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10. Zurück nach Jerusalem

Als zwei Welten aufeinandertrafen

Nach seiner Vision vor Damaskus und den stillen Jahren in Arabia kehrte Paulus zunächst wieder nach Damaskus zurück. Erst danach machte er sich auf den Weg nach Jerusalem. Nach eigener Aussage geschah dies erst drei Jahre später.

 

Diese Zeitangabe ist bemerkenswert. Sie zeigt, dass Paulus keineswegs sofort den Kontakt zu den ursprünglichen Jüngern Jesu suchte. Als er schließlich nach Jerusalem kam, war er nicht mehr derselbe Mensch.

 

Er war nicht mehr der fanatische Pharisäer. Aber auch noch nicht der große Missionar, als den ihn die spätere Geschichte kennen sollte. Vor allem jedoch brachte er etwas mit, das es in Jerusalem bis dahin noch nicht gegeben hatte:

 

Eine fertige theologische Deutung Jesu.

Ein denkbar schwieriger Besuch

Man muss sich die Situation vor Augen führen:

 

Für Petrus, Jakobus und die übrigen Mitglieder der Jerusalemer Gemeinde war Paulus kein Unbekannter. Sie kannten ihn als Verfolger. Vielleicht hatten einige von ihnen Freunde verloren. Vielleicht hatten andere Jerusalem gerade wegen seiner Aktivitäten verlassen müssen.

 

Nun stand dieser Mann plötzlich vor ihrer Tür und behauptete, Gott selbst habe ihn berufen. Misstrauen war daher nicht nur verständlich. Es war nahezu unvermeidlich. Paulus selbst beschreibt den Besuch erstaunlich nüchtern. – Im Galaterbrief schreibt er:

»Nach drei Jahren ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.«

 

Fünfzehn Tage! - Mehr nicht. Kein längeres Studium. Keine theologische Ausbildung. Keine Unterweisung durch die Apostel. Paulus erwähnt ausdrücklich, außer Petrus und Jakobus kaum jemanden getroffen zu haben.

 

Warum betont er das so nachdrücklich?

 

Weil später immer wieder behauptet wurde, seine Theologie stamme aus Jerusalem. Und das weist Paulus entschieden zurück.

Barnabas – Der Mann im Hintergrund

An dieser Stelle tritt eine Persönlichkeit auf, die häufig unterschätzt wird. Barnabas. Ohne Barnabas hätte Paulus vielleicht niemals Zugang zur Jerusalemer Gemeinde gefunden.

 

Die Apostelgeschichte berichtet, dass Barnabas für Paulus bürgte. Er überzeugte die Apostel davon, dass dessen Bekehrung echt sei. Ob sich die Ereignisse genau so abgespielt haben, lässt sich heute nicht mehr überprüfen. Historisch spricht jedoch vieles dafür, dass Paulus einen einflussreichen Fürsprecher benötigte.

 

Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Gerade nach einer Phase heftiger Verfolgungen. Barnabas war offenbar genau jener Vermittler, den beide Seiten brauchten.

Ein erstaunliches Schweigen

Fast noch interessanter als das, was Paulus erzählt, ist das, was er verschweigt. Er berichtet nichts darüber, dass Petrus ihm die Lehre Jesu erklärte. Nichts darüber, dass Jakobus ihn unterrichtete. Nichts darüber, dass die Jerusalemer Apostel seine Theologie maßgeblich beeinflusst hätten.

 

Im Gegenteil: Der gesamte Galaterbrief verfolgt ein Ziel:

 

Paulus möchte beweisen, dass sein Evangelium unmittelbar von Gott stammt. Nicht von Menschen. Gerade dieses Beharren auf seiner Unabhängigkeit zeigt, wie groß die Spannungen bereits damals gewesen sein müssen.

Zwei Perspektiven auf denselben Jesus

Vielleicht bestand der eigentliche Unterschied gar nicht in einzelnen Glaubenssätzen, sondern in den Fragen, die beide Seiten bewegten.

 

Petrus, Jakobus und Johannes kannten den Menschen Jesus. Sie hatten seine Predigten gehört, mit ihm gegessen und seine Wanderungen begleitet. Für sie stand zunächst die Erinnerung an den Rabbi aus Galiläa im Mittelpunkt.

 

Paulus dagegen kannte den historischen Jesus überhaupt nicht. Er kannte nur den Auferstandenen. Seine gesamte Theologie entwickelte sich daher rückwärts. Nicht vom Leben Jesu zum Osterglauben. Sondern vom Osterglauben zurück zum Leben Jesu. Dieser Unterschied ist kaum zu überschätzen.

 

Er erklärt, warum Paulus Fragen stellte, die den Jerusalemer Aposteln zunächst vielleicht gar nicht wichtig erschienen.

Noch war man sich näher, als es später scheinen sollte

Trotz aller Unterschiede darf man den Gegensatz jedoch nicht überzeichnen. Paulus und die Jerusalemer Gemeinde teilten wesentliche Überzeugungen:

  • Sie glaubten, dass Gott Jesus auferweckt hatte.
  • Sie erwarteten seine Wiederkunft.
  • Sie bekannten ihn als den von Gott bestätigten Messias.

Die eigentlichen Konflikte lagen noch vor ihnen. Sie entzündeten sich nicht an der Person Jesu, sondern an einer ganz praktischen Frage:

 

Müssen Menschen zunächst Juden werden,

bevor sie Christus nachfolgen können?

 

Diese Frage sollte die junge Bewegung beinahe zerreißen. Und sie führte schließlich zu einer der folgenreichsten Versammlungen der Religionsgeschichte: Dem Apostelkonzil.

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letzte Updates:

09. August 2026

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Jahre zuvor hatte er diese Stadt als überzeugter Pharisäer verlassen. - Nun kehrte er als Verkünder eines Evangeliums zurück, welches längst die Grenzen des Judentums über-schritten hatte.

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„Wie viel Judentum vertrug das Evangelium des Paulus – und wie viel Paulus vertrug die Jesus-Gemeinde in Jerusalem?“

07.08.2026

05.08.2026

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am 01.01.2025

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