Am Anfang stand kein Neues Testament. Am Anfang stand eine Bewegung: Menschen erinnerten sich an Jesus. Andere deuteten seinen Tod.
Paulus schrieb Briefe; Markus erzählte eine Geschichte; Matthäus und Lukas bearbeiteten sie weiter; Johannes entwarf eine neue theologische Perspektive; Lukas schrieb zusätzlich eine Geschichte der jungen Bewegung; Johannes von Patmos schrieb eine Vision vom Ende der gegenwärtigen Weltordnung.
Erst später wurden diese Texte zu Heiliger Schrift.
Gerade darin liegt vielleicht der entscheidende Schritt zur Entstehung des Christentums als Buchreligion: Nicht darin, dass plötzlich ein Buch vom Himmel fiel, sondern darin, dass unterschiedliche Erinnerungen, Briefe, Erzählungen und Visionen nach und nach zu einem gemeinsamen normativen Textbestand wurden.
Wer das Neue Testament historisch verstehen möchte, sollte deshalb nicht nur fragen:
Sondern ebenso:
Denn erst dann beginnen die Texte wirklich zu erzählen…
Nicht nur von Jesus, sondern auch von den Menschen, die aus der Erinnerung an ihn eine Religion machten.
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