Die Offenbarung beginnt anders als das Johannesevangelium. Ihr Autor nennt sich selbst: Johannes.
Er befindet sich auf der Insel Patmos; er bezeichnet sich als Bruder, Leidensgenosse, Knecht und Prophet; er nennt sich jedoch niemals:
Apostel Johannes – Sohn des Zebedäus – Lieblingsjünger …
Deshalb unterscheidet die moderne Forschung gewöhnlich zwischen dem Verfasser des Johannesevangeliums und dem sogenannten
Johannes von Patmos.
Das Johannesevangelium besitzt ein einfaches, aber kontrolliertes Griechisch. Die Offenbarung dagegen enthält zahlreiche ungewöhnliche grammatische Konstruktionen und starke semitische Einflüsse.
Man sollte deshalb nicht einfach sagen, ihr Autor habe „schlechtes Griechisch“ geschrieben. Ein Teil der sprachlichen Eigenheiten kann bewusst stilisiert sein. Unübersehbar bleibt jedoch:
Beide Werke klingen sehr unterschiedlich. Auch ihre eschatologische Perspektive unterscheidet sich.
Auch dort ist das Lamm Opfergestalt. Zugleich erscheint es jedoch als siegreiche himmlische Herrscherfigur. Diese Unterschiede machen eine gemeinsame Autorschaft sehr unwahrscheinlich.
Bereits Dionysius von Alexandria bemerkte im dritten Jahrhundert die auffälligen sprachlichen und theologischen Differenzen.
Hier müssen wir sehr streng zwischen Quelle und Vermutung unterscheiden. Wir wissen:
Mehr wissen wir über seine Biographie nicht sicher.
Die häufig erzählte Geschichte, er sei ein palästinischer Wanderprediger gewesen, nach 70 nach Kleinasien geflohen und anschließend wegen Verweigerung des Kaiserkults nach Patmos verbannt worden, ist eine mögliche Rekonstruktion, aber keine gesicherte Tatsache.
Auch aus Offb 1,9 geht nicht eindeutig hervor, ob Johannes auf Patmos verbannt war oder sich aus einem anderen Grund dort befand.
Die traditionelle Datierung der Offenbarung gegen Ende der Regierungszeit Domitians, also ungefähr um 95 n. Chr., besitzt gute alte Bezeugung und wird weiterhin häufig vertreten.
Andere Forscher diskutieren jedoch auch frühere Datierungen. Eine systematische reichsweite Christenverfolgung unter Domitian lässt sich historisch ebenfalls nicht so einfach voraussetzen.
Die spätere Kirche identifizierte auch diesen Johannes mit dem Zebedäussohn. – Historisch spricht dafür wenig. Aber auch hier sollte man keine schwachen Argumente als Beweise verkaufen.
Dass Offenbarung 21,14 von den „zwölf Aposteln“ spricht, beweist für sich allein nicht, dass der Autor keiner von ihnen gewesen sein kann. Auch sein hohes mögliches Alter wäre kein zwingendes Gegenargument. Und dass er keine persönlichen Erinnerungen an Jesus erzählt, ist ebenfalls kein Beweis.
Stärker ist die Gesamtsituation:
Deshalb gilt die Gleichsetzung mit dem Apostel Johannes heute als historisch sehr unwahrscheinlich.