Wir bringen Licht ins Dunkel
Wir bringen Licht ins Dunkel 

zwei Redaktoren, zwei Theologen

10. Matthäus – Der jüdische Schriftgelehrte unter den Evangelisten

Auch das Matthäusevangelium ist anonym. Die Zuschreibung an den Apostel Matthäus stammt aus der späteren kirchlichen Tradition und lässt sich historisch nicht sichern.

 

Besonders schwer wiegt, dass Matthäus das Markusevangelium intensiv als literarische Vorlage benutzt. Er übernimmt ungefähr neun Zehntel des markinischen Materials und bearbeitet es für seine eigenen theologischen Zwecke.

Das macht eine Abfassung durch einen unmittelbaren Augenzeugen nicht unmöglich. Aber deutlich weniger wahrscheinlich.

 

Der Verfasser war ausgezeichnet mit jüdischen Schriften vertraut. Er interpretiert Jesus immer wieder im Licht der Tora und der Propheten. Seine Gemeinde dürfte starke jüdisch-christliche Wurzeln besessen haben. Als möglicher Entstehungsraum wird häufig Syrien genannt, insbesondere Antiochia. Sicher wissen wir es jedoch nicht.

11. Lukas – Der Historiker                       unter den Evangelisten

Der Verfasser des Lukasevangeliums nennt seinen Namen ebenfalls nicht. Im Prolog erklärt er ausdrücklich, dass bereits andere Berichte existieren und dass er vorhandene Überlieferungen geprüft und geordnet habe. Damit präsentiert er sich nicht als Augenzeuge, sondern als Sammler und Bearbeiter älterer Traditionen.

 

Sein Griechisch gehört zu den literarisch anspruchsvolleren Sprachformen des Neuen Testaments. Der Verfasser war mit antiker Geschichtsschreibung vertraut.

 

Seit dem zweiten Jahrhundert wurde er mit Lukas, dem Arzt und Begleiter des Paulus, identifiziert. Die moderne Forschung beurteilt diese Identifikation überwiegend skeptisch. Ein wichtiges Argument dafür ist das Paulusbild der Apostelgeschichte.

 

Es unterscheidet sich in mehreren Punkten von dem Paulus, der uns aus seinen eigenen Briefen begegnet.

 

Das spricht zumindest dagegen, den Autor ohne Weiteres als engen Reisebegleiter des Apostels zu betrachten.

12. Matthäus und Lukas

Zwei Redaktoren – aber wussten sie voneinander?

 

Nach der klassischen Zweiquellentheorie arbeiteten Matthäus und Lukas unabhängig voneinander.

  • Beide nutzten Markus.
  • Beide nutzten Q.
  • Beide verfügten über eigenes Sondergut.

Daraus entstanden zwei sehr unterschiedliche Evangelien. Diese Erklärung besitzt große Plausibilität. Sie ist jedoch nicht die einzige.

 

Andere Forscher vertreten heute Modelle, nach denen Lukas das Matthäusevangelium kannte. Deshalb sollte man nicht mehr schlicht behaupten:

  • „Die Forschung hat bewiesen, dass Matthäus und Lukas nichts voneinander wussten.“

Das wissen wir nicht!

 

Wir wissen lediglich: Die Unterschiede zwischen beiden Werken sind erheblich. Gerade ihre Weihnachtsgeschichten zeigen, wie frei beide Autoren ihre Traditionen gestalteten.

13. Lukas schreibt weiter - Das Evangelium bekommt einen zweiten Band

Das Lukasevangelium besitzt eine Besonderheit: Seine Geschichte endet nicht mit Jesus! Der gleiche Autor schrieb ein zweites Werk:

 

die Apostelgeschichte.

 

Beide Bücher richten sich an einen gewissen Theophilus. Die Apostelgeschichte verweist ausdrücklich auf den „ersten Bericht“. Sprachliche, literarische und theologische Gemeinsamkeiten lassen kaum Zweifel daran, dass beide Werke zusammengehören.

 

Das bedeutet: Lukas schrieb nicht nur eine Jesusgeschichte. Er schrieb eine Geschichte der Bewegung.

  • Jesus.
  • Jerusalem.
  • Petrus.
  • Paulus.
  • Rom.

Damit entstand eine der ersten großen Gesamterzählungen des frühen Christentums.

14. Warum schrieb Lukas                           die Apostelgeschichte?

Paulus wird Teil einer großen Geschichte

 

Die Paulusbriefe waren Jahrzehnte älter als die Apostelgeschichte. Doch sie waren keine Biographie. Sie reagierten auf konkrete Situationen einzelner Gemeinden.

 

Lukas dagegen wollte eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Dabei versucht er sichtbar, Jerusalem und die Heidenmission miteinander zu verbinden.

 

Petrus und Paulus erscheinen als parallele Gestalten.

  • Beide predigen.
  • Beide wirken Wunder.
  • Beide geraten in Konflikte.
  • Beide stehen unter göttlicher Führung.

Damit schafft Lukas eine theologische Brücke zwischen unterschiedlichen Strömungen der frühen Christenheit.

 

Seine Darstellung harmonisiert Spannungen teilweise stärker, als Paulus selbst sie schildert. Das zeigt besonders der Vergleich zwischen Galaterbrief und Apostelgeschichte.

 

Lukas schreibt deshalb keine neutrale Chronik. Er schreibt theologische Geschichtsschreibung. Und gerade darin liegt sein historischer Wert.

 

Nicht weil jedes Detail exakt stimmen muss. Sondern weil wir sehen, wie ein gebildeter Christ am Ende des ersten Jahrhunderts die Vergangenheit seiner Bewegung ordnete und deutete.

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am 01.01.2025

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