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„In jedem Geschöpf der Natur lebt das Wunderbare“

(Aristoteles)

Aristoteles spricht in diesem Zitat von Geschöpfen…                                          

und wo Geschöpfe sind, gibt es einen Schöpfer!
Aristoteles bestätigt also die Existenz Gottes! - Oder?


Das Zitat „In jedem Geschöpf der Natur lebt das Wunderbare“ wird zwar häufig Aristoteles zugeschrieben, ist aber so weder im griechischen Original noch in seriösen Übersetzungen seiner Werke nachweisbar. Es handelt sich um ein Beispiel für ein sogenanntes „attributed quote“, das im Laufe der Zeit entstanden ist, wahrscheinlich durch freie Paraphrasierung oder christlich eingefärbte Interpretation aristotelischen Denkens. – Ich werde den Fehler in drei kurzen Absätzen entlarven:

1. Sprachliche Problematik: "Geschöpf"

Es stimmt, der Begriff „Geschöpf“ (im Deutschen) impliziert eine Schöpfung und damit notwendigerweise einen Schöpfergott. – Das ist jedoch ein Konzept, das so nicht aristotelisch ist. Aristoteles hat zwar die Idee eines „unbewegten Bewegers“ (πρῶτον κινοῦν ἀκίνητον) entwickelt – eine metaphysische Ursache für Bewegung und Veränderung –, aber kein personales Schöpferwesen im Sinne des jüdisch-christlichen Gottes postuliert.

2. Was hat Aristoteles tatsächlich gesagt?

Es gibt eine Stelle in „De partibus animalium“ („Über die Teile der Tiere“), wo er etwas Ähnliches ausdrückt – aber sachlicher und philosophischer:

 

„Wenn jemand die Naturdinge genau untersucht, so wird er in allem etwas Wunderbares finden.“
(sinngemäß aus: De partibus animalium I,5,645a15ff)

Im griechischen Original lautet das Zitat:

 

„ἐν πᾶσι τοῖς φυσικοῖς θαυμαστόν ἐστι θεωρεῖν.“
(„In allem Natürlichen ist etwas bewundernswertes, es zu betrachten.“)

 

Das bedeutet: Aristoteles hatte sehr wohl Ehrfurcht vor der Natur und ihren Strukturen, aber nicht im Sinne einer religiös-theologischen Schöpfungsordnung.

3. Ursprung des falschen Zitats

Die Formulierung mit dem Wort „Geschöpf“ dürfte aus dem christlich geprägten Sprachgebrauch späterer Jahrhunderte stammen, möglicherweise im Zuge der mittelalterlichen Rezeption Aristoteles' durch christliche Theologen wie Thomas von Aquin, die seine Philosophie mit der Schöpfungslehre in Einklang bringen wollten.

 

Es gibt keine Belege, dass Aristoteles diese Formulierung benutzt hat, oder dass er damit einen personalen Schöpfer meinte.

Fazit:

Das Zitat ist nicht authentisch und spiegelt nicht die originale Denkweise des Aristoteles wider. Es handelt sich um eine nachträgliche, theologisch angehauchte Interpretation seiner Naturphilosophie. Richtig wäre, Aristoteles eher so wiederzugeben:

 

„In allem Natürlichen gibt es etwas Wunderbares zu betrachten.“

 

Oder:

 

„Das Staunen ist der Anfang aller Philosophie.“

(Dies ist ein echtes Aristoteles-Zitat aus der „Metaphysik“.)

 

Aristoteles hat also die Existenz eines Schöpfergottes NICHT bestätigt!

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