Man kannte nur sich. Ich würde sagen, das sind Gegenden der Dumpfheit. […]

 

Zurück zur Inszenierungskraft: Was ist der Kirchentag heute?

 

Die Distanzierten, die Jugendlichen, die Frommen, die Diakonissen, Halbgläubige und auch Ungläubige – sie können sich nicht mehr übersehen. Sie treffen sich. Und es gibt Streit. Den gab es schon immer. Um den Golfkrieg, um Juden und Christen, Friedensbewegung, Frauen oder was weiß ich. Das heißt Lebendigkeit. Streit ist ein Mittel der Wahrheitsfindung. Trotzdem gibt es diese Grundfreundlichkeit des Kirchentages. […]

 

In wen setzen Sie Ihre Hoffnungen?

 

Nicht in Kirchenleitungen. Die muss es geben, aber die sind meist mittlere Agenturen des Geistes, etwas fortschrittlicher als die Gemeinden, etwas rückschrittlicher als die Gruppen. Die Gruppen der Frauen, der Ökos, der Friedensbewegten – sie sind die Gruppen, die das Prophetische repräsentieren. Das sind die Läuse im Pelz der Kirche. Auf diese setze ich.

 

Wird es im Alter leichter zu glauben?

 

Früher hieß es, die Alten verlieren die Zähne und werden fromm. Das mit den Zähnen stimmt, aber das andere glaube ich nicht.

 

Und das liegt woran?

 

Es gibt einen erlaubten Pessimismus des Alters. Man hat viel gesehen, man hat viel Glück erlebt, man hat sich selber als Fragment erlebt, man erlebt die Welt in ihren Untergängen. Man braucht sich nichts mehr zu verschweigen, und es ist nicht leicht, an Gott zu glauben.

[…]

 

Das ganze Interview hier: http://www.taz.de/Ex-Moench-beim-Kirchentag/!115705/


„Fulbert Steffensky (* 7. Juli 1933 in Rehlingen, Gemeinde Rehlingen-Siersburg im Saarland) ist ein deutscher Theologe. Er absolvierte zunächst ein Studium der katholischen und evangelischen Theologie und lebte 13 Jahre lang als Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. 1969 konvertierte Steffensky zum lutherischen Bekenntnis, heiratete die evangelische Theologin Dorothee Sölle …“

 

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fulbert_Steffensky

 

Ein 5minütiges Interview:

 

http://www.youtube.com/watch?v=zuOxHcAwNTI

 

Veröffentlicht am 20.11.2013

 

„Ich wünsche mir, dass Predigten trösten und einen aufrütteln. Auch der Empörung der Menschen einen Raum geben", sagt Fulbert Steffensky, einer der profiliertesten Theologen der Gegenwart. ...“

 

Beim Anhören des Interviews kam mir die Frage: Gibt es für mich, für meinen Geschmack „Rosinen des Christentums“? Ich habe eine Ahnung, wohin diese Frage führen könnte – nämlich am ehesten zu den Rosinen am Rande … ;-)

01.01.2014

 

Alter Text zum Neuen Jahr

 

Den Text von „Desiderata“ fand ich schon schön, als man noch schwarze runde Scheiben, genannt „Singles“ kaufen konnte – damals hörte ich zum ersten Mal die (etwas verkürzte und veränderte Fassung) dieses Textes gesprochen von Friedrich Schütter, der „deutschen Stimme“ von Bonanza-„Pa“ Ben Cartwright.

 

Nach vielen Jahren bin ich erneut auf dieses Lied/Gedicht gestoßen und finde es immer noch gut, - und seltsam, wie schnell die Zeit vergangen ist seit damals …

 

Die Zeilen „Darum lebe in Frieden mit Gott, welche Vorstellung du auch von ihm hast. Was auch immer dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.“ haben damals sicher eine andere Resonanz ausgelöst – eben NAK-Lehre-geprägt und dementsprechend auch verbunden mit diversen Sorgen und Ängsten, über die ich hier schon des Öfteren geschrieben habe und die nicht nur mich und mein persönliches Schicksal betrafen, sondern auch und gerade Freunde und Verwandte, die nicht neuapostolisch waren. Von diesen Ängsten bin ich heute befreit. - Wer aber noch an die neuapostolische „Lehre von den letzten Dingen“ glaubt, muss sich weiter damit herumplagen oder Verdrängungsmechanismen entwickeln. Mein Wunsch für alle Betroffenen ist natürlich, dass eine Entwicklung in Richtung größerer persönlicher Freiheit möglich wird – was sich für den einen oder die andere sicher wie eine Bedrohung anhören mag, so ging es mir ja schließlich selber auch einmal. …

 

Desiderata

 

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du stolz werden oder dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du.

 

Erfreue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne. Bleibe weiter an deinem eigenen Weg interessiert, wie bescheiden auch immer er sein mag. Er ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum.

 

Sei du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung und sei nicht zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.

 

Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Würde auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind die Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem gesunden Maß an Selbstdisziplin, sei gut zu dir selbst.

 

Du bist ein Kind des Universums, nicht geringer als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott, welche Vorstellung du auch von ihm hast.

 

Was auch immer dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele. Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.

 

Sei achtsam. Strebe danach, glücklich zu sein.

 

Quelle, dort auch der englische Text: http://jj.thebuchis.de/jj/desiderata.pdf

Wer sich über Geschichte und Copyright informieren möchte, wird bei Wikipedia fündig:

 

„Die Desiderata, auch als Lebensregel von Baltimore bezeichnet, ist ein berühmter Text zum Thema „So führst du ein glückliches Leben“. Es wurde 1927 von Max Ehrmann (1872–1945), einem deutschstämmigen Rechtsanwalt aus Terre Haute, USA, verfasst. Eine verbreitete Moderne Sage behauptet, es stamme aus der Old St. Paul’s-Kirche, Baltimore 1692. …“

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Desiderata_%28Gedicht%29

27.11.2013

 

Rätselhafte Hinweise …

 

… finden sich diesmal im MONATS-RUNDSCHREIBEN FÜR ALLE AMTSTRÄGER des BEZIRKSAPOSTEL-BEREICHs NORDDEUTSCHLAND

 

Einiges lässt recht gut interpretieren, anderes bringt mich mehr zum Grübeln – damit recht viele Leser/innen sich eigene Gedanken machen können, hier mal das Schreiben im vollständigen Wortlaut:

 

Der Herr ist mit uns

 

„Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“

 

(Matthäus 8, aus 26)

 

Liebe Brüder,

 

zum obigen Textwort hat unser Stammapostel im Rahmen der Bezirksapostelversammlung in Kanada im Oktober 2013 Gedanken an die Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer weltweit übermittelt, die ich euch gerne auszugsweise vorstellen möchte.

 

Das Textwort stammt aus dem Zusammenhang um die „Stillung des Sturms“. Der Sturm brach aus, das Boot wurde heftig geschüttelt und füllte sich mit Wasser. Erschrocken haben die Jünger den schlafenden Jesus geweckt. Der Herr beruhigte den Sturm und kritisierte die Jünger wegen ihres Unglaubens mit dem oben stehenden Textwort.

 

Zum einen zeigt der Bericht, dass Jesus über die Kräfte der Natur herrscht. Wir können ihn aber auch dahingehend interpretieren, dass wir das Boot als Kirche Christi verstehen. In beiden Fällen ist die Schlussfolgerung dieselbe: Man muss Jesus im Sturm vertrauen. Was Jesus seinen Jüngern vorwarf war, dass sie Angst hatten, obwohl er bei ihnen war. Der Herr hatte den Jüngern den Auftrag erteilt, ihn hinüberzusetzen und er war bei ihnen. Das Boot der Kirche (d.h. die Kirche Christi oder genauer gesagt, das Erlösungswerk des Herrn) musste sich, muss sich und wird sich noch mit Stürmen auseinandersetzen müssen. In Europa stehen wir vor dem Rückgang des christlichen Glaubens und einer ungünstigen demografischen Entwicklung. In anderen Teilen der Welt werden wir mit steigendem Einfluss anderer Religionen, einem wachsenden Materialismus oder mit einem besonders schwierigen Umfeld konfrontiert. In vielen Fällen ist die Situation wirklich ernst. Zuallererst bitten wir um die Hilfe des Herrn und hoffen auf sie. Der Herr könnte alle Probleme im Handumdrehen lösen. Aber er macht es nicht immer. Infolgedessen müssen wir uns fragen, was er wirklich von uns erwartet.

 

Zuerst erwartet er von uns zu glauben. Wir glauben, dass Jesus vollenden wird, was er begonnen hat. Und wir glauben an die vom Herrn gewünschte und geschaffene Kirche Christi. Der Glaube an die Kirche Christi ist untrennbar vom Glauben an Jesus Christus, den Mensch gewordenen Gott. Wir bleiben weiterhin zuversichtlich, denn Jesus selbst gab den Auftrag, den See zu überqueren. Der Herr hat das Apostelamt eingesetzt. Der Glaube an ihn und die Heiligkeit des Apostelamtes ermöglichen, uns den Stürmen zu stellen. Somit erfüllt das Apostelamt den Auftrag, das Evangeli-um zu lehren und die Sakramente zu verwalten. Dazu sind Maßnahmen erforderlich:

 

  • In einem Sturm ist es normal, Segel einzuziehen. Die Tatsache, dass sich die Anzahl der Gemeinden in Europa verringert und wir unsere Ausgaben den finanziellen Möglichkeiten anpassen bedeutet nicht, dass wir uns damit abfinden zu sinken. Ganz im Gegenteil: Wir geben uns damit die Mittel, den Sturm zu überstehen.

 

  • Das Wasser, das ins Boot eingedrungen ist, muss ausgeschöpft werden. Wir wollen unermüdlich gegen schädliche Einflüsse auf die Kirche kämpfen. Das Infragestellen des Apostelamtes oder der Ersatz des Glaubens durch Ethik sind an dieser Stelle nur beispiel-haft zu nennen.

 

  • Im Sturm muss die Mannschaft Teamgeist zeigen. Auf die Methoden „nach alter Väter Sitte“ zurückzugreifen, wäre fatal für die Motivation unserer Mitbrüder. Das brüderliche Miteinander ist unerlässlich.

 

Die Stürme sind nach Intensität und Region unterschiedlich. Die erforderlichen Maßnahmen sind somit auch verschieden. Aber eine Anforderung gilt für alle: Jesus muss im Boot sein! Dies muss spürbar sein. Dazu einige Denkanstöße:

 

  • Wir wollen in Anbetung und Danksagung Jesus gegenüber stehen.

 

  • Wir wollen die Einheit des Amtskörpers fördern.

 

  • Wir wollen niemals auf unsere Amtsautorität zurückgreifen, um unsere Meinung oder persönlichen Wünsche zu äußern.

 

  • Der Geist des Evangeliums möge uns in allen Dingen durchdringen.

 

  • Lieben, lieben und nochmals lieben.

 

Mit diesen Gedanken danke ich euch wiederum für eure aufopfernde Arbeit und euren liebevollen Dienst im ausgehenden Jahr. Ich bin dankbar für euch, eure lieben Frauen und die Familien, die euch die Amtsausübung ermöglichen. Täglich bete ich für euch und für die anvertrauten Brüder und Schwestern. Möge der Herr uns bald vollenden.


 

Soweit der Wortlaut – der Hinweis auf die eingezogenen Segel und Ausgaben, die den finanziellen Möglichkeiten angepasst ist ja noch recht eindeutig – was aber bedeutet es wohl, wenn man nicht mehr auf Methoden „nach alter Väter Sitte“ zurückgreifen will?

 

Zu beachten ist übrigens auch, dass mal wieder ganz nebenbei diese Differenzierung eingeschoben wird: „Das Boot der Kirche (d.h. die Kirche Christi oder genauer gesagt, das Erlösungswerk des Herrn) … “ Irgendwann haben sie sich mal endgültig verhaspelt – aber das macht ja nix, das merkt ja keiner und solange die Gläubigen ihren Aposteln nachfolgen, können die wohl ohnehin erzählen, was sie wollen …

27.10.2013

 

Die systemstabilisierende Aufgabe des Teufels – ein Kommentar

 

Der Gottesdienst von Schneider, vom 20.10.13, der u.a. auch auf CANITIES thematisiert wurde (pdf im Anschluss an das Blog), löst bei den gläubigen NAK-Mitgliedern regelrechte Begeisterung aus, ja sie werden glücklich und selig wie auch auf nacworld zu lesen war.

 

Nur ein einziges Zitat aus dem Schneider-Gottesdienst habe ich gestern jemandem geschickt, der die NAK nicht kennt und zwar folgendes: „Natürlich verlangt aber ein Gotteskind keine Wunder (sie könnten ja unerfüllt bleiben und damit zur Enttäuschung führen), sondern hält in Freud und Leid fein still. Schließlich ist nicht das irdische Leben in irgendeiner Form bedeutsam, sondern einzig und alleine die zu erreichende Ewigkeit. […] „

 

Die Reaktion auf diese Sätze:

 

„… das kommt mir vor wie aus einem schrägen Comic!

 

:shock: :shock: :shock: ----- Ich kann das gar nicht ernstnehmen!

 

Klar, das hört man in anderen Religionsgemeinschaften kaum, dass das „irdische Leben“ völlig unbedeutend ist und alles nur auf die Ewigkeit auszurichten ist!

 

Ich kann heute beide Reaktionen nachvollziehen:

 

Hier zeigt sich eben sehr deutlich der Erfolg der NAK-Sozialisation, zumindest bei denen, die die NAK-Lehre ernstnehmen, d.h. sich zu Herzen nehmen. Wer zu den Erwählten gehört und würdig werden, das verheißene Ziel erreichen will, darf sich nicht innerlich distanzieren, sondern muss sich, im Gegenteil, ganz und gar darauf einstimmen, sich einlassen, mit sogenannten „geheiligten Ohren „ hören. Das bedeutet schlicht, in der Erwartungshaltung stehen, dass es Gott selbst ist, der durch „seinen vornehmsten Knecht“ zu seinem Volk redet. Damit ist natürlich ganz automatisch verbunden, dass man wie gelernt und gewünscht, alles unkritisch, gläubig, dankbar und völlig unselektiert durch eigene Gedanken aufnimmt!

Was man zu hören bekommt, muss also positiv aufgenommen werden und wenn einem das gelingt, weiß man sich in der rechten Verbindung, fühlt sich auf der sicheren Seite, kann also darauf vertrauen, bei der erwarteten Wiederkunft Christi entrückt zu werden. Damit verbindet sich natürlich eine Erleichterung angesichts der eigenen Unzulänglichkeit, der auch immer wieder gepredigten Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit, der Unmöglichkeit, ohne Gnade errettet zu werden! Wer im Gottesdienst erlebt, dass er mit dem „Brautführer, dem Elieser dieser Zeit“ auf einer Wellenlänge ist, gerne auch als „Einssein“ bezeichnet, was geradezu per definitionem bedeutet, keine abweichenden Meinungen und Gedanken zu haben, der kann sich mindestens für die Dauer dieses Gottesdienstes auf dem Berg der Seligkeiten fühlen!

 

Unter diesen Voraussetzungen wird also klar, warum auch derartige Aussagen wie die oben zitierte einfach geschluckt werden. Es gibt bei den richtig eingestimmten Zuhörern keinerlei Wahrnehmungsdistanz, sondern das Gehörte wird quasi unreflektiert absorbiert – da kann natürlich auch keine Kritik aufkommen. Verstärkt wird diese distanzlose Aufnahme natürlich noch durch die jahrzehntelang wiederholten Mahnungen, nur ja keinen Abstand zu den Vorangängern aufkommen zu lassen: der Satz „zwischen mich und meinen Apostel passt kein Blatt Papier!“ drückt das gewünschte und gepredigte Einssein aus!

 

Wie ich schon oft beschrieben habe, bestätigt sich auch aus dieser Perspektive: Systemimmanente Kritik der NAK ist gar nicht möglich – jede Form der Kritik an Lehre und Predigt stellt den Kritiker automatisch außerhalb der NAK – er hat sich von den Boten Gottes entfernt und teilt nicht mehr das gemeinsame Credo!

 

In seinen Gottesdiensten hat Schneider bisher kontinuierlich darauf hingearbeitet folgendes klarzustellen:

  • Gotteskinder haben unter allen Umständen und Bedingungen gehorsam zu sein wie Abraham, der bereit war, seinen Sohn zu opfern.
  • Gotteskinder handeln nicht aus dem Motiv heraus, eine (diesseitige) Belohnung oder Vergünstigung zu bekommen.
  • Gotteskinder beklagen sich nicht, wenn ihnen in der Zukunft noch mehr Belastungen und Zumutungen auferlegt werden.
  • Gotteskinder machen sich bez. Lehre und Predigt keine eigenen Gedanken und bilden sich keine eigene Meinung.

Nun hat er im hier besprochenen Gottesdienst in ganz besonderer Deutlichkeit und Eindringlichkeit einen weiteren Schritt gemacht: Eigene Meinung, abweichende Überlegungen und Kritik kommen nicht einfach aus uns selbst heraus, sondern sind Einflüsterungen des Teufels!

 

Nachdem er ausführlich die Versuchung Jesu in der Wüste dargestellt hat, die natürlich kein Gläubiger bezweifeln darf, wird anschließend in aller Ausführlichkeit und ebenfalls an drei Beispielen erklärt, bei welchen Gelegenheiten und mit welchen Zielen der Teufel an die Neuapostolischen herantritt, Schneider ist es nicht einmal zu peinlich, seinen Zuhören dreimal hintereinander auch noch exemplarisch in wörtlicher Rede aufzutischen, wie der Teufel sich äußert. Wie im früheren Kindergottesdienst kommt es einem vor – und wie ein erwachsener Außenstehender darüber denken würde, kann ich mir lebhaft vorstellen!

 

Aber NAK-mäßig eingestimmt saugen erwachsene Frauen und Männer derartig primitive quasi-theologische Ergüsse eines Laienpredigers auf wie göttliche Offenbarungen!

 

Geistige Unfreiheit wird hier (auf teuflisch geschickte Weise?) bombenfest zementiert, denn alle menschlich verständlichen Überlegungen werden hier als Einflüsterungen des Teufel dargestellt und damit gibt es nur noch eine Weise, damit umzugehen, man muss sie überwinden, darf sich nicht mit ihnen beschäftigen, ihnen keinen Raum geben. Wir alle kennen ja die entsprechenden Warnungen, z.B. dem Teufel nur ja nicht den kleinen Finger zu reichen!

Eine weitere Möglichkeit wird damit ebenfalls tabuisiert: Man darf nämlich solche Gedanken auch nicht mit anderen besprechen, sie nicht weitertragen – damit würde man sich schließlich zum Werkzeug des Teufels machen!

 

Das System NAK hat sich perfekt abgesichert:

  • Kritik kommt vom Teufel
  • Mit teuflischen Einflüsterungen beschäftigen wir uns nicht
  • Wer sich die Einflüsterungen des Teufels zu eigen macht, wird selbst zum Feind des Werkes Gottes, ist isoliert und steht draußen

Wer solche Gedanken in sich trägt, muss versuchen, sie nach dem Rezept von Schneider zu überwinden, er projiziert diese Gedanken auf den äußeren Feind, den Teufel, und bemüht sich nach Kräften darum, sich davon zu distanzieren und ihm die systemkonformen antworten entgegenzuhalten. Was nicht sein darf: derartige Gedanken in Gesprächen mit anderen Mitgliedern erörtern zu wollen - Schneiders Taktik (und die seiner Vorgänger) ist perfekt: Wer so handelt, isoliert sich wie gesagt selber und ist, wenn er nicht Umkehr und Buße praktiziert, ganz schnell draußen.

 

Und der perfekte NAK-Systemschutz greift sogar noch weiter: Die beschriebene Indoktrination, die zur Projektion aller Kritik auf den Teufel führt, bewirkt eben auch die Verteufelung der Kritiker und ist der Grund dafür, dass es praktisch keinerlei Austausch zwischen „Gläubigen“ und Aussteigern gibt!

 

Teufelszeug, Geistesgift und Unrat sind für die Treuen alle kritischen Einwände, ja bereits ergebnisoffene Fragen werden in dieser Weise interpretiert. Allein schon die Frage nach Textwort und Auslegung wird mit folgender Mutmaßung beantwortet:

 

„... und da , soll doch schon wieder der Braten ( GD ) ..., in der Kloake der abwertend billigen menschlichen Meinung gebeizt werden , und somit Mürbe genug werden , für die genussvolle billige Anschauung - menschlich - belustigender Denke ...!“

 

Kein Wunder, dass die Kommunikation zwischen denen drinnen und denen draußen nachhaltig gestört ist! Aber auch das ist den NAK-Funktionären gerade recht, denn solange kritische Informationen über Fehler der Lehre und Missstände in der Praxis, über Geschichtsfälschung und NS-Vergangenheit, über geistlichen Missbrauch und Indoktrination als teuflische Lügen bezeichnet und gar nicht näher betrachtet werden, schrumpft das sogenannte Werk Gottes zwar weiter, aber es schrumpft auf NAK-liche Weise: Leise, fein und lieblich – getragen in Geduld, Opferbereitschaft und Glaubensgehorsam bis zum seligen oder bitteren Ende!

 

P.S.: Jetzt klar, warum ein Verein wie LINDD nicht beim Internationalen Kirchentag vertreten sein darf?

 

06.09.2013

 

„Auf den geistlichen Missbrauch geht keiner ein"

 

Religionsreport-Artikel zum Thema LINDD – Präsenz auf dem NAK-Kirchentag2014 [CANITIES berichtete im Newsblog vom 21.08.13] - jetzt frei lesbar auf den Seiten von LINDD unter der Rubrik „Presse“: Artikel  Religionsreport 29.8.13 - IKT 2014 München

 

Textauszug: „Auf dem Kirchentag wird das Thema Missbrauch präsent sein mit oder ohne LINDD. Auf eine entsprechende Anfrage erläutert der Sprecher der internationalen Kirchenleitung: „Wir werden das Thema sexuelle Gewalt selbst kompetent mit Fachleuten besetzen und dem Kirchentagspublikum nahebringen. Der Verein LINDD e.V. ist keine Interessenvertretung der Kirchenleitung, sondern ein privater Verein, wie es viele solche gibt. Seine Nichtteilnahme bedeutet keinesfalls, dass die Neuapostolische Kirche ihre vorbeugende Arbeit einstellt oder bestehende Fälle ignoriert oder Opfer nicht ernst nimmt.“

 

Der Link zur PDF findet sich im Menüpunkt „Presse“ bei LINDD (- klick)

Mehr Info: (- klick) ins Bild!