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„Es ist ein schändlicher Frevel“

Warum selbst die Bibel Grenzen kennt...  ...und was wirklich dahintersteckt:

Ein weiterer Blick in die Sexualgesetze des Levitikus führt zu einem Thema, das vielen heute als bizarre Randerscheinung erscheint – das aber in nahezu allen antiken Gesetzessammlungen auftaucht:

 

„Du sollst auch bei keinem Tier liegen … es ist ein schändlicher Frevel.“
(Lev 18,23)

 

Das Verbot wird mehrfach wiederholt (Ex 22,19; Lev 20,15–16).

 

Offenbar hatte es in der antiken Welt eine größere Bedeutung, als wir heute vermuten.

Kein exotisches Einzelphänomen

Dass ähnliche Regelungen auch außerhalb der Bibel existieren, zeigt:

 

? Es handelt sich nicht um ein spezifisch „biblisches Problem“,
sondern um ein kulturübergreifendes Tabu.

 

So enthalten etwa die hethitischen Gesetze entsprechende Vorschriften, wenn auch mit teils überraschenden Differenzierungen.

Warum dieses Verbot existiert

Die Forschung sieht mehrere Gründe für diese strikten Regelungen:

 

1. Nähe zwischen Mensch und Tier

 

In frühen Agrargesellschaften lebten Menschen und Tiere eng zusammen:

  • gemeinsame Unterbringung
  • wirtschaftliche Abhängigkeit vom Vieh
  • alltäglicher Kontakt

Diese Nähe schuf Situationen, die in modernen, urbanen Gesellschaften kaum noch vorkommen.

 

2. Abgrenzung von anderen Kulturen

 

Die biblischen Texte verfolgen ein klares Ziel:

 

? Abgrenzung von den Praktiken der Nachbarvölker

 

Dabei ist jedoch Vorsicht geboten:

  • Für tatsächliche „kultische Sexualpraktiken mit Tieren“ gibt es keine gesicherten Belege
  • entsprechende Vorwürfe können auch polemische Zuschreibungen sein

Wahrscheinlicher ist:

 

? Das Verbot diente der symbolischen Grenzziehung zwischen „uns“ und „den anderen“.

 

3. Die Idee der Schöpfungsordnung

 

Ein zentraler Gedanke der biblischen Welt ist die Trennung von Kategorien:

  • Mensch und Tier
  • Rein und Unrein
  • Ordnung und Chaos

Sexuelle Handlungen zwischen Mensch und Tier galten als radikale Überschreitung dieser Grenzen.

 

? Es geht also weniger um „Sexualmoral“ im modernen Sinne,
? sondern um die Wahrung kosmischer Ordnung.

Ein Blick in andere Kulturen

Auch außerhalb Israels finden sich Regelungen:

  • Hethitisches Recht: differenzierte Strafbestimmungen
  • Griechisch-römische Welt: klare soziale Ächtung
  • Ägypten: einzelne umstrittene Berichte, aber keine gesicherte kultische Praxis

Das Gesamtbild ist eindeutig:

 

? Bestialität war in den meisten Kulturen tabuisiert, wenn auch unterschiedlich begründet.

Die biblische Radikalität

Bemerkenswert ist die Strenge der biblischen Regelung bei Zuwiderhandlung:

  • In Lev 20 wird sowohl der Mensch als auch das Tier getötet

Das zeigt:

 

? Hier geht es um ein besonders starkes Tabu
? einen fundamentalen „Ordnungsbruch“.

Moderne Perspektive: Ein anderer Zugang

Heute wird das Thema völlig anders bewertet.

 

Der zentrale Punkt ist nicht mehr „Reinheit“, sondern:

 

? Einwilligung und Schutz

 

Die Argumentation ist eindeutig:

  • Tiere können nicht zustimmen
  • es besteht ein klares Machtgefälle
  • sexuelle Handlungen sind daher immer einseitig und übergriffig

Damit fällt die Bewertung heute in den Bereich des Tierschutzes und der Ethik, nicht der religiösen Moral.

Rechtliche Lage in Deutschland

Auch das moderne Recht spiegelt diese Perspektive wider:

  • Seit 2013 verbietet das Tierschutzgesetz (§ 3 Nr. 13), Tiere für sexuelle Handlungen zu nutzen
  • es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit (kein Straftatbestand)
  • mögliche Bußgelder reichen bis zu 25.000 Euro

Zwischen Tabu und Realität

In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint das Thema meist nur:

  • als tabuisierte extreme Perversität
  • oder in satirischen Kontexten (# Erdogan und die Ziege)

Gleichzeitig zeigen Berichte von Tierschutzorganisationen:

 

? Das Phänomen existiert – wenn auch in Randbereichen.

F  a  z  i  t :

Das biblische Verbot von Sexualität mit Tieren ist kein Ausdruck prüder Sexualmoral.

 

Es ist:

  • ein Versuch, klare Grenzen zwischen Mensch und Tier zu ziehen
  • ein Mittel kultureller Abgrenzung
  • und ein Ausdruck eines Weltbildes, das Ordnung über alles stellt

 

Moderne Ethik kommt zu einem ähnlichen Ergebnis – aber aus einem völlig anderen Grund:

 

? Nicht „Unreinheit“ ist das Problem,
? sondern fehlende Einwilligung und Ausbeutung.

 

Und vielleicht zeigt sich gerade hier etwas Entscheidendes:

 

Selbst die strengsten religiösen Regeln treffen manchmal zufällig eine sinnvolle Grenze – ohne sie wirklich begründen zu können.

 

Alles andere ist – wie so oft – eine Frage der Perspektive.

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letzte Updates:

26. April 2026

Der Bibel zufolge wird Sex mit Tieren mit maximaler Härte bestraft. - Doch WARUM?!
Nicht wegen Einvernehmlichkeit. Sondern wegen der „Schöpfungsordnung“.

Heute sagen wir: „Es ist falsch, weil das Tier nicht zustimmen kann.“
Gleiche Grenze – völlig unterschiedliche Begründung.


Neuer Beitrag in der Reihe „Sexualmoral des Abendlandes“.

19.04.2026

13.04.2026

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am 01.01.2025

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