... wir schreiben Klartext
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24. Dezember 2017 - 10:00 Uhr (bt)

Bild: „Kerzenschimmer“; Quelle + ©: STERN-view Foto-Community

Fröhliche Weihnachten, ...

…, oder auch besinnliche, entspannte, turbulente, gemütliche, laute oder leise, ganz wie es euch gefällt – für die meisten von uns sicher auch mit besonders leckerem Essen ;-) Genießen wir es und freuen uns über die freien Tage und die Möglichkeit, diese Zeit so ganz nach unserem Geschmack zu gestalten!

 

Die meisten in unserer Gruppe haben sich wohl auch vom christlichen Weihnachtsdogma verabschiedet und ich persönlich empfinde das auch als eine echte Befreiung! Zu wissen, dass zur Zeit der Wintersonnenwende immer schon Menschen miteinander gefeiert haben und dass diese Feiern ursprünglich gar nichts mit christlicher Religion zu tun haben, tut ein Übriges.

 

Wenn ich dann noch auf nac.today den bemühten Versuch lese, der Weihnachts-geschichte philosophisches Niveau zu verpassen, bin ich erst recht froh, dass diese Zeiten vorbei sind, die Zeiten, in denen man sich den größten Humbug irgendwie zurechtglauben musste! Weil an dem großen wunderbaren Gott und seinem genialen Erlösungsplan ja keinesfalls gezweifelt werden durfte – war ja über Jahrzehnte hinweg auch irgendwie gängiger gesellschaftlicher Konsens und auch in der Schule lernte man nichts darüber, wie viele jungfrauengeborene Gottessöhne es auch in den Mythen anderer Religionen gegeben hat!

 

Ich persönlich muss mir auch gar nicht die Mühe machen, „Weihnachten wissenschaftlich auseinanderzunehmen“, wie Herr Rother meint – nö, da stand ich zu meiner gläubigen Zeit schon weit drüber … nur dass ich mir damals :-/  immer noch einreden ließ, es handele sich um eine Botschaft des Friedens und der Errettung für alle Menschen, einen genialen göttlichen Plan, dessen Genialität unser ach so kleiner menschlicher Geist gefälligst nicht in Zweifel zu ziehen habe!

 

Diese Denkbeschränkung ist weg und damit erlaubt sich mein so befreiter Geist auch die unterdrückte, zensierte Erinnerung zuzulassen, die noch aus Kindertagen stammt:

 

Mit der ursprünglichen Empathie eines Kindes ausgestattet, erschütterte mich der Teil der Weihnachtsgeschichte, der über den Kindermord von Bethlehem berichtet … und es erschreckte mich, wie leicht in meiner Kirche darüber hinweg-geglaubt wurde! Ganz naiv fühlte und fragte ich, warum denn der liebe Gott, dem doch alles möglich ist, die Kinder nicht gerettet habe, die konnten doch nichts dafür! Ich hatte auch verschiedene Ideen, was so ein allmächtiger Gott ganz einfach hätte tun können – hätte ihn doch nur ein Fingerschnipsen gekostet … außer mir schien sich aber keiner groß dran zu stören, und Gott steht schließlich über aller Kritik, selbst wenn er so offensichtlich lieblos ist und himmelschreiendes Leid zulässt. Dabei hat er doch genau in dieses Geschehen unmittelbar eingegriffen, so berichtet die Bibel, indem er Joseph und Maria dem Gemetzel entfliehen ließ – wenn er doch da eingreift, dann hätte er doch auch … Jaja, ganz kindliche Empfindungen und Überlegungen und die mussten „überwunden“ werden und ab in die unterste Schublade. Alle anderen schienen sich ja auch nicht dran zu stören, niemand ließ sich durch diesen Teil der Geschichte die Weihnachtsfreude verderben …

 

Ich hab‘ das jetzt so ausführlich geschildert, weil es einerseits eine tatsächliche Kindheitserinnerung ist, und weil es exemplarisch und sehr deutlich zeigt, wie abgebrüht, wie unempathisch man als bibelgläubiger Christ sein muss, um angesichts dieses „Blutopfererlösungsplanes“ und seinen Kollateralschäden von einer frohen Botschaft sprechen zu können!

 

Fundamentalisten werden sagen, dass angesichts ewigen Seelenheils irdisches Babyblutvergießen völlig bedeutungslos ist – mit solchen Menschen möchte ich lieber gar nicht reden.

 

Aber da sind dann noch diejenigen, die an der Idee von Gottes unendlicher Liebe festhalten wollen, indem sie möglichst viele Bibelgrausamkeiten zum menschlichen Beiwerk erklären, zu relativ unbedeutenden Ausschmückungen, bestenfalls dazu angetan, dem einfachen Menschen die großen Glaubenswahrheiten zu verklickern… Die zentrale wesentliche Botschaft sei und bleibe „Gott ist die Liebe“ sodass Herr Rother verbal schwelgen kann: „Das Herz, das die Botschaft versteht vom Frieden mit Gott, sie tief in sich aufnimmt und fortan schlägt in einem anderen Takt?“

 

Auf diese Weise sollen Gott und sein Image gerettet werden: Er ist der gute, hat nie geschlachtet und gemordet oder dergleichen angeordnet, alles Böse kommt nur aus dem Menschen!

 

WIE BITTE? Damit soll ich mich billig abspeisen lassen und weiter an einen unendlich guten liebenden Gott glauben, dessen angeblichen Rettungsplan ich nicht zu kritisieren habe?

 

Ich erlaube mir dennoch, an dieses Gotteskonstrukt einen moralischen Maßstab anzulegen und dann sieht dieser Gott ausgesprochen mickrig aus:

 

Ein Gott, der allmächtig ist, aber tatenlos zusieht, wie seine Liebesbotschaft durch menschliche Zuschreibungen und Fehlinterpretationen pervertiert wird, was dazu führt, dass ausgerechnet seine Anhänger und Verkünder Gewalt und Leid für gottgewollt, zugelassen oder zumindest unbedeutend halten? Ein Gott, der zusieht, wie SEINE heilige Botschaft auf der ganzen Welt und durch die Jahrhunderte zu Mord und Totschlag führt, weil seine Gläubigen schon durch die Bibel gelernt haben, dass der Zweck die Mittel heiligt und dass es auf ein paar tote Kinder mehr oder weniger weder bei der Sintflut noch bei der Weihnachtsgeschichte ankommt?

 

Scheinheilige Scheiße, sorry… !

 

Ich habe durchaus noch Respekt vor Menschen, die an ihrem Glauben leiden und das auch eingestehen, vor Menschen, die wie z.B. Dorothee Sölle sagen: Gott hat keine anderen Hände als die unseren … aber wozu man ihn dann noch braucht, erschließt sich mir nicht und eine frohe Botschaft erst recht nicht.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ganz menschliche, irdische, empathische Feiertage!

09.12.2013 – (fcs)

Begab es sich aber wirklich zu der Zeit, dass …?

Die Weihnachtsgeschichte im Lichte der wissenschaftlich erwiesenen Tatsachen

Was mir Richard Elliot Friedman für das Alte Testament der Bibel ist, ist mir Heinz Werner Kubitza für das Neue Testament. Wie Friedman greift Kubitza nicht ausschließlich auf eigene Arbeiten zurück, sondern lässt zur Fundierung seiner Publikationen eine ganze Reihe Drittautoren zu Wort kommen. Bei der Entzauberung des Christentums durch wissenschaftliche Forschung in seinem Buch „Der Jesuswahn“ zitiert Dr. Kubitza nicht weniger als 66 Autoren (bei Friedmann sind’s 18 mehr) von A wie Teodor W. Adorno oder Rudolf Augstein bis Z wie Heinz Zahrnt.

 

Buchempfehlung:

Heinz Werner Kubitza, „Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“, 2. Aufl. ersch. 2011 bei Tectum-Verlag, Marburg, ISBN: 978-3828824355

 

Nach ausgiebiger Würdigung einer Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten und Nachweisen darüber, dass der christliche Auferstehungsglaube keinerlei ernstzunehmende Grundlage hat und definitiv ins Leere geht, zitiert Kubitza im Jesuswahn den 1946 geborenen evangelischen Theologen, Professor für Geschichte und Literatur des frühen Christentums sowie Leiter der Abteilung „frühchristliche Studien“ am Institut für Spezialforschungen und des Archivs „Religionsgeschichtliche Schule“ an der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, Dr. Gerd Lüdemann, folgendermaßen:

 

(Zitat) „[…] Historische Forschung zeigt mit unumstößlicher Sicherheit: Jesus wurde gar nicht von den Toten auferweckt. Obwohl der frühchristliche Glaube dies bekennt und die Kirche darauf gebaut ist […] muss diese angeblich durch Gottes Handeln erwiesene Tatsache Fortan als wiederlegt gelten. […] Immerhin ist damit die Grundfeste der mächtigsten und zahlenmäßig größten Religion dieser Erde zerstört, das christliche Leben nur noch Schein. Zweitausend Jahre lang übte der Glaube an die Auferstehung Jesu eine ungeheure Wirkung aus, wegen seiner völligen Grundlosigkeit erweist er sich jetzt als welthistorischer Humbug. […]“ (Zitatende)[1]

 

Die Konsequenz aus diesem Faktum lässt Kubitza dann den tatsächlichen Gründer des Christentums, den heidenchristlichen Missionar Saulus von Tarsus, genannt „Apostel Paulus“ formulieren:

 

(Zitat) „[…] Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch Euer Glaube vergeblich […] Dann sind wir erbärmlicher als alle anderen Menschen. […]“ (Zitatende)

Vgl.: 1. Kor. 15, 17-19 (- klick)

 

Ein erschütternder Befund! – Seit 2000 Jahren vergebliche Hoffnung auf die Parusie, vergebliche Hoffnung darauf, dass Jesus von Nazareth als Christus wiederkommt und mit ihm das Reich Gottes als  Vollendung der Heilsgeschichte. – Es gibt kein Heil!

Besonders erschütternd ist das natürlich für ausgesprochene Endzeitsekten wie z.B. die Neuapostolische Kirche. Während zumindest die in Deutschland „großen“ Kirchen“, die evangelischen Landeskirchen und die römisch-katholische Kirche immer noch auf das Gesamt-Evangelium abheben könnten, ist die noch sehr junge Sekte „Neuapostolische Kirche“ (sie hat in diesem Jahr erst ihr 135. Jubiläum gefeiert!) ohne die Wiederkunft Christi ein Nichts. Die NAK kann einpacken!! Kein Ostern = Keine Himmelfahrt = Keine Wiederkunft.


Diesem Themenkomplex werden wir uns aber anlässlich der entsprechenden Feiertage im Kirchenjahr widmen. Jetzt geht es zunächst einmal um das für die Christen ohnehin bedeutendere Fest. Es ist von der Heilsbedeutung her zwar weniger wichtig als das Gedenken an die Kreuzigung und die leider nicht stattgefundene Auferstehung von den Toten, aber es ist das Fest mit dem größten Gepränge. Das Kirchen(?)fest zu dem sogar ansonsten kirchenferne Menschen die Gotteshäuser aufsuchen und mit leuchtenden Augen und warmem Herzen der Weihnachtsgeschichte lauschen.

Denn wenn auch Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, so ist er doch von mittlerweile den meisten Neutestamentlern und Forschern der historisch-kritischen Bibelwissenschaften als historische Person bezeugt. Jesus ist also auf jeden Fall geboren…


Es bleibt uns die Überlieferung des Weihnachtsgeschehens, es bleibt uns das romantische Weihnachtsfest!


[1] Quelle: Gerd Lüdemann, „Die Auferweckung Jesu von den Toten – Ursprung und Geschichte einer Selbsttäuschung“ (Seite 156), ersch. 2002 bei zu Klampen! Verlag, Springe, ISBN: 978-3934920200

Oder? - Doch – ja, das Weihnachtsfest steht überhaupt nicht zur Disposition…  Allenfalls der Anlass für dieses deutscheste aller religiösen Feste weltweit. Natürlich bleibt auch die Überlieferung bestehen, fraglich ist nur, wie hoch der Tatsachengehalt der Überlieferungen ist.

 

Bereits im Beitrag „Apostolische Sukzession und Legitimation des Apostelamtes“ vom 20.05.2013 auf unserer Unterseite „Falschlehre + Amt ohne Legitimation = NAK“ (- klick) habe ich auf die grundlegende Problematik bei der Bewertung des Wahrheitsgehaltes der kanonischen Evangelien hingewiesen. Deshalb beschränke ich mich hier auf eine Zusammenfassung in aller Kürze:

 

Um herauszufinden welche Inhalte der kanonischen Evangelien historisch authentisch sind, müssen möglichst frühe Quellen herangezogen werden. Und die ältesten biblischen Schriften sind die des eigentlichen Gründers der christlichen Kirchen, der „Apostel Paulus“ genannte Griechenjude Saulus von Tarsus… soweit sie nicht als Pseudepigraphien entlarvt sind. Dann kämen noch die frühen Schichten der Logienquelle „Q“ in Frage und das apokryphe Thomas-Evangelium.

 

Und jetzt haben wir ein Problem: Keine dieser frühen Überlieferungen berichtet über die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Geburt des Jesus von Nazareth, nicht einmal die Geburt an sich wird überliefert. Es ist, als sei er als ca. 30-jähriger in die Welt gefallen, es kann nur gemutmaßt werden, wie seine Geburt, seine Kindheit und Jugend verlaufen ist. Einigermaßen sicher ist, dass er eine Art Bauhandwerker war (adäquat zu den heutigen Berufsbildern Maurer, Zimmermann und Dachdecker), dass er zu den Jüngern von Johannes dem Täufer gehört hat und dass er von diesem getauft wurde. Ansonsten werfen die Evangelien, um es mit Kubitza zu sagen, „[…] wenn überhaupt, nur ein arg getrübtes Licht auf das, was vor 2000 Jahren dort [Anm.: Im sog. „Heiligen Land“]  wirklich vor sich ging. […]“.

Wann und wo wurde Jesus von Nazareth geboren?

Da, anders als über Johannes den Täufer, keine zeitgenössischen Überlieferungen vorhanden sind, müssen wir uns also mühsam durch den Informationsverhau der  frommen Legenden kämpfen. Beginnen wir mit dem Zeitpunkt der Geburt, den jeder sturkdeutsche Christ mit 24.12.0001 angeben wird. Der ist aber mit absoluter Sicherheit falsch!

 

Ein exakter Tag ist überhaupt nicht zu verorten, nicht einmal ein Monat. Das ist allenfalls dann möglich, wenn wir die vorgeburtlichen Legenden, die sich um Maria, die Mutter des Jesus und Elisabeth, die Mutter von Johannes d.T. als Wahrheit annehmen. Der österreichische Autor Johannes Ramel hat das auf seiner Website (- klick) versucht und kommt dabei auf den Zeitraum September/Oktober.

Da sich Ramel aber auf die längst als zwar frommen aber historisch unwahren entlarvten kanonischen Evangelien beruft, gehen seine Berechnungen mit ziemlicher Sicherheit nicht auf. Einziger Hinweis darauf, dass die Geburt spätestens in der von Ramel  konstatierten Jahreszeit stattfand, ist die Tatsache, dass (wiederum gemäß den Evangelien) die Hirten noch auf den Felder bei ihren Herden waren. Und das wäre in der nassen und kalten Jahreszeit ganz sicher nicht der Fall gewesen…

 

Schauen wir, ob wir mit dem Geburtsjahr mehr Glück haben: Die Evangelien liefern uns dazu ja ein paar Anhaltspunkte:

  • Augustus war römischer Kaiser und hat einen Zensus angeordnet.
  • Quirinius war römischer Statthalter in Syrien.
  • Archelaus wurde als Herrscher von Judäa und Samaria abgesetzt, das Gebiet wurde direkte römische Provinz.
  • Herodes Antipas war Herrscher in Galiläa
  • Herodes der Große hat den Kindermord in Bethlehem begangen

Und diese Eckdaten lassen sich nicht miteinander in Einklang bringen. – Ich zitiere einmal mehr Kubitza:

 

„[…] In Wirklichkeit fand der erste römische Zensus im Jahre 6-7 n.Chr. statt, ‚und er erstreckte sich nicht auf ganz Palästina, wie Lukas annimmt, sondern nur auf das Teilgebiet Judäa und Samaria (und das südlich gelegene Idumäa), und auch nicht auf Galilä. Im Jahre 6 hatte Augustus den Herrscher dieses Gebiets, Archelaus, abgesetzt, und das Gebiet in unmittelbare römische Verwaltung genommen. Daher der Zensus. Der  Herr von Galiläa, Herodes Antipas, blieb. Also gab es dort auch keine römische Steuerveranschlagung.‘ (Hans Conzelmann, Geschichte des Urchristentums[1], Seite 19) Auch der Kindermord, der von Herodes dem Großen berichtet wird (nicht zu verwechseln mit Herodes Antipas, dem Landesherrn Jesu), hat nie stattgefunden. Herodes war bereits im Jahre 4 v. Chr. Gestorben. Er war zweifellos ein übler Schlächter und Despot. Drei seiner eigenen Kinder hat er töten lassen (allerdings nicht im Kindesalter), und wir wissen über ihn durch den jüdischen Historiker Flavius Josephus ziemlich gut Bescheid. Josephus scheint geradezu ein Interesse daran zu haben, die Untaten des Herodes aufzuzählen. Ein Kindermord in Bethlehem gehört jedoch nicht dazu. […]“ (Zitatende)

 

Wenn wir davon ausgehen, dass Lukas, der angebliche Historiker unter den Evangelisten hier ein paar Dinge durcheinandergebracht hat und ein paar andere erfunden, so bleibt uns also jedenfalls ein Zeitraum von gut 10 Jahren innerhalb dessen Maria ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat.

Kleine Anmerkung: Vor der Namenswahl hätte Maria vielleicht einmal die Propheten lesen sollen! Denn laut Jesaja 7, 14 (- klick) sollte der Messias doch eigentlich  „Immanuel“ heißen ;-)


[1] Vgl. Hans Conzelmann „Grundrisse zum Neuen Testament, Bd.5, Geschichte des Urchristentums“, 6. Aufl. ersch. 31. Dezember 1989 in Englisch bei Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, ISBN: 978-3525513545

Wir wissen also weder Zeit noch Stunde der Geburt Jesu. Eine Tatsache, die fromme Christen in Endzeiterwartung sicher als beglückende Parallele zu seiner ersehnten Wiederkunft empfinden werden. Dafür ist aber der Ort leicht zu bestimmen: Es war das unbedeutende Dorf Nazareth in Galiläa. Der Ort seiner erwiesenen Herkunft war auch der Ort seiner Geburt. Wenn man den Herkunftsort Jesu nämlich erfunden hätte, wäre garantiert eine bedeutendere Ortschaft gewählt worden. Sogar in dem frommen Märchen, das uns als Evangelium des Johannes überliefert ist heißt es in Kapitel 1, 46 (- klick) noch: „[…] Was kann aus Nazareth Gutes kommen! […]“

 

Ganz offensichtlich war der Herkunftsort von Jesus also wohl nicht zu leugnen. Der Messias sollte aber aus dem Geschlecht Davids kommen. Auf die Abstammung werden wir aber erst später eingehen, jetzt interessiert uns lediglich der Geburtsort. Und dafür konnte ausschließlich Bethlehem in Frage kommen, denn es galt nun einmal als die Stadt Davids. Außerdem heißt es beim Propheten Micha Kapitel 5, 1 (klick) „[…] Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. […]“

Irgendwie mussten Jesu Eltern also von Nazareth nach Bethlehem gelangen. – Und deswegen hat Matthäus den Geburtstermin auf die Zeit des römischen Zensus gelegt, dabei aber  einen gravierenden Fehler gemacht: Der Zensus wurde in Judäa, Samaria und Idumäa durchgeführt. Jesus Eltern lebten aber in Nazareth, Galiläa, sie waren also überhaupt nicht von der Volkszählung betroffen, die Reise nach Bethlehem hat definitiv nicht stattgefunden.

 

Stichwort Kindermord… Auch hier hat der Evangelist in die Trickkiste gegriffen, um eine prophetische Weissagung erfüllt sein zu lassen. Diesmal geht es um Hosea 11, 1 (- klick): „[…] Als Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten […]“ Es musste also einen Grund geben, damit Jesus von Ägypten nach Israel kommen kann. Dass Matthäus dafür einen Massenmord an Kindern erfand, um den Grund für eine Flucht nach Ägypten zu liefern, spricht IMHO dafür, dass der fromme Evangelimann eine ganz schön kranke Phantasie hatte…

 

Fazit:

Wenn es um den Zeitpunkt der Geburt des Christuskindchens geht, stochert die exakte Wissenschaft in dichtem Nebel, die biblischen Überlieferungen entsprechen andererseits nicht den Tatsachen. Auf das Jahr 4 v.Chr. hat man sich lediglich deshalb geeinigt, weil dies historisch belegt das letzte Jahr war, in dem der brutale Herrscher Herodes der Große, dem man den Kindermord in die Schuhe geschoben hat, gelebt hat. Und wenn es um den Ort geht, so ist dies mit Sicherheit der Lebensmittelpunkt von Jesu Eltern, Nazareth in Galiläa. Wenigstens etwas…

Wer waren die Eltern und Vorfahren von Jesus von Nazareth?

Die Eltern waren Maria und Josef aus Nazareth in Galiläa! Weiß doch jeder… Was aber nicht jeder weiß, ist, dass dies eine eher unbedeutende Familie war - ohne großartigen Stammbaum. Und zur Ehrenrettung der Maria sei hinzugefügt, dass die beiden der Quellenlage nach wohl tatsächlich verheiratet waren, und dass Josef tatsächlich der Vater Jesu war. Alle von dieser Lesart abweichenden Darstellungen wurden später entwickelt und sind absolut in das Reich der Mythen und Legenden zu verweisen.

 

Offensichtlich war den frühen „Anhängern des Weges“, aus denen sich das durch den Mann, der sich Apostel Paulus nennen ließ, Saulus von Tarsus, gegründete Christentum rekrutierte, die Herkunft ihres Meisters zu gering, sodass bald die Legendenbildung einsetzte, die dann etwa 30 Jahre später Eingang auch in die schriftlichen Überlieferungen fand.

 

Wie wir festgestellt haben, ging das bereits mit dem Geburtsort los – Fortsetzung fand die Legendenbildung bei der Abstammung. Eine für seine Fans so bedeutende Person wie Jesus von Nazareth musste wenigstens königlicher Abstammung sein!

So kam es zu den (dummerweisen unterschiedlichen) Stammbäumen Jesu, die erstmals von Matthäus und Lukas eingeführt wurden. Im Johannesevangelium muss derartiges als Firlefanz gesehen werden, denn Johannes macht Jesus gleich gar zum auf Erden wandelnden Gott. – Wir kommen gleich darauf zurück. Schauen wir uns zunächst die davidische Abstammung an:

 

Beide Stammbäume führen von Josef zu David und bei Matthäus darüber hinaus bis Abraham und bei Lukas gar bis Adam. Hätten die Jungs es doch bei der Linie bis David gelassen! So aber strafen sich die Stammbäume im Lichte heutigen Wissens als reine Phantasieprodukte. Dass Abraham und auch Adam niemals existiert haben, ist heute wissenschaftlicher Konsens. David hingegen ist wenigstens wirklich eine historische Persönlichkeit…

Ein weiteres Problem bei der Ahnenreihe auf Josef: Wenn Gott selbst über den Heiligen Geist den Knaben gezeugt hat, ist Josef keinesfalls der Vater, eine Ableitung der Herkunft über diesen Mann also sinnlos.

 

Die Kirche hat sich dann in den Trick gerettet, Maria zur Davidstochter zu erklären und die Stammbäume auf sie zurückzuführen.  Das ist allerdings ebenfalls Unsinn, da es weder jüdischem Recht noch jüdischem Usus entspricht und den biblischen Texten widerspricht.

So kam es dann in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu der Idee, Jesus sei von Josef vollgültig adoptiert worden. Aber auch diese Lesart widerspricht den schriftlichen Überlieferungen und entspricht absolut nicht dem damals geltenden jüdischen Recht.

 

Die Abstammungslegenden sind äußerst komplex und wesentlich verwickelter, als ich es in den wenigen dürren Zeilen darstellen konnte. Wer sich wirklich in dieses Gespinst aus Lügen und Märchen einlesen will, für den folgt hier eine

 

Buchempfehlung:

Uta Ranke Heinemann, „Nein und Amen -  Anleitung zum Glaubenszweifel“, ersch. 1992 bei Hoffmann und Campe, Hamburg, ISBN: 3-455-08457-5 (Seite 80 ff.)

 

Zurück zur Abstammung Jesu, die ja für die Menschen heute bedeutungslos ist, wenn Jesus von Nazareth Sohn Gottes, eine der Erscheinungsformen des Gottes Abrahams ist. Stellt sich die Frage: War er von Anfang an Gottes-Sohn, oder hat Gott ihn zu einem Zeitpunkt nach der Geburt zum Gott erhoben? Kleine Sonntagsschulkinder würden jetzt im Brustton der Überzeugung sagen, dass Jesus von Beginn an der liebe Heiland war, dass er bereits seit seiner vorgeburtlichen Phase göttlich war. So hat man es ihnen schließlich beigebracht. Woraus sich die Frage ergibt, ob die Religionslehrer wirklich die Bibel kennen… Wer aufmerksam liest, wird nämlich feststellen, dass die Vergöttlichung ein schrittweiser geschichtlicher Prozess war und der Glaube an die Gottessohnschaft keinesfalls göttlicher Offenbarung entsprungen sein kann. – Wäre das nämlich so, dann hätte die Göttlichkeit von Anfang an bestanden und es hätte keine verschiedenen Lesarten darüber gegeben, ob und ab wann...

 

Eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse des späteren Christentums ist der ca. 55 n.Z. entstandene Römerbrief des Saulus von Tarsus. Und der ist auch das älteste Zeugnis über eine Vergöttlichung des Menschen Jesus von Nazareth:

Guido Reni: Joseph mit dem Jesus-Kind, entst. um 1635, Eremitage St. Petersburg

(Zitat) „1 Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, 2 das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, 3 von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, 4 und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. 5 Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, 6 zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus. 7 An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! […]“ (Zitatende)

Vgl.:Römer 1, 1-7 (- klick)

 

Paulus ging also noch von einer davidischen Abstammung aus (von der wir heute wissen, dass sie falsch ist) und erklärt, Jesus sei durch die Auferstehung von den Toten zum Sohn Gottes geworden. – Von einer Göttlichkeit des Predigers Jesus von Nazareth war also bis etwa 20 Jahre nach seinem Tod noch nicht die Rede. Interessanterweise legt Lukas in der noch einmal etwa 20 Jahre später von ihm verfassten Apostelgeschichte Paulus die gleiche Lesart in den Mund, obwohl zu diesem Zeitpunkt in den Evangelien bereits von einer früheren Vergöttlichung ausgegangen wurde:

 

(Zitat) „[…]Und wir verkündigen euch die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, 33 dass Gott sie uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus auferweckte; wie denn im zweiten Psalm geschrieben steht (Psalm 2,7): ‚Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.‘ 34 Dass er ihn aber von den Toten auferweckt hat und ihn nicht der Verwesung überlassen wollte, hat er so gesagt (Jesaja 55,3): ‚Ich will euch die Gnade, die David verheißen ist, treu bewahren.‘  […]“ (Zitatende)

Vgl.:Apg. 13, 32-34 (- klick)

 

Erstaunlich, denn bereits Markus hat die Erhebung in den Gottesstand durch eine von Gott ausgesprochene griechische Adoptionsformel auf die Taufe im Jordan zurückverlegt:

 

(Zitat): „[…] 9 Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. 10 Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. 11 Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. 12 Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste; 13 und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. […]“ (Zitatende)

Vgl.:Markus 1, 9-13 (- klick)

 

Und Lukas selbst hat, wie Matthäus, in seinem Evangelium die Hoheit Jesu bereits auf das ungeborene Kind ausgedehnt. Die Gottheit Jesu begann für sie demnach bereits mit der Zeugung! – Warum dann die andere Interpretation in der Apostelgeschichte?

 

Ein Sonderfall ist dann das etwa 25-30 Jahre nach den Evangelien von Matthäus und Lukas verfasste Johannesevangelium, in dem schon mit den Einleitungsworten der Bogen zur Schöpfungsgeschichte geschlagen wird. Für Johannes war Jesus von Nazareth der von Anbeginn aller Zeit als Gottessohn präexistente Christus. Kubitza schreibt dazu[1]:

 

(Zitat) „[…] Christus ist für Johannes präexistent, seine Hoheit erst mit der Taufe oder gar erst der Auferstehung beginnen zu lassen, wär für Johannes fast schon Lästerung. Das Johannesevangelium schildert uns denn auch Jesus als wandelnden Gott auf Erden, der in gebieterischer Weise göttliche Reden hält und der selbst am Kreuz noch mit seinem ‚Es ist vollbracht‘ das Gesetz des Handelns fest in der Hand hält. Das Johannesevangelium wurde nach eigener Aussage geradezu geschrieben, um die Göttlichkeit Jesu zu erweisen.[2] So etwas lag Markus noch fern. Im Johannesevangelium verkündet Jesus sich selbst, wo er bei Markus noch das Reich verkündigt hat. Der ungläubige Thomas bei Johannes erweist sich als gar nicht so ungläubig, denn er spätere dogmatische Fixierungen vorweg, wenn er, nun endlich überzeugt, ausruft: ‚Mein Herr und meine Gott!‘[3], auch für dieses fantasiereichste Evangelium steile Aussage. […]“ (Zitatende)

 

Es wird also deutlich, dass in den Jesusüberlieferungen die Göttlichkeit Jesu mit steigendem zeitlichen Abstand zu seiner Kreuzigung immer stärker betont wurde, wohingegen sein Menschsein immer mehr in den Hintergrund gerückt ist.

 

Übrigens hilft uns das bei der Beantwortung der Frage nach der Authentizität der Jesus-Überlieferungen. Als Faustregel gilt: Da wo Jesus nicht als Gottes-Inkarnation auftritt, sondern als fehlbarer Lehrer, dürfte der Grund am tragfähigsten sein ;-)



[1] Quelle: Der Jesuswahn Seite 224 ff. „die schrittweise Vergöttlichung des Menschen Jesus“

[3] ebd. Vers 28

„… empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ ?

Leonardo da Vinci: „Die Verkündigung des Herrn“, Öl auf Holz, entst. ca. 1472. - Uffizien, Florenz [höhere Auflösung: (- klick) ins Bild]

Diesem Glaubensbekenntnis wurde zwar im vorliegenden Beitrag bisher nicht widersprochen, aber es ist naheliegend, dass es sich auch dabei um einen Irrglauben handelt. Einen Irrglauben, der übrigens von den frühen Anhängern des Wegs, den später sogenannten Judenchristen – speziell der Ebioniten – nicht geteilt wurde: Sie lehnten ihn als griechisch-heidnischen Ursprungs ab, und dürften damit richtig liegen. Die Lehre von der Jungfrauengeburt war schlicht ein Marketing-Gag bei der Heidenmission – notwendig um die paulinische Theologie „schmackhaft“ zu machen. Eine ausführliche Darstellung dieser Differenzen zwischen Heidenchristen und Judenchristen liefert Prof. Dr. Uta Ranke-Heinemann in „Nein und Amen“ im 12. Kapitel ab Seite 211.

 

Zum Thema „Jungfrauengeburt“ haben CANITIES-News in ihrer Kritik zum Teil 2 des Apostolikums, speziell im Abschnitt „empfangen durch den Heiligen Geist …‘ (- klick) bereits eine ausführliche Darstellung geliefert, aus der ebenfalls hervorgeht, dass die Idee von Wundern um die Schwangerschaft von Maria, der Frau des Josef, Mutter des Jesus von Nazareth, reine Phantastereien sind, mit dem Ziel den Menschen Jesus von Nazareth zu vergöttlichen.

 

In die gleiche Kategorie ist übrigens auch die Begegnung der „Jungfrau Maria“ mit Elisabeth der angeblich Mutter von Johannes dem Täufer einzuordnen. Überhaupt liefert die durchaus mit der von Jesus vergleichbare vorgeburtliche Legende von Johannes dem Täufer am ehesten den Beleg dafür, dass die Menschen der damaligen Zeit dazu neigten, für sie bedeutende Menschen durch Geburtslegenden biographisch aufzuwerten. Im Falle von Johannes erfolgte dabei auch gleich ein Rückgriff auf Legenden des Alten Testaments. Johannes‘ Eltern, Elisabeth und Zacharias, waren nämlich der Überlieferung zufolge alt und kinderlos, als der Erzengel Gabriel die wunderbare Schwangerschaft verkündete. Der gewaltsame Tod von Johannes wird nebenbei bemerkt ebenfalls oft herangezogen, um die innere Verwandtschaft und die familiären Beziehungen von Johannes [der, anders als Jesus, immerhin auch historisch belegt ist. Sowohl über seine Predigertätigkeit als auch über seinen gewaltsamen Tod (im 15. Jahr des Tiberius, also etwa im Jahr 28 oder 29) wird von Josephus  berichtet] aufzuzeigen. Dabei ist diese Nähe lediglich auf die biblischen Überlieferungen gestützt, da Lukas die beiden Geburtslegenden miteinander verknüpft hat. Kubitza schreibt dazu[1]:

 

(Zitat) „[…] Der Evangelist Lukas verknüpft nun die beiden Geburtslegenden von Jesus und Johannes, indem er Maria, die Mutter Jesu, der ebenfalls auf wundersame Weise die Geburt eines Sohnes angekündigt wurde, Elisabeth besuchen lässt[2]. Und als die beiden zusammentreffen, siehe da hüpft das Baby im Bauche Elisabeths (der Evangelist erwähnt dies zweimal), es erkennt offenbar seinen Herrn. Lukas bringt dann noch den Lobgesang der Maria (das berühmte Magnificat) und ebenfalls noch den Lobgesang des Zacharias (das Benedictus), alles weitgehend aus alttestamentarischen Versatzstücken zusammengestellt, schön zu lesen und auch zu vertonen. Doch auch hier ist der historische Wert fast null. […]“ (Zitatende)


Auch aus diesen biblischen Überlieferungen lässt sich also nichts Wunderbares um die nicht dokumentierte Geburt des Wanderpredigers Jesus von Nazareth herleiten. Letztlich bleibt so lediglich ein einziger Punkt, auf den sich Christen möglicherweise berufen könnten um zu belegen, dass die Geburt des Jesus ein wundersames Ereignis war, oder zumindest, dass sich der Termin der Geburt errechnen ließe:

[1] Quelle: Der Jesuswahn Seite 89 ff. „Jesus, ein Schüler Johannes des Täufers?“

Markiert der "Stern von Bethlehem" den Zeitpunkt von Jesu Geburt?

Carl Spitzweg (1808-1885): „Der Stern von Bethlehem“ entst. 1870/72, Oel auf Malpappe, 17,2 x 29,3 cm, Museum Georg Schaefer, Schweinfurt

Kurz gesagt: Nein! Es ist überhaupt fraglich, ob sich seinerzeit irgendein Himmelsspektakel abgespielt hat. Denn obwohl das Judentum sich von antiker Sternkunde abgrenzt, haben auch Bibelautoren Himmelsphänomene konstruiert und als Hinweise auf besondere Geschichtsereignisse gedeutet. Ein Beispiel dafür finden wir bei Joel 15, 15-21 (- klick) das mit Markus 13, 25-27 (- klick) vergleichbar ist

 

So, wie bei Markus die Wiederkehr des „Menschensohns“ von sich verfinsternden Gestirnen begleitet wird, so könnte bei Matthäus die Geburt des „Menschensohnes“ legendenhaft mit einem aufleuchtenden Stern ausgeschmückt werden.

Die Legende um den Stern und die Weisen aus dem Morgenland findet sich nämlich ausschließlich in Matthäus 2, 1-12 (- klick), sodass auch durch Textvergleiche kein Bezug zu einem dokumentierten oder errechenbaren Ereignis herzustellen ist. Dazu kommt, dass Matthäus die Legende um die Weisen aus dem Morgenland brauchte, um die Flucht nach Ägypten plausibel zu machen.

 

Entsprechend dünn ist auch der Text über diese Männer, eine Anzahl wird überhaupt nicht genannt, lediglich, dass sie drei verschiedene Geschenke mitbrachten. Die wirkliche Legendenbildung um diese biblischen Gestalten und die Festlegung der Zahl dieser Weisen hat erst etwa im 3. Jhdt. eingesetzt – die Namensgebung erfolgte dann etwa im 6. Jhdt[1].

Zurück zu dem Matthäischen Himmelsereignis: Welcher Art es gewesen sein soll, geht aus dem Text nicht hervor. Wir lesen lediglich, dass es ein Stern gewesen sein soll, der vor ihnen her am Himmel gezogen sein soll und über dem Geburtshaus stehengeblieben ist. Eine Beschreibung, die zu keinem bekannten Phänomen passt.

Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass das Himmelsspektakel stattgefunden haben könnte und von Matthäus nur ein wenig ausgeschmückt wurde, führen unsere Nachforschungen ins Leere. Es gab kein Himmelsereignis, welches sich nachweislich um einen möglichen Geburtstermin Jesu herum ereignet haben könnte[2]. Und wenn eines stattgefunden hätte, so können wir als sicher voraussetzen, dass es auch in den früheren Überlieferungen, in den frühen schichten von „Q“, bei Thomas und bei Markus erwähnt worden wäre.
Immerhin beschert uns das Matthäusevangelium in dieser Passage aber einen auffälligen Widerspruch bei den Synoptikern: Das Geburtsszenario, das bei Lukas in einer Krippe stattfand, ereignete sich bei Matthäus in einem ganz normalen Haus…

[1] vgl. Hugo Kehrer „Die Heiligen Drei Könige in Literatur Und Kunst“, ersch. Januar 2010 bei BoD, Norderstedt, ISBN: 978-1141123902

vgl. Manfred Becker-Huberti „Die Heiligen Drei Könige. Geschichte, Legenden und Bräuche“, ersch. November 2004 bei Verlag Greven, Köln, ISBN: 978-3774303560


[2] vgl. Wolfgang Habison, Markus Steidl, Doris Vickers, Peter Habison: „Der Stern von Bethlehem: Das Phänomen aus astronomiehistorischer Sicht“, ersch. 2006 bei Edition Volkshochschule, ISBN 3-900799-72-5

Was bleibt uns von dem Fest um die Heilige Nacht?

Wintersonnenwende! [Original und Quelle: (- klick ins Bild)]

Was uns unabhängig von den aufgepfropften christlichen Legenden bleibt (wenn wir es langsam angehen lassen), sind Tage der Besinnung, Tage der Harmonie voll Wärme und Licht.

 

Was uns bleibt, ist die Freude darüber, dass die Tage wieder länger werden: Am 21./22. Dezember ist Wintersonnenwende, ein Fest dass auch unsere Urahnen bereits gefeiert haben.

Und daher rührt wohl auch der Brauch einen Baum zu schmücken und dadurch den Sonnengott [Stichwort Mithraskult! Wir werden vor Weihnachten noch mit einem speziellen Blog darauf eingehen] zu ehren.  Bei den nördlichen Kulturen wurden im Winter Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren, das Grün in der Stube nährte die Hoffnung auf den Frühling.

 

Der Weihnachtsbaum ist also wohl ein heidnischer Kultgegenstand. Dennoch muss es nichts mit Heiligenverehrung, mit Götter- und Dämonenglauben zu tun haben, wenn wir uns einen geschmückten Nadelbaum ins Wohnzimmer stellen. Und es ist doch auch ein hübscher Brauch kleine Geschenke (bekanntlich erhalten diese die Freundschaft) für seine Lieben unter dem Baum zu platzieren. Müssen ja keine großen Geschenke sein, die Beschaffung muss nicht in einen Kaufrausch ausarten… Einfach kleine Gaben, die der/dem Anderen zeigen: Ich denke an Dich und habe Dich lieb.

 

Und der Wunsch nach „Friede auf Erden“ darf ganz und gar unabhängig von irgendeinem religiösen Fest geäußert werden. Im Gegenteil: Ohne christlichen  Kontext ist dieser Wunsch angesichts der Geschichte des Christentums wesentlich glaubwürdiger.

 

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Freunden alle Jahre wieder frohe und besinnliche Tage voll Friede, Freude und Harmonie[1].


P.S.: Sperrt in den Rauhnächten die Ohren auf! Es heißt, dass die Tiere in der Zeit zwischen 21. Dezember und 6. Januar in einigen Nächten um die Mitternacht die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen…Und in einigen Gegenden dürfen sich die Tiere bei einem Hausgeist über ihren Herrn beschweren: Falls er sie im letzten Jahr schlecht behandelt hat, wird der Hausgeist ihn dann bestrafen. :-)))
 

[1] Und unsere Feinde, mit denen wir uns auch in diesen Tagen in Prozesshändeln befinden – an dieser Stelle ein Gruß an die NAKler in der Dortmunder Kullrichstraße – können uns kreuzweise…

Kommentare

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  • Kornelia (Freitag, 13. Dezember 2013 09:15)

    "Und der Wunsch nach „Friede auf Erden“ darf ganz und gar unabhängig von irgendeinem religiösen Fest geäußert werden. Im Gegenteil: Ohne christlichen Kontext ist dieser Wunsch angesichts der
    Geschichte des Christentums wesentlich glaubwürdiger."

    Das ist für mich die Kernaussage!

    Willst du nicht mein Bruder sein (rel. Bruder), so schlag ich dir den Schädel ein. Bis auf den heutigen Tag so praktiziert von allen extrem geprägten rel. Gemeinschaften. Und "Schädel" einschlagen
    muss nicht wörtlich genommen werden. Ausgrenzung, Ablehnung, Arbeitsstellenverweigerung, nicht dargebotene Hilfestellung, verbotene Liebe, und und und - das alles setze ich gleich, denn es sind alles
    menschenverachtende Handlungsweisen.

    Und warum das Ganze? Weil, meiner Ansicht nach, die Menschen mit zu wenig Selbstvertrauen und Rückgrat erzogen werden. Jeder will aber etwas "Besonderes" und wichtig sein. Also schließe ich mich
    einer Gruppe an, die hat eine besondere Lehre, eine absolute Botschaft, einen Exklusivitätsanspruch - und schon bin ich "wertvoll", ich gehöre zu diesem Kreis, der den Anspruch erhebt, besser zu sein
    als die anderen Menschen.

    Ist es in unserem Denken so verankert oder sind wir einfach "Opfer", weil wir seit Jahrhunderten so konditioniert werden?

    Ich will auf jeden Fall kein "Opfer" mehr sein. Ich gehe nun meinen Weg ohne Weihnachten, ohne Glauben an eine wie auch immer geartete Geburt eines Erlösers.

    Sollte es wirklich einen Gott geben und er musste diesen Weg gehen, um seinen gemachten Fehler wieder gut zu machen, dann darf doch gefragt werden: "Was ist an diesem Schöpfer göttlich?" Er hat es
    bei der Erschaffung des Menschen nicht mit einkalkuliert, dass etwas aus dem Ruder laufen könnte? Warum griff er nicht bei Zeiten ein? Warum wurde nach der Sintflut (da hat "ER" ja angeblich mal
    eingegriffen) nichts besser im Zusammenleben der Menschheit?

    In diesem Sinne wünsche auch ich allen Lesenden ein paar wunderbare Tage im Kreis ihrer Familien. Ausruhen, lachen, singen, spazieren gehen, den einen oder anderen Menschen anrufen oder besuchen …...
    Und denkt dran: am 24.12. ist der Tag schon wieder um eine Winzigkeit länger! Es geht dem Frühling zu!

Mehr Info: (- klick) ins Bild!
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16.01.2018

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Das gem. NAK-Lehre Oberhaupt der Christenheit, der sog. Stammapostel Jean-Luc Schneider, erhebt sich selbst zur Gottgleichheit und erweitert die Trinität zur:

„göttlichen Vierfaltigkeit“ (- klick)

 

18.01.2018

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Wer nicht glauben mag, dass der NAK-Stammapostel seine Schäfchen gezielt belügt, um sie zu einem seinen Vorstellungen entsprechenden Verhalten zu drängen, wird hier eines Besseren belehrt:

„Bauernfängerei in Gambia“ (- klick)

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