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13.09.2013 - (fcs)

Der Dekalog - die 10 Gebote

Teil 1: Die Gebote sind nicht göttlichen Ursprungs

„Mose und die 10 Gebote“ (Jusepe de Ribera Spagnoletto) Öl auf Leinwand, entst. 1638

 

Eigentlich sind es ja 12 Gebote, also ein Dodekalog, die im 2. Buch Mose, dem sogenannten Exodus [Kap. 20, 2-17 (- klick)], und im 5. Buch Mose, dem sogenannten Deuteronomium [Kap. 5, 6–21 (- klick)], in zwei leicht voneinander abweichenden Fassungen eine Reihe von vorgeblich göttlichen Ge- und Verboten für das Volk der Israeliten festlegen.

Über die Anhänger des Juden Jesus von Nazareth wurden sie Teil der Lehre des Christentums, bei dem sie nicht nur die Kirchengeschichte mitprägten, sondern auch Bedeutung für die Kulturgeschichte Europas erlangten. - Im Judentum und Christentum  nehmen sie einen zentralen Rang für die theologische Ethik ein, und auch in der heiligen Schrift des Islam, der dritten abrahamitischen Religion, dem Koran [Sure 17,22–39 (- klick)], gibt es eine Reihe von 10 Anordnungen die sich an die 10 Gebote anlehnen. Wie im Alten und Neuen Testament finden sich im Koran auch sonst Anklänge an den Dekalog.

 

Den biblischen Überlieferungen zufolge hat der Jahwe, der Gott der Juden, dem Volk Israel, vertreten durch dessen Führer Moses, diese Gebote persönlich übermittelt und auf Steintafeln fixiert. Dementsprechend sind sie als direkte Rede Gottes formuliert. Der Ort der Gesetzgebung soll auf dem 2285 m hohen Berg Sinai, der sich auf der gleichnamigen Halbinsel erhebt, gewesen sein. Der Zeitpunkt war während des sogenannten Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten; um genau zu sein, „am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland“, so beginnt nämlich das 19. Kapitel des 2. Mose-Buches.

Diese wenigen Informationen zeigen bereits, ohne im Detail auf die nicht vorhandene Historie einzugehen, dass diese göttliche Gesetzgebung niemals stattgefunden haben kann:

Die jüdischen Überlieferungen über die Urväter sind lediglich übernommene Mythen; ein 400-jähriger Aufenthalt eines fremden Volkes in Ägypten ist nicht nachweisbar; Moses ist historisch nicht nachweisbar; die Flucht von ca. 2,5 Mio. Israeliten[1] (zum Vergleich: Der jetzige Staat Israel hat gerade einmal 8 Mio. Einwohner!) kann niemals stattgefunden haben, die ägyptische Wirtschaft wäre kollabiert; es ist ausgeschlossen, dass der Marsch von Ägypten nach Kanaan, der leicht innerhalb von 10 Wochen zu bewältigen gewesen wäre [siehe dazu auch weiter unten die Karte „Weg des 40-jährigen Exodus], 40 Jahre gedauert hat; das irrend durchwanderte Territorium ist so klein, dass sich die Kolonne  mehrmals selbst hätte begegnen müssen[2]; … - die Liste der Unmöglichkeiten ließe ich fortsetzen. Unterm Strich bleibt ein einziger logischer Schluss: Exodus und Gesetzgebung sind Märchen!

 

Fragt sich, wie dieser Dekalog tatsächlich entstanden und Teil des Pentateuch geworden ist. Und diese Frage haben wir im Zusammenhang mit dem 1. Teil des christlichen Credo bereits gestellt und auch bereits eine kurze Antwort geschrieben. Weitere Informationen sind in unserem Beitrag zur Entstehung des Gottes Abrahams enthalten. In beiden Beiträgen finden sich entsprechende Literaturverzeichnisse. Wir können uns also auch hier relativ kurz fassen:

Der Dekalog besteht leicht erkennbar aus einem Teil mit religiösen Anordnungen und einem Teil mit Sozialregeln, die beiden Teile sind nach übereinstimmender Meinung der Religionsforscher und Bibelwissenschaftler getrennt voneinander entstanden. Die ersten drei Gebote, also die religiösen Anordnungen  wurden wahrscheinlich erst ab dem Babylonischen Exil (586–539 v. Chr.) vor eine schon bestehende Verbotsreihe aus nomadischer Zeit gestellt.

 

Vgl. ergänzend zu in andedren CANITIES-Beiträgen bereits genannter Literatur, die folgende Arbeit mit tlw. abweichenden Ansätzen:

  • Lothar Perlitt „Bundestheologie im Alten Testament“, ersch. 1969 im Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, ISBN 3-7887-0002-5

 

Die zu dem Zeitpunkt bereits bestehende Reihe von Sozialgeboten ist wesentlich älter und dürfte wie die Urväter-Überlieferungen bereits aus der Zeit der frühen vedischen Religion stammen, die nach Einwanderung der arischer (indogermanischer) Stämme nach Nordindien (ca. 2.000 v.Z. zum Ende der Induskultur) den frühen HInduismus gebildet haben, dessen spätere Ausformung auch die antiken griechischen Philosophen beeinflusst hat.

 

Vgl. dazu:

  • Jan Gonda: „Die Religionen Indiens I, Veda und älterer Hinduismus“ (in: Die Religionen der Menschheit - Band 12., 2. Auflage; Hrsg.: Christel Matthias Schröder. Band 12. 2. Auflage) ersch. 1978 bei Kohlhammer-Verlag, Stuttgart, ASIN: B007EPF5OK


[1] 2. Mose 12, 37 spricht von 600.000 Mann zu Fuß ohne die Frauen und Kinder: – Wenn jeder Mann lediglich eine Frau und 2 Kinder hatte, waren allein das 2,4 Mio. Israeliten. Dazu kam lt. Vers 38 noch viel fremdes Volk sowie Schafe und Rinder, sehr viel Vieh. – Dieser Exodus zog lt. 2. Mose 13, 18 „wohlgeordnet“ aus Ägypten. Selbst bei 10er-Rotten in militärisch präziser Ausrichtung dürfte es sich um eine Marschkolonne von gut und gerne 300 km Länge gehandelt haben. Das würde übertragen auf heutige Verhältnisse bedeuten, dass die Autobahn zwischen Frankfurt/Main und Ulm komplett mit Menschen und Vieh verstopft wäre.

[2] Zur Erinnerung: Wir sprechen von einer gut 300 km langen Kolonne. Bei einer angenommen Geschwindigkeit von 4,2 km/h (vgl. http://de.scoutwiki.org/Marschzeitberechnung) und gleichzeitigem Abmarsch, würde die letzte Rotte ohne Pausen und Nachtruhe ca. 72 Stunden (= 3x24 Std.!) benötigen, um den Punkt zu erreichen, an dem die Kolonnenspitze abmarschiert ist.

„Die Sintflut“ (Antonio Caracci) Öl auf Leinwand, entst. ca. 1600

Es gab also wohl einen regen Kulturaustausch entlang der großen Ströme, durch den so eine Art internationales bürgerliches Gesetzbuch entstand. Über Stammes- Volks- und Kulturgrenzen hinweg galten (und gelten!) so Regeln, die überall für ein konfliktarmes Miteinander in den wachsenden Gesellschaften sorgten – solange sich alle daran hielten (und halten!). Mit Religion hat das Ganze aber nichts zu tun, sondern mit Vernunft. Und aus Vernunftgründen sind diese Regeln dann in einen religiösen Kontext gestellt worden. – Denn durch Überlieferungen war  jedem Menschen klar, was geschieht, wenn man sich nicht an göttliche Regeln hält, sich von Gott nicht mehr strafen lässt. Die drastischste Strafmaßnahme lesen wir in 1. Mose 6, 5-12 (- klick). Gegen menschliche Regeln mag der eine oder andere aufgemuckt haben… aber gegen göttliche? Diese Einstellung hat sich übrigens bis in die 50er und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gehalten, denn auch in neutestamentarischer Zeit wurde dafür Sorge getragen, dass menschliche Anordnungen (z.B. durch Apostel Petrus) als göttliches Gesetz gelten und das ein Verstoß gegen diese Anordnung ein Todesurteil nach sich zieht. Exemplarisch dafür steht die Story in Apostelgeschichte 4, 32 bis Apostelgeschichte 5, 11 (-  klick).

Wie immer Petrus die Liquidierung der beiden betrieben haben mag, und vielleicht ist die Story auch lediglich ein Lügenmärchen wie die Geschichte von der Sintflut: Eine rein menschliche, übrigens vernünftige, Entscheidung wurde zu einem göttlichen Gesetz erhoben!

 

Zurück zu den 10 Geboten: Wie genau die Sozialgebote (4. – 10. Gebot) zu den Juden gekommen sind, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Fest steht aber, dass diese Regeln nicht nur bei den Juden galten, sondern auch z.B. bei den Ägyptern bekannt waren. Im zwischen 2500 v.Z. und  1.500 v.Z. entstandenen „ägyptischen Totenbuch“ finden wir im Kapitel 125 im Bericht des Porphyrius eine Regelreihe, die als negatives Sündenbekenntnis formuliert ist und auch bereits ein Götterverehrungsgebot enthält.

 

Vgl. dazu:

  • Grégoire Kolpaktchy: „Das ägyptische Totenbuch“, 4. Aufl. ersch. 2001 bei Verlag Barth, Weilheim (Obb.), ISBN: 978-3-50219-385-2
  • John Marsham: „Canon chronicus Aegyptiacus, Ebraicus, Graecus (1672)”, neu aufgelegt in Latein 2011 bei Verlag Proquest - EEBO Editions, Ann Arbor (USA), ISBN: 978-1-24084-243-8

 

Auf jeden Fall sind die bereits als Einzelanordnungen verstreut in den alttestamentarischen Schriften vorkommenden Sozialgebote, wie bereits gesagt, erst nach dem babylonischen Exil mit den Verehrungsgeboten von Gott verknüpft und als sozusagen jüdisches Grundgesetz installiert. Perlitt, der diese Einheit im 7. Jhdt. angesiedelt, hat in seiner Arbeit vernachlässigt, dass das Sabbatgebot sich auf den priesterschöpferlichen Text in 2. Mose 2 (- klick) bezieht, und demzufolge frühestens 586 v.Z. vor die anderen Gebote gestellt worden sein kann.

Dies dürfte allerdings noch nicht die endgültige Variante gewesen sein, da das „Payrus Nash“, welches  auf frühestens 200 v.Z. datiert ist,  noch eine Mischform der beiden Dekaloge enthält. Daraus lässt sich schließen, dass der Dekalog noch bis zum Abschluss des jüdischen Bibelkanons (um 100 n. Z.!) weiterentwickelt wurde.

 

Vgl. dazu:

  • Paul Kahle: „Die hebräischen Handschriften aus der Höhle“, ersch. 1951 bei Kohlhammer, Stuttgart, ASIN: B0000BJXT3
  • Alexander Achilles Fischer: „Der Text des Alten Testaments: Neubearbeitung der Einführung in die Biblia Hebraica von Ernst Würthwein“, ersch. 2009 bei Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, ISBN: 978-3-43806-048-8

 

Schauen wir uns die biblischen Gebote, so, wie sie derzeit in der Bibel stehen, im Detail an. (Text gem. EÜ nach Luther i.d. Fassung von 1984):

 

Geb.

2. Mose 20

5. Mose 5

1.

2

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

6

Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft.

3

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

7

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

4

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:

8

Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.

5

Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,

9

Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,

6

aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

10

aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

2.

7

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

11

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

3.

8

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.

12

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat.

9

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.

13

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.

10

Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

14

Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du.

11

Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

15

Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.

4.

12

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

16

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir's wohlgehe in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

5.

13

Du sollst nicht töten.

17

Du sollst nicht töten.

6.

14

Du sollst nicht ehebrechen.

18

Du sollst nicht ehebrechen.

7.

15

Du sollst nicht stehlen.

19

Du sollst nicht stehlen.

8.

16

 

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

20

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

9.

17

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

21

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.

10.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

 

Interessanterweise wird dieser Dekalog konfessionsübergreifend in der kirchlichen Praxis abweichend von den biblischen Texten formuliert. Nämlich:

 

  1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
  2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
  3. Du sollst den Feiertag heiligen.
  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen.
  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

 

Und diese Abweichungen verkürzen die in der Lutherübersetzung bereits nicht mehr korrekten Aussagen noch mehr. – Will man vermeiden, dass offenbar wird, wie wenig diese „Gebote“ mit einem göttlichen Gesetz zu tun haben, und wie wenig sie für Nichtjuden gültig sind?

Weg des 40-jährigen Exodus

Aus dem hebräischen Originaltext übersetzt heißt es sowohl in 2. Mose 20, als auch in 5. Mose 5 „Ich bin Jahwe, …“. Der Gott, der zitiert wird, stellt sich also als derjenige Gott vor, der sich dem Volk Israel der biblischen Überlieferung zufolge offenbart hat, sich ihm sichtbar in Form einer Wolkensäule am Tag und einer Feuersäule bei Nacht.

Das Buch Exodus bietet dazu eine derart große Zahl Textstellen, dass ich sie nicht einzeln als Links einfüge sondern lediglich exemplarisch zwei Textstellen nenne:

 

„Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.“  2. Mose 13,21 (- klick)

 

„Und wenn Mose zur Stiftshütte kam, so kam die Wolkensäule hernieder und stand in der Tür der Stiftshütte, und der HERR redete mit Mose. Und alles Volk sah die Wolkensäule in der Tür der Stiftshütte stehen, und sie standen auf und neigten sich, ein jeder in seines Zeltes Tür.“  2. Mose 33,9-10 (- klick)

 

Weitere Teststellen sind: 2. Mose 13, 22; 2. Mose 14, 19+24; 4. Mose 12, 5; 4. Mose 14, 14; 5. Mose 31, 15

 

Die Adressaten der Gebote kannten (immer der Bibel zufolge!)  also den Absender. Sie wussten, wer Jahwe ist und insofern gilt diese Gebotssammlung der orientalischen Tradition folgend auch nur für diese Adressaten. Durch einen kleinen Kunstgriff allerdings auch für die in der traditionellen Lehre stehenden Juden:

In jeder Generation betrachte sich der Mensch, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen.“ heißt es in der Haggada, der für das religiöse Leben von gläubigen Juden verbindlichen Handlungsanweisung zum Pessachfest. – Dadurch wird jede lebende Generation der Juden zum Adressaten dieser Gebote – und niemand sonst!

 

Halten wir uns allerdings an die historischen Tatsachen, dann wird klar, dass diese 10 Gebote als Gesetzeswerk im Ganzen ungültig sind, weil es keinen Absender gibt. Dieses „sich offenbaren“ hat nie stattgefunden, da der Exodus nie stattgefunden hat.

Nun ergibt sich durch die Ungültigkeit des Gebotspakets im Ganzen das Problem, dass damit auch einzelne Gebote ungültig sind. Deswegen bietet es sich an, das Gebotspaket aufzuschnüren, und lediglich die ersten beiden Gebote (also 2. Mose 20, 2-7 und 5. Mose 5, 6-11) außer Acht lässt. Das ist wie mit dem Gottesbezug im Grundgesetz: Weil die Väter des Grundgesetzes es nicht besser wussten, haben sie den Gottesbezug in die Verfassung mit aufgenommen. Das war, wie wir heute wissen Unsinn. Deswegen sind die übrigen Verfassungs-„gebote“ dennoch richtig und sinnvoll!

 

Folgerichtig werde ich den Gottesbezug (sprich: Die Gebote 1-3) vernachlässigen und sehen, wie die übrigen Gebote zu verstehen sind. Klar ist jedenfalls bereits jetzt: Eine Sünde im Sinne eines Verstoßes gegen eine göttliche Rechtsnorm, der mir durch einen Vertreter Gottes vergeben werden müsste, für den ich möglicherweise aber auch mit religiösen Bußauflagen (z.B. zehn „Vater Unser“ beten o.ä.) sanktioniert werden müsste, um so wieder in den Stand der Unschuld, also Schuldfreiheit versetzt zu werden, ist kein Verstoß gegen eines der Gebote.

Wer dennoch tiefer in die ursprüngliche Bedeutung des Dekalogs einsteigen möchte, dem seien hier zwei Bücher empfohlen:

  • Werner H. Schmidt „Alttestamentlicher Glaube in seiner Geschichte“  7. überarb. u. erw. Aufl. ersch. 1996 bei Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, ISBN: 978-3-78871-263-1
  • William Sanford LaSor et al. „Bund und Gesetz am Sinai. In: Das Alte Testament“, 5. überarb. u. erw. Aufl. ersch. 2000 bei Brunnen-Verlag, Gießen, ISBN: 978-3-76559-344-4

 

Die verbleibenden sieben Gebote sind, darüber besteht sicher Einigkeit, simple Forderungen des gesunden Menschenverstandes, unverzichtbare Grundregeln für ein friedliches Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Sie haben sicher nichts mit irgendwelchen göttlichen Anordnungen zu tun, sondern eher mit der zutiefst humanistischen Idee, der Unverletzlichkeit der Menschenwürde.

Mit Anordnungen übrigens auch deshalb nicht, weil die in der Lutherübersetzung verwendete Formel „Du sollst …“ falsch ist! Im Urtext wird nämlich die Formulierung „Du wirst nicht…“ verwendet. Und das ist kein Gebot oder Befehl, keine Anordnung, sondern ein ermutigender Zuspruch, der unbedingtes Zukunftsvertrauen in den Adressaten ausdrückt. (Siehe Seite 220 in folgender Arbeit)

  • Georg Fischer, Dominik Markl: „Das Buch Exodus. - Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament“, ersch. 2009 bei Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, ISBN 978-3-46007-021-9

 

Für gottgläubige Christen ist es unseres Erachtens zwingend notwendig bei der Interpretation dieser Gebote das 3. Buch Mose (- klick) heranzuziehen. Die auf den ersten Blick apodiktisch formulierten Einzelgebote 4-10 bekommen darin ein wenig „Fleisch“ - Und wenn man dann schon bibelgläubig ist, dann sollte man konsequenterweise auch die Bestimmungen aus dem 3. Buch Mose buchstabengetreu befolgen!

 

Die Interpretation der verbliebenen sieben Gebote folgt im Teil 2 dieses Beitrags auf der nächsten Seite (- klick)

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Aktuelles:

26.11.2016

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Update 1:

Es ist schon auffällig, dass die NAK-Funktionäre ihre Methoden seit den 50ern des vorigen Jhdt. nicht geändert haben. - Auch dann nicht, wenn sie scheinbar einen Scherz machen. fcs hat das am Fall eines scheinbren Schenkelklopfers vom Rüdiger Krause aufgezeigt:

 „Von einem der auszug, die Anderen das Fürhten zu lehren“ (- klick)

 

Update 2:

Dass wir das noch erleben durften!
Die bornierten Halbgebildeten der NAK-Gemeinde Hamm-Werries setzen sich unter der Moderation vom auf facebook sattsam bekannten Hardcore-NAKidei Dieter Schulze zu einem Gesprächskreis zusammen und stellen fest, dass Geistesgrößen wie Schopenhauer, Berlin, Fred et al. schwachköpfige Dummschwätzer waren, indem sie auf bestechende Weise deren Erkenntnisse zur Willensfrei
heit des Menschen widerlegen:

„Klartext über die NAKn“ (- klick)

 

Update 3:

Es ist nahezu unglaublich, was für einen Haufen Schwachsinn nur eine Handvoll Apostel im Laufe eines Jahres so von sich gibt!
Und dann sind sie auch noch so stolz auf diesen Blödsinn, dass sie ihn als Zitate veröffentlichen lassen.
Wir haben sie einmal gesammelt und als kommentierte Zitate bei uns eingestellt:

„Die blöden Sprüche der NAK-Granden (Vol.1 + Vol. 2)“ (- klick)

 

Update 4:

Ein unverhoffter Leserbrief hat uns einen völlig neuen Blick auf die NAK eröffnet.
Grund genug, ihn unserer gesamten Leserschaft zur Verfügung zu stellen:

„Unverhofft kommt selten“ (- klick)